Kommentar

Zum Ende des Ersten Weltkriegs am 11.11.1918

Im Tagebuch meines Großvaters steht unter diesem Datum zu lesen:

Schon zwei Tage hörte man, dass am 11.1., mittags 12 Uhr Waffenstillstand sein sollte. Mit höchster Spannung warteten wir alle auf diese Stunde, aber um 11 Uhr begannen die Franzosen nochmals das Dorf (Onville) zu beschießen, dass wir allen Grund hatten, in letzter Stunde noch das Schlimmste befürchten zu müssen, aber des Herrn Hand behütete uns, und um 12 Uhr hörte plötzlich alles Schießen auf, so dass wir erleichtert waren und aufatmen konnten. Dankbaren Herzens ging ich in das nahe liegende Gotteshaus, um dem Herrn aus tiefstem Herzensgrund zu danken, dass ich gesund diese Stunde erleben durfte.

Was hat mein Großvater Johann Georg mit seinem Gott ausgemacht, dankbar, dass er überleben durfte? Hat er ihm geklagt, was dieser Krieg so vielen Menschen zugemutet hat? Hat er sich aufgelehnt, weil kein Gebet diesen Krieg führe hat enden lassen? Hat er Gott die Einsicht vor die Füße geworfen, vier Jahren seines Lebens beraubt worden zu sein? Sein Opfer gebracht zu haben für fremde Götter, die Menschen sich gemacht haben. Götter, deren Opferbedarf schier unersättlich gewesen ist?

In seinem Tagebuch schweigt er dazu. Und ich habe ihn nie fragen können.

Traugott Schächtele 11.11.2018

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