Spiel mir das Lied vom Leben
- erhellende Perspektiven
in düsterer (Kirchen)Jahreszeit -
Thema-Gottesdienst in der maria magdalena gemeinde
am Sonntag, den 18. November 2001
(vorletzter Sonntag im Kirchenjahr)



Musik zum Einstimmen (10.30 - 10.43 Uhr)
(eingespielt; Gitarren-Choral-CD)

kurze Ruhepause

Vorspiel (Klavier; ab 10.45 Uhr)

Hinführung
Schön, dass Sie hierher gefunden haben an diesem Sonntagvormittag - mitten im November. Wir haben heute den zweitletzten Sonntag im Kirchenjahr. In zwei Wochen ist der erste Advent. Hochzeit für den besinnlichen Schein der Kerzen. Nicht nur auf dem Adventskranz.

Aber noch ist es nicht soweit. Noch regiert der morgendliche Nebel. Und jene feuchte Kälte, die uns immer wieder gerne in die bergende Wärme unserer Wohnungen und Häuser lockt. November - das ist die Zeit der düsteren Tage, die einem manchmal auf‚s Gemüt drücken. Die Zeit von Allerheiligen (bei unseren katholischen Geschwistern), die Zeit des Volkstrauertages wie heute, die Zeit des Ewigkeitssonntages und des Buß- und Bettages.

Wochen der Nachdenklichkeit. Tage, in denen man anfängt zu bilanzieren. In denen man spürt: Dieses Jahr will ganz allmählich ausklingen. Die ihm noch verbliebenen Tage fallen vom Jahresbaum wie die Blätter draußen im Wäldchen.

Wege gibt es, diese Tage besser zu ertragen, besser zuzubringen - etwa indem wir gegen sie ansingen. Indem wir die Lieder des Lebens in uns immer neu zum Klingen bringt. Indem wir das Licht des neuen Morgens singend in uns aufnehmen. Ich lade sie ein, dies zu tun, in dem wir gemeinsam das Lied "Morning has broken" singen - auf deutsch natürlich - in der Fassung, die wir im Gesangbuch finden.

EG 455,1-3: Morgenlicht leuchtet

Liedes des Lebens zu singen und zu hören, das tut uns gut - gerade in diesen Novembertagen. "Spiel mir das Lied vom Leben" - Unter diesem Motto steht der heutige Thema-Gottesdienst. "Erhellende Perspektiven in düsterer (Kirchen)Jahreszeit" sollen in diesem Gottesdienst angeboten werden.

L: Darum lasst und diesen Gottesdienst feiern:

im Namen Gottes, der das Licht erschaffen hat -
im Namen des Sohnes, dem wir Schwester und Bruder werden können -
und im Namen des heiligen Geistes, der uns erleuchtet und uns zum Singen und das Schöne in uns zum Klingen bringt.
G: Amen.

Die Psalmen sind Lieder des Lebens. Entstanden vor beinahe zweieinhalbtausend Jahren. Und doch prallvoll mit Erfahrungen des Menschseins, die so viel anders als die unsrigen gar nicht sind. Beten wir eines dieser alten Lebenslieder miteinander. Unter den Nummer 713 finden wir im Gesangbuch den 27. Psalm. Wir wollen diesen Psalm im Wechsel der linken Seite und der rechten Seite miteinander beten. Als Kehrvers singen wir:


Psalm 27


Kehrvers: Unser Leben sei ein Fest!

Der Herr ist mein Licht und mein Heil;
vor wem sollte ich mich fürchten?
      Der Herr ist meines Lebens Kraft;
      vor wem sollte mir grauen?
Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne:
dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang,
      zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn
      und seinen Tempel zu betrachten.

Kehrvers: Unser Leben sei ein Fest!

Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit,
er birgt mich im Schutz seines Zeltes
und erhöht mich auf einen Felsen.
      Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
      sei mir gnädig und erhöre mich!
Mein Herz hält dir vor dein Wort:
"Ihr sollt mein Antlitz suchen."
Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.
      Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,
      verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!

Kehrvers: Unser Leben sei ein Fest!

Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht
und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!
      Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,
      aber der Herr nimmt mich auf.
Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde
die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.
      Harre des Herrn!
      Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

Kehrvers: Unser Leben sei ein Fest!
Anklingen lassen: Spiel mir das Lied vom Tod; nach ca. 30 sec. Lautstärke zurücknehmen; in die Musik hinein sprechen:

Haben sie die Melodie erkannt? Es ist die Titelmelodie des Films: "Spiel mir das Lied vom Tod". 1968 kam der Film in die Kinos. Regisseur war Sergio Leone. Mitgespielt haben unter anderem Henry Fonda, Claudia Cardinale, Charles Bronson und Jason Robards. Ich will die Geschichte gar nicht erzählen. Ein Kampf um Land, das durch den Bau der Eisenbahn wertvoll geworden ist. Ein Kampf, der Opfer fordert. Aber am Ende die Gerechtigkeit siegen sieht. Die Titel-Melodie von Ennio Morricone wurder weltberühmt. Und der Titel des Films gab das Vorbild für das Thema dieses Gottesdienstes. Allerdings in veränderter Form: Spiel mir das Lied vom Leben!
Lieder des Todes werden genug gespielt in unseren Tagen. Wir wollen diese Lieder als Klagen im Gebet vor Gott bringen:

Klagegebet
Lieder vom Tod werden genug gespielt in unseren Tagen, Du Gott, Freund und Freundin des Lebens.

Wer denkt nicht an den Krieg in Afghanistan auch an diesem Morgen. Bomben fallen dort jeden Tag neu. Auch in der Zeit des Fastenmonats Ramadan, der am Freitag begonnen hat. Der Krieg kennt kein Fasten. Nur seine Opfer. Natürlich stehen uns auch die Bilder des 11. September vor Augen. Das brennende Inferno, das Tausenden den Tod gebracht hat. Nichts haben wir dazugelernt, Gott. Auf Gewalt reagieren wir mit noch mehr Gewalt. Andere Lösungen, dein Weg der intelligenten Feindesliebe - sie haben keine Mehrheit bei uns. Kaum zum Aushalten ist, was sich abspielt vor unseren Augen. Darum rufen wir zu dir und singen:

G: In Ängsten die einen, und die anderen leben...
.Kyrie, Kyrie eleison, Herr, guter Gott, erbarme dich!


Lieder vom Tod werden genug gespielt in unseren Tagen, Du Gott, Freund und Freundin des Lebens.

Und sie kommen daher in süßen und verführerischen Klängen, die uns einlullen sollen. In einem nicht mehr zu überblickenden Angebot der Konsumtempel unserer Tage, das uns orientierungslos macht. In leerem Dahergerede, wo gute Worte und oft sogar liebvolles Schweigen viel besser angebracht gewesen wären. In den Verkündern einfacher Botschaften, die nichts wissen von der Vielgestaltigkeit des Lebens. Im Kampf um Machterhalt und im Verdrängen derer, die als Konkurrenten identifiziert sind. Kaum zum Aushalten ist, was sich abspielt vor unseren Augen. Darum rufen wir zu dir und singen:

G: In Ängsten die einen, und die anderen leben....
Kyrie, Kyrie eleison, Herr, guter Gott, erbarme dich!


Lieder vom Tod werden genug gespielt in unseren Tagen, Du Gott, Freund und Freundin des Lebens.

Was erzählt man uns nicht alles! Leben sei nicht mehr als das, was wir mit Hilfe der Wissenschaft erklären und mit unserem Verstand und unseren Augen wahrnehmen können. Wahr sei, was sich durchsetzt. Liebe habe keine Chance auf dem Markt unseres Lebens. Inmitten vieler Menschen, auf der Suche nach Freiheit und entspannendem Vergnügen macht sich Einsamkeit breit. Bricht die Solidarität der Generationen. Verlieren wir die Fähigkeit, uns einzulassen auf den anderen, wahrzunehmen, wer der Mensch neben uns ist. Leben wir bestenfalls als Geschäftspartner und nicht als Schwester und Bruder. Kaum zum Aushalten ist, was sich abspielt vor unseren Augen. Darum rufen wir zu dir und singen:

G: In Ängsten die einen, und die anderen leben....
Kyrie, Kyrie eleison, Herr, guter Gott, erbarme dich!


Lieder vom Tod werden genug gespielt in unseren Tagen, Du Gott, Freund und Freundin des Lebens.

Was müssen wir nicht alles verloren geben! Beziehungen, die nicht mehr tragen und die uns Menschen plötzlich fern werden lassen. Zuneigung, die verdunstet wie Wasser in der Hitze. Zeit, die uns ohne Rücksicht durch die Finger rinnt. Menschen kommen mir in den Sinn, denen heimtückische Krankheiten einen Strich durch die Rechnungen ihres Lebens gemacht haben. Schneisen habe ich vor Augen, die der Tod unbarmherzig in unsere Mitte geschlagen. Kaum zum Aushalten ist, was sich abspielt vor unseren Augen. Darum rufen wir zu dir und singen:

G: In Ängsten die einen, und die anderen leben....
Kyrie, Kyrie eleison, Herr, guter Gott, erbarme dich!


Du Gott, kennst unsere Lieder. Du willst, dass wir die Töne des Lebens nicht überhören. Du, Gott, bringst uns zum Singen. Auch jetzt! Wir wollen das tun mit dem Lied

EG 628,1-3: Ich lobe meinen Gott

Meditation (1)
Spiel mir das Lied vom Tod! Nein, unser Wunsch ist das nicht. Uns steht der Sinn wirklich mehr nach den Liedern des Lebens. Wo suchen wir nach ihnen? Wo vermuten wir Orientierung? Welche Botschaften sind es, die wir für wichtig halten und die wir wichtig nehmen in unserem Leben? Wo vermuten wir die Antworten auf die Fragen des Lebens?

Viele Wege gibt es, hier zu Antworten zu kommen. Die Medien sind einer der vielen Spiegel, die wir uns täglich vorhalten. Hier werden Anworten versucht, die sich gut verkaufen. Hier sinmd die Deuter und Analysten am Werk, die die Zukunft kennen. Hier klingen die Melodien, die das Leben selber spielt.

Ich habe mich für einen ganz spezifischen Zugang zur Frage nach den Liedern des Lebens entschieden. Ich setze ein bei einem stündlichen Ritual, manchmal sogar halbstündlichen Ritual. Was so oft angeboten wird, muss sich doch großer Nachfrage erfreuen. Stellen sie sich vor, die Nachrichten sind gerade vorüber. Was folgt?

Einspielung 1: Wetterbericht (15 bis 20 Sekunden)

Eigentlich würde der Blick aus dem Fenster genügen. Oder der auf Thermometer und Barometer. Aber dieser Blick reicht nicht aus. Die Wetterfrösche wissen mehr. Nicht nur, wie das Wetter heute ist. Sie wissen auch, wie es sich entwickelt in den nächsten Tagen. Dieses Wissen macht attraktiv. Fünf Tage vorausdenken können. Sich einstellen können auf die Stürme, die uns entgegenwehen. Sich freuen können auf sonnigere Tage. Sich vorbereiten können in der Wahl der Kleidung und des jeweiligen Tagesprogramms. Der Vorsorge und der Vorfreude gleichermaßen Raum geben.

Meteorologen des Lebens, die bräuchten wir. Sie könnten uns Lebenslieder singen. Nicht einfach, weil wir wissen möchten, was am Ende auf uns zukommt. Zufrieden wären wir schon, über den Tellerrand dieses Tages hinaus schauen zu können. Was wird morgen sein? Herzlich willkommen, wer uns hier das Lied singen kann!

EG 209,1: Ich möchte‚, dass einer mit mir geht

Einspielung 2: Verkehrsmeldungen (15-20 Sekunden)

Keine Wetterprognose, der sie sich nicht unmittelbar anschließen. Doch nicht selten kommen sie zur falschen Zeit. Zu früh, weil wir noch weit weg sind und sie uns nicht interessieren. Oder zu spät. Weil wir ohnedies schon mitten drin im Stau stecken. Und dann ohnedies nichts mehr geht. Immer mehr Zeit beanspruchen diese Meldungen. Von immer länger werden Staus, verursacht durch Unfälle und Baustellen. Von Fahrzeugen, die einem auf der falschen Spur entgegenkommen. Von Veranstaltungen, die eine großzügige Umfahrung ratsam erscheinen lassen.

Gut, dass jemand den Überblick hat. Und zugleich warnend auf die entsprechenden Stellen hinweisen kann. Den Verkehrsfunk des Lebens, den bräuchten wir oft genug! Jemand, der uns aufmerksam macht auf Hürden und Hindernisse. Jemand, der freie Fahrt signalisiert. Jemand, der Orientierung bietet, auf die wir uns verlassen können.

Wohin will ich eigentlich? Komme ich gut durch im Leben? Herzlich willkommen, wer uns hier das Lied des Lebens singen kann!

EG 209,2: Ich wart‚ dass einer mit mir geht

Einspielung 3: Börsennachrichten
Der Blick auf den Aktienmarkt, manchmal gar die Live-Schaltung in Frankfurter Börse - dies ist das jüngste Kind dieser drei Info-Geschwister. Aber längst nicht mehr wegzudenken. Nur eine Minderheit hat Aktien. Aber eine Mehrheit lauscht gebannt den scheinbar Allwissenden, die jeder Kurvenbewegung einen Sinn abgewinnen können. Die Ratschläge geben, wo gehalten und wo verkauft werden soll. Die die Tränen des Verlustes abtrocknen und neue Gewinne in Aussicht stellen. Die mit neuen Märkten ganz nah dran sind an der Zukunft. Die sogar einen Index anzubieten haben, an dem man wie mit dem Fieberthermometer ablesen kann, wie gesund oder wie krank die Weltwirtschaft gerade ist.

Gut, dass jemand die Zeichen der Zeit lesen und interpretieren kann. Und uns dadurch vor Fehlinvestitionen bewahrt. Analysten des Lebens - niemanden bräuchten wir dringlicher.
Wie stehen unsere Aktien? Lohnt sich mein Leben? Find eich meine Nische am neuen Markt? Herzlich willkommen, wer uns hier das Lied des Lebens singen kann!

EG 209,3: Es heißt, dass einer mit mir geht

Biblische Textfuge

Text 1
Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind die Friedensstifter; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Text 2
Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkünden, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König. Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen. Aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer. Wie Wasser fließe das Recht und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. Und die Frucht der Gerechtigkeit wird Friede sein.

Text 3
Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.
Text 4
Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen bereit wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und Gott wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und Gott selbst wird mit ihnen sein. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein. Denn das erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!

Meditation (2)
"Alles neu! Alles von vorne! Eine biblische Polyphonie. Texte waren das alles, die Hoffnung machen. Worte, die helfen, dem Leben zu vertrauen. Grundlage aller Lebenslieder sind solche Worte. Worte, die uns singen lassen. Die biblische Tradition ist voll von solchen Lebensworten. Voll von solchen Hoffnungsgeschichten. Voller Anlässe, Lieder vom Leben zu hören und zu singen.

Unterlegen: O happy day

  • Die Geschichte von Noah nach der großen Flut, als Gott sagt: Ich will hinfort die Erde nicht mehr zerstören.
  • Die Geschichte von der Zusage an das alte, kinderlose Paar Abraham und Sarah, als Gott sagt: Ihr sollt die Stammeltern eines großen Volkes werden. Denn ich will euch segnen und ihr sollt ein Segen sein.
  • Die Geschichte vom Auszug aus Ägypten, als Gott sagt: Ich habe das Leiden meines Volke gehört. Ich will euch von neuem in die Freiheit führen.
  • Die Geschichte vom Ende der Verbannung in Babylon, als Gott sagt: Tröstet, tröstet mein Volk uns sagt der Tochter Zion, dass ihre Trübsal zu Ende ist.
  • Die Geschichte vom Mädchen Maria, zu der Gott sagt: Du wirst ein Kind bekommen, das diese Welt in ihren Grundfesten erschüttern und verändern wird.
  • Die Geschichte vom Ostermorgen, als Gott sagt: Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten.

Lebensworte haben wir gehört! An Hoffnungsgeschichten wurden wir erinnert. Eine Erinnerung, die uns zum Singen bringt. Und die uns vom Leben noch viel erwarten lässt. Gott lässt sich erinnern. An die Zusagen, die im Wort der Propheten an uns Menschen ergangen sind. An das Versprechen, die Erde zu bewahren vor Zerstörung und die Menschen vor der Missachtung ihrer Würde. An die Erfahrungen, die Menschen längst vor uns mit Gott in Verbindung gebracht haben.

Gott lässt sich erinnern an seine Geschichte mit Jesus von Nazareth. An ihr können wir ablesen können, welche Möglichkeiten in unserem Menschsein angelegt sind. Gott will nicht sein ohne uns Menschen und nicht ohne seine Schöpfung.

Darum ist das Leben mehr als die Summe seiner Fragmente. Ist es in seiner Bruchstückhaftigkeit schon Vorwegnahme dessen, worauf wir erst noch zugehen. Vorahnung der Fülle selbst unter den Bedingungen des Mangels. Ist es Ermöglichung der Zukunft unter den Gegebenheiten der Gegenwart. Leben - das ist der Versuch, die Unendlichkeit Gottes mutmachend abzuschatten in der Endlichkeit der Schöpfung.
Spiel mir das Lied vom Leben - so meldet sich unsere Sehnsucht zu Wort. Unsere Ahnung, dass wir noch ganz anders leben können. Lebenslieder nicht nur hören, sondern auch selber singen können. Jedes Leben hat seine eigene Melodie. Und es ist eine lebenslange Aufgabe, diese Melodie herauszuhören, sie zu entwickeln und ihr Klangräume zu geben.

Jedes Lied, das wir singen, bringt die Töne unseres Lebensliedes noch mehr an Leuchtkraft. Jeder Ton, in den wir einstimmen, lässt uns ein Stückchen aufrechter gehen. Schön, wenn wir jeden Tag unseres Lebens unserer eigenen Auferstehung ein gutes Stück näher kommen. Und gut, dass Gott durch uns seine Lebenslieder zum Klingen bringt. Amen.

Ein Lebenslied wollen wir jetzt auch miteinander singen. Das Lied von den Spuren Gottes mitten in dieser Welt.

EG 665,1-3: Wir haben Gottes Spuren festgestellt

Fürbitten
Als Kehrvers werden fortlaufend die letzten beiden Zeilen des Liedes EG 171 gesungen - nach der ersten Bitte die letzten beiden Zeilen aus Strophe 1, nach der zweiten aus Strophe 2 usw. Sie benötigen also ihr Gesangbuch, und dort das Lied 171.

Gott, Lebendigmachender, der neuschaffenden Kraft deiner Lebensworte wollen wir auch heute vertrauen, wenn wir diese Welt und die Menschen, die auf ihr leben, vor dich ins Gebet nehmen. Wir rechnen mit deiner Gegenwart, wenn du uns zurufst: Steht auf und lebt und wagt von neuem Schritte, die euch dem Leben wieder näher bringen.

Voll Vertrauen bitten wir dich, Gott, und singen:
    Sei Quelle und Brot in Wüstennot,
    sei um uns mit deinem Segen.
Lebt!, Das sollen wir denen zurufen, denen der Lebensmut abhanden gekommen ist und denen der lange Atmen verloren zu gehen droht. Denen, die leiden unter den Folgen von Krankheit oder dem Verlust eines ihnen nahen Menschen. Sei du, Gott, ihnen nahe und rufe ihnen zu: Steht auf und lebt und wagt von neuem Schritte, die euch dem Leben wieder näher bringen.

Voller Vertrauen bitten wir dich, Gott, und singen:
    Voll Wärme und Licht im Angesicht,
    sei nahe in schweren Zeiten.
Steht auf - das sollen wir denen zurufen, die durch die gegenwärtigen politischen Entwicklungen in Unruhe und Sorge gehalten werden, ganz gleich, ob als politisch Verantwortliche, als mündige Bürgerinnen und Bürger oder als direkt von den Auseinandersetzungen Betroffene - hier bei uns und dort, wo die militärische Konflikt tobt und nach wie vor die Bomben fallen. Sei du, Gott, ihnen nahe und rufe ihnen zu: Steht auf und lebt und wagt von neuem Schritte, die euch dem Leben wieder näher bringen.

Voller Vertrauen bitten wir dich, Gott, und singen:
    Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
    sei in uns, uns zu erlösen.
Steht auf, das sollen wir denen zurufen, die in deiner Kirche eine Keimzelle deiner neuen Welt sehen - im Einsatz für Gerechtigkeit und in der Weitergabe deiner guten Lebensworte. In der Einheit aller Menschen guten Willens. Vor dich, Gott, bringen wir aber auch alle, die am vergangenen Sonntag zu Kirchenältesten unserer maria magdalena gemeinde gewählt wurden. Sie übernehmen eine wichtige Aufgabe, für die sie auf unsere Unterstützung und auf deinen Segen angewiesen sind. Sei du, Gott, ihnen nahe und rufe ihnen zu: Steht auf und wagt von neuem Schritte, die euch dem Leben wieder näher bringen.

Voller Vertrauen bitten wir dich, Gott, und singen:
    Dein heiliger Geist, der Leben verheißt,
    sei um uns auf unsern Wegen.
Vater unser

Abkündigungen
Wahl (Thomas Weiß)

Wochenspruch
Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi. 2 Kor 5,10

SL EG 662,1-4: Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut

Segen
L: Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst: ich halte es nicht mehr aus. Keinen Tag, an dem du die Erfahrung machst, niemand ist da, der mir aufhilft. Jeder Tag unseres Lebens schenke uns von neuem eine Ahnung von der Kraft der Lebenslieder, die in uns klingen. Darum lasst euch zusprechen, wovon wir leben können.

Der Herr segne euch und behüte euch ...
G: Amen. Amen. Amen.
Nachspiel (Klavier)

Traugott Schächtele

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