Kommentar

Und was würde Paulus dazu sagen?

Paulus würde, wäre er hier, davon sprechen, dass die sich öffnende Schere von arm und reich aus der Perspektive Gottes ein Zeichen ist, dass wir - aus dem Blickwinkel Gottes heraus betrachtet - allemal in einer vorläufigen, ja ich wag’s zu sagen, gerade deshalb auch sündigen Welt leben.

Paulus würde, wäre er hier, allen Blasen, in denen wir leben, nur zu gerne den Abschied geben. Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe! Und nicht eine Blase des Petrus, eine des Paulus und eine des Apollo – schon gar nicht eine evangelikal und eine liberal und eine ökumenisch und eine interreligiös. Das könnt ihr alles sein, würde er sagen, aber nicht im Gegeneinander, sondern verbunden im Glauben an den einen Gott.

Und Paulus, würde, wäre er hier, wie in Korinth darauf verweisen, dass der, der uns einlädt zum Mahl der Liebe und der Verbundenheit mit Gott ein anderer ist als irgendein Amtsträger oder wie auch sonst wichtiger Mensch welcher Kirche und welcher Diakonie und welcher Stadtmission auch immer.

Es sind nicht die Unterschiede, an denen Gott keine Freude hat, würde er sagen. Es ist das Unvermögen, dem Band der Einheit zu vertrauen. Und die in eure Mitte zu stellen und feiern zu lassen, die sonst niemand im Blick hat. Im Reich Gottes gibt es kein oben und unten, kein innen und außen. Es gibt nur eine Mitte, aber die seid nicht ihr.


Traugott Schächtele

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