Ansprache zur Verabschiedung
von Pfarrer Wolfgang Klein
im Gottesdienst am 15. Juni 2001
in der Markuskirche in Freiburg


Lieber Herr Klein,

schneller als noch als wir noch vor wenigen Monaten ahnen konnten, werden sie heute aus ihrer Freiburger Markusgemeinde verabschiedet. Und wie immer ist ein Abschied von widersprüchlichen Gefühlen geprägt - bei denen, die gehen, und bei denen die bleiben. Ich will einige dieser Gefühle benennen.

Da ist zunächst das Gefühl der Erleichterung. Erleichterung darüber, dass die Zeit der Ungewissheit und des Abwägens verschiedener Möglichkeiten zu Ende ist. Erleichterung auch, weil der Wegfall der gemeindlichen Belastungen hoffentlich der Selbstheilungskraft Ihres Körpers zugute kommt und neue Lebensenergien freisetzt. Unter die Erleichterung wird sich auch Sorge mengen. Wie wird sich die Zukunft gestalten? Ihre persönliche und berufliche Zukunft? Die weitere Versorgung der Markusgemeinde? Die zeit des Übergangs in eine neue Phase bei ihnen und ihrer Frau. Aber auch hier in der Gemeinde.

Neben der Erleichterung und der Sorge wird hoffentlich auch ein Drittes nicht vergessen: die Dankbarkeit. Die Dankbarkeit für nicht immer leichte gemeinsame Jahre. Jahre, die von ihnen nicht zuletzt familiär und ganz persönlich viel gefordert haben. Jahre aber auch, in denen es Gott an Zeichen seiner Gegenwart nicht hat fehlen lassen. Und fast immer sind diese Zeichen der Gegenwart Gottes an ganz konkrete Menschen gebunden. Menschen, die sie in ihrer Arbeit unterstützt und wertgeschätzt haben. Menschen, die eingesprungen sind und manche Last ihrer Arbeit mit ihnen getragen haben. Menschen, die mit ihnen in vielfacher Hinsicht mitgebangt und sie auch mit ihren guten Gedanken und Gebeten begleitet haben.

So hoffe sich sehr, dass im bilanzierenden Rückblick auf diese gemeinsamen zehneinhalb Jahre die Einsicht überwiegen kann: Es war eine gute Zeit! Wir wissen alle, was sie zu verschmerzen hatten. Und wir wissen auch, dass sie in der letzten Phase immer wieder körperlich so aus der Bahn geworfen wurden, dass ihr Weg in die Zukunft noch einmal eine neue unerwartete Wendung genommen hat. So wird das, was im Rückblick bleibt, der Grund, auf dem die Zukunft gestaltet werden kann. Und wie so oft ist die Essenz dessen, was unser Leben schön und wertvoll macht, die Erkenntnis: Es war Gottes Gabe im Schönen. Es war Gottes Mittragen im Schweren. Und es ist Gott als Grund unserer Hoffung, dem wir auch in Zukunft vertrauen können.

Der Spruch für diese Woche, die mit dem heutigen 5. Sonntag nach Trinitatis beginnt, umschreibt eben diese Erkenntnis in der Sprache des Epheserbriefes. Und eben diesen biblischen Vers will ich über ihren heutigen Abschied und ihren Weg in die Zukunft stellen:

Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben.
Und das nicht aus euch.
Gottes Gabe ist es!


Leicht ist es nicht, diese Bewertung des Epheserbriefes anzunehmen. Wenn wir uns aber dazu durchringen können, wird manches leichter, was vorher den Blick nach hinten getrübt und nach vorne unmöglich gemacht hat.

Mit dem Seligwerden aus Gnade haben‚s die Menschen heute nicht mehr so gerne. Sie wollen eher glücklich als selig werden. Aber so groß ist da der Unterschied gar nicht, wenn es überhaupt einen gibt. Interessanter ist da schon der vorgeschlagene Weg zu diesem Glück: der Glauben. Das, was uns so wichtig und wertvoll ist, dass wir all unser Vertrauen darauf setzen. Ich glaube nicht, dass man ohne Glauben leben kann. Und ich meine jetzt zunächst gar nicht den Glauben in dem Sinne, wie wir ihn in der Kirche verstehen.

Als aller erstes müssen wir uns selber glauben. An das, was Gott an Möglichkeiten in uns gelegt hat. An eine Zukunft, in der zu leben sich auch noch für diejenigen lohnt, die nach uns kommen. Der feste Glauben, dass sich auch hinter dem, was wir nicht einordnen können, neue Möglichkeiten verbergen. Weil wir so glauben können, können wir auch leben und feiern.

Jeder Mensch buchstabiert diesen Glauben für sich auf andere Weise. Sucht einen anderen Grund, der trägt. Hat andere Motive, andere Themen, die ihm wichtig sind. Was hindert‚s, immer wieder neu für den Glauben an den zu werben, der der Grund neuer Lebensmöglichkeiten sein will. Für Gott, der will, das unser Leben schön wird und gelingt. Dass es gelingt, liegt in unseren Händen und ist doch zugleich und zuerst Gottes Gabe. Darin liegt das ganze Geheimnis der Theologie.

So wünsche ich ihnen, lieber Herr Klein, dass Gott ihnen auch auf ihrem neuen Weg seine Gaben vor die Füße legt. Und nichts anderes wünsche ich auch der Markusgemeinde. Zugleich danke ich ihnen von Herzen für all ihren Einsatz. In diesen Dank möchte ich auch von Herzen ihre Frau einschließen.

Worte des Dankes gelten meinerseits aber auch dem Ältestenkreis. Immer wieder hat er die Verantwortung für die Gemeindearbeit übernommen und dabei auch ihr Wohl im Blick gehabt. Frau Richter als frühere Vorsitzende und ihre Nachfolger als gemeinsame stellvertretende Vorsitzende, Frau Seifried und Herr Kraft seien stellvertretend für alle genannt.

Viele wären weiter zu nennen. Diejenigen, die immer wieder und oft auch kurzfristig mit ihnen Gottesdienst gefeiert und sich auf andere Weise engagiert haben - nicht zuletzt auch ihr Vorgänger, Herr Pfarrer Hopfer. Nicht zuletzt möchte ich an dieser Stelle auch ihrer Sekretärin, Frau Lutz-Hirsch von Herzen Danke sagen. Alle anderen sind nicht vergessen. Der Dank schließt sie alle ein und niemanden aus. Beim anschließenden Empfang wird davon sicher noch die Rede sein.

Was bleibt? Doch dies, dass sie und wir alle auch in Zukunft an den gewiesen sind, der Sie auch bisher schon geleitet und begleitet hat. Amen.
Traugott Schächtele

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