Ansprache zur Verabschiedung
von Pfarrer Peter Hanselmann
am Sonntag, den 26. November 2000



Lieber Peter,

nun rückt er also immer näher: dein Abschied von der Pfarrstelle in Mengen und der Wegzug zusammen mit Deiner Familie. Es war ein langer Weg, bis es wirklich so weit war. Die ersten Überlegungen bis hin zur Bereitschaft der Bewerbung. Die Information des Kirchengemeinderates und all die Vorsorge, die nötig war, damit die Zukunft dieser Gemeinde geplant werden konnte - sofern wir Zukunft überhaupt planen können. Es ist gewiss nicht leicht gewesen, noch ganz der hiesige Pfarrer zu sein - und zugleich immer wieder schon Verantwortung in deiner neuen Gemeinde zu übernehmen. Da ist die hiesige Pfarrstelle ja schon eine Spagatstelle, bei der man zwei Standbeine braucht und zugleich ja auch noch ein Spielbein haben soll. Und dann kommt gleichsam noch eine dritte Aufgabe hinzu, ohne dass die anderen Aufgaben deshalb weniger werden.

Dir ist in den letzten Monaten so etwas wie die Quadratur des Kreises - oder soll ich sagen des pfarrerlichen Dienstes - gelungen. Und doch glaube ich ist es gut, wenn diese Zeit mit diesen immensen Anforderungen irgendwann einmal ein Ende hat. Schließlich kann man die Stunden des Tages und die Kraft, die einem zur Verfügung steht, nicht beliebig vermehren.

Wer eine Pfarrstelle wechselt, mutet vielen etwas zu. Sich selber zuerste, wie ich es eben schon angedeutet habe. Der Familie ebenso mit Schulwechsel und Umzug und kräftezehrendem Neubeginn. Natürlich mutet man auch der alten Gemeinde einiges zu, die vor der Aufgabe steht, allmählich Abschied zu nehmen - nach fast zwanzig gemeinsamen Jahren keine leichte Aufgabe. Ein Ausschreibungstext muss erarbeitet werden. Vertretungsregelungen müssen erdacht und umgesetzt werden. Überhaupt: es gilt die schwere Aufgabe zu bewältigen, trotz des Rückblicks auf gemeinsame zwei Jahrzehnte zugleich nach vorne zu blicken.

Ihr Kirchengemeinderat, liebe Gemeinde, hat sich wacker und tapfer geschlagen in diesen vergangenen Monaten. Dafür auch an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön. Ein ebensolches und wahrhaftig ebenso verdientes Dankeschön an Dich, lieber Peter, und an Sie, liebe Frau Hanselmann. Was wurde da vorhin nicht alles zusammengetragen an Berichtenswertem und an Bleibendem aus diesen zwei Jahrzehnten. Und so feiert ihr heute acht Wochen nach dem regulären Erntedankfest noch einmal Erntedank. Und dieses Mal einen ganz persönlichen.

Wieviele gemeinsame Aufbrüche, wieviele gemeinsame Bemühungen, hier Gemeinde zu bauen und weiterzusagen, was Deines und Eures gemeinsamen Amtes war: in Predigt und Unterricht. In Besuchen und Gesprächen. In Konzerten und Kunstausstellungen. Und gerade heute, am Ewigkeits-oder wie man auch sagt Totensonntag möchte ich daran erinnern: Wieviele Menschen hast du in so vielen Jahren zu Grabe tragen, wieviele Angehörige trösten müssen. Das bleibt. Das verbindet auch. Über den Tag hinaus. Es bleiben aber auch all die feste mit fröhlichem Charakter: Taufen, Trauungen, Konfirmationen, die Jubiläumgsgottesdienste, Einschulunsgottesdienste und viels andere festliche und fröhliche Anlässe.

Erst wenn man alles nebeneinander aufreiht, kann man erahnen, was da alles zusammenkommt an Energie und Ideen, an umgesetzter Kreativität und an Einsatzbereitschaft.

Es gibt ein treffliches Sprichwort für eine Situation wie die heutige. Es lautet: Nicht weinen, weil vergangen, sondern lächeln, weil gewesen. Und ich hoffe sehr, dass sowohl ihr, die ganze Familie Hanselmann wie auch die ganze hiesige Gemeinde heute zu einem solch dankbaren Lächeln fähig ist. Eigentlich bin ich ja der einzige, der wirlklich von Herzen lächeln kann. Denn mir - oder besser gesagt - dem Kirchenbezirk Freiburg bleibt ihr ja erhalten. Aber die Mengemer und die Hartheimer und die Feldkircher - sie alle werden euch heute schon mit einigen Tränen in den Augen laufen lassen - zumal noch nicht wirklich geklärt ist, mit wem es weitergeht. Aber das hat gewiss auch sein Gutes. Jetzt wird erst einmal kräftig Abschied gefeiert. Und dann wir mit vereinten Kräften der neue Anfang in den Blick genommen.

Kein biblisches Wort trifft diese Situation besser als jene berühmten Verse aus dem biblischen Predigerbuch. "Alles hat seine Zeit", heißt es da. "Das Pflanzen hat seine Zeit und das Ausreißen, das Bauen und das Abauen. Der Abschied und der Anfang." Dies gilt auch für ein Pfarrersleben. Hier gehören Abbau und Neuanfang, Auszug und Einzug immer ganz eng zusammen. Der eine pflanz, der andere begießt und der dritte geht noch einmal einen ganz anderen Weg. Dies muss man erst einmal aushalten. Da ist es gut, wenn man in jenem Kapitel dann noch etwas weiter liest. Dort findet man dann die schönen Verse: "Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. Aber Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit. Auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt. Da merkte ich, dass es nichts Besseres gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben."

All dies wünsche ich dir, lieber Peter, dein Familie, aber auch ihnen und der ganzen Gemeinde: Dass sie alle mitten in dieser Zeit des Umbruchs erkennen, dass es nichts besseres gibt als fröhlich zu sein und die Schönheiten Gottes zu entdecken.

Was bringt man einem scheidenden Pfarrer denn nun mit? Ein Buch hat er schon - und irgend etwa Schweres, das den Hausstand vergrößert und womöglich dann noch den Umzug verteuert, soll‚s schließlich auch nicht sein. Zwei Dinge sind mir dann dennoch eingefallen. Das eine ist ein Zeitschrift, die erst nach dem Umzug ausgeliefert wird, nämlich die neue Zeitschrift "Zeizeichen", die du dir hoffentlich noch nicht aboniert hast. Es ist die Nachfolgezeitschrift der EVANGELISCHEN KOM;MENTARE. Und da die Kosten den üblichen Rahmen eines Abschiedgeschenkes etwas sprengen, weil man gleich für ein Jahr abonieren muss, habe ich mir gedacht: die ersten sechs Ausgaben sind das Abschiedgeschenk für Mengen. Und die zweiten sechs das Antrittsgeschenk für Breisach. So bin ich dann im Januar gleich aus dem Schneider, wenn ich mir ein Geschenk zu deiner Einführung überlegen müsste.

Die zweite Gabe, die ich mitbringe, braucht ebenso wenig Platz. Es ist ein kleines Gedicht. Denn wenn der Kirchengemeinderat so gut dichtet, muss der Dekan doch zumindest mithalten. Hört mir also noch einmal kurz zu.



    Die Hanselmanns geh‚n fort von Mengen!
    Nicht widerstehn den süßen Klängen
    vermochten sie, die sie erreichten
    und die ihr Herz dann so erweichten,
    dass sie am End‚ sich locken ließen.
    Bald werden sie den Tag genießen
    An neuer, wohl vertrauterer Stätte,
    wo gern man ihn zum Pfarrer hätte.
    Der Rhein allein bleibt ihnen treu,
    Doch die Gestade, die sind neu.
    Und manches andre sicher auch.
    So ist‚s beim Wechsel eben Brauch.
    Nach Breisach lenken sie die Schritte.
    Heut sind sie noch in eurer Mitte.
    Noch lässt man euch von hier nicht ziehen.
    Und nichts gibt‚s heute auch zu fliehen.
    Auch Abschied will gefeiert werden
    So ist es üblich hier auf Erden.
    Mit Gottesdienst und Dankesworten
    .In Mengen, Hartheim und den Orten,
    wo du als Pfarrer voll Elan
    der Kirche brachst gar manche Bahn.
    Der Dankesworte auch von mir
    soll heute es nicht fehlen dir
    Und deiner Frau samt Kind und Kegel,
    eh‚ ihr zur fahrt setzt eure Segel.
    Was hier gelungen, wird euch bleiben.
    Die Zeit wär‚ knapp, dies aufzuschreiben,
    was bleibt als eurer Mühe Lohn.
    Drum sag ich mit gedämpftem Ton:
    Geht weiter unter Gottes Segen.
    Behüt euch Gott auf euren Wegen.


Dankgebet
Guter Gott, du gehst unsere Wege mit. Darum bitten wir dich heute besonders Pfarrer Peter Hanselmann und seine ganze Familie. In diesem Gottesdienst nehmen sie Abschied von ihrer Gemeinde, in der sie so viele Jahre hindurch segensreich gewirkt habe. Nun stellst Du sie vor neue Aufgaben und läßt sie neue Wege gehen. Begleite sie auch in Zukunft mit deinem Geist der Zuwendung und der Freundlichkeit. Laß sie von neuem Heimat finden. Gib, laß die Früchte ihrer Arbeit hier und dort zu einem Segen werden für die Menschen.

Segen
Und der Segen unseres Gottes, der euch begleitet hat an allen tagen eures Lebens und des Lebens und Arbeitens in eurer Gemeinde möge euch auch künftig über euch sein und durch euch wirken.


Traugott Schächtele

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