Ansprache anlässlich der Einführung
von Eberhard Deusch als Pfarrer
der Evang. Kirchengemeinde in Wolfenweiler
am Sonntag, den 29. Oktober 2000 (19.S.n.Tr.)



Liebe Gemeinde!
Noch ist ihr neuer Pfarrer zusammen mit seiner Frau nicht ins Pfarrhaus eingezogen. Und doch arbeitet er schon fast zwei Monate hier an seinem neuen Einsatzort. Ehe sie beginnen, sich doch schon an die neue Situation zu gewöhnen, ist es Zeit, dass wir auch ganz offiziell die Einführung feiern.

Und wie schon die Wahl findet auch die Einführung in die neue Pfarrstelle in einem Gottesdienst statt. Denn die Einführung in eine Pfarrstelle ist kein Verwaltungsakt, den man irgendwo in den Diensträumen vollziehen könnte. Diese Einführung ist auch kein öffentliches Gelöbnis, das man besser in eine Halle oder auf einen freien Platz durchführen könnte. Sie ist schon gar nicht eine private Feier ohne Anteilnahme vieler.

Wo anders als in einem Gottesdienst ließe sich feiern, dass Gott seinem Wort Raum geben will in dieser Welt. Dass es ihm auf Menschen ankommt, die sich dafür gewinnen lassen, aus ihrer Berufung auch einen Beruf zu machen und anderen weiterzusagen, wovon sie selber leben. Davon, dass wir es am Ende nie selber richten können, wenn da nicht noch eine andere Macht ist, die uns hält. Davon, dass Gott es gut mit uns meint und uns nahegekommen ist und uns nahekommt: in Jesus, Mensch wie wir und doch Gottes Platzhalter in dieser Welt und in jedem Menschen, der wie wir Ebenbild der Menschenfreundlichkeit Gottes ist.

Wenn wir nun heute die Einführung von Eberhard Deusch als Pfarrer dieser Gemeinde feiern, dann machen wir öffentlich, dass wir angewiesen sind auf Gottes Lebensworte. Und dass wir froh sind, dass es Menschen gibt, die uns zusprechen, was wir uns selbst so nicht zusprechen können.

Über diese Einführung von Pfarrer Eberhard Deusch als Pfarrer der Evangelischen in Wolfenweiler, Schallstadt, Leutersberg, Pfaffenweiler und Ebringen hat der Evangelische Oberkirchenrat eine Urkunde ausgestellt. Deren Text möchte ich ihnen jetzt vorlesen.

- Verlesung der Urkunde -

Lieber Eberhard,

schön, dass wir heute deine Einführung feiern. Und das gleich aus drei Gründen. Schön für diese Gemeinde, dass die Pfarrstelle ohne eine lange Vakanz wieder besetzt werden konnte. Schön aber auch für dich, dass du nach deiner Tätigkeit in Staufen nun ausgerechnet hierher gewechselt bist. Schön ist es aber auch für mich, dass mit dir bzw. zusammen mit deiner Frau zwei Menschen hierher kommen, die mir schon lange bekannt und vertraut sind und wir voneinander wissen, was wir aneinander haben. Was wir uns zumuten und zutrauen können. Und auch dir, Katrin, ein herzliches Willkommen.

Diese Pfarrstelle ist schon etwas besonderes. Natürlich denkst du zurecht, dass ich das sagen muss. Schließlich bin ich in dieser Kirche getauft, konfirmiert und ordiniert. Nur zur Hochzeit bin ich damals auf den Tuniberg ausgerissen. Nein, dass diese Pfarrei etwas Besonderes ist, dafür gibt es auch andere Belege. Der berühmteste vielleicht aus jenem legendären Brief aus dem Jahr 1811, in dem es ja heißt: "Ich habe eine Pfarrei gesehen, die ich mir nicht will nehmen lassen, wenn ich noch lebe und unterdessen keine andere habe, nämlich Wolfenweiler. Dort ist‚s hübsch."

Du kennst den berühmten Briefschreiber sicherlich auch. Es handelt sich um Johann Peter Hebel, der Vater der badischen Kirchenunion.

Bei anderen ist hat es nicht mit dem Wunsch nach der hiesigen Pfarrstelle sein Bewenden gehabt. Ich denke etwa an Jakob Otter, der von 1518-1522 hier Pfarrer war und schon damals reformatorisches Gedankengut in der hiesige Gemeinde säte. Jakob Otter gehört zu denen, die sich bei der Durchsetzung der Reformation in Süddeutschland große Verdienste erworben hat.

Insgesamt fällt auf, dass - von Ausnahmen abgesehen - die hiesigen Pfarrer eine große Verweildauer aufgewiesen haben. Und wir alle sind gespannt, ob Du am Ende auch zu denen gehörst, die von diesem Ort und den dazugehörigen Orten, vor allem aber von den Menschen hier nicht mehr loskommen.

Ich habe mir Gedanken gemacht, was Du wohl brauchst, um hier Wurzeln zu schlagen und heimisch zu werden. Drei wichtige Dinge sind mir dabei eingefallen.

Das erste, was Du hier unbedingt brauchst, ist - eine Rebschere. Von Reben bist du und seid ihr hier überall umgeben. In allernächster Nähe im Pfarrgarten ebenso wie auf der Gemarkung insgesamt. Batzenberg, Dürenberg, Sommerberg und wie die Lagen alle heißen. Und ich hoffe, dass du dich nicht nur im Rebenschneiden übst, was du aber vermutlich ohendies schon kannst. Eine Gemeinde kann insgesamt durchaus mit einem Weinberg verglichen werden. Und ohne manchmal auch etwas abzuschneiden, kann Neues nicht wachsen. Und der Ertrag sinkt. Dabei darfst du dich immer wieder an die Zusage Jesu erinnern lassen: "Ich bin der Weinstock. Ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts tun." Dies sei heute ausdrücklich auch als Zusage an dich verstanden.

Mit einem Geschenk soll es nicht sein Bewenden haben. Das zweite, was ich mitbringe, ist ein kleines Büchlein eben von dem vorhin bereits genannten Johann Peter Hebel. Dass die Dichter - und ein solcher war Johann Peter Hebel neben anderem ja auch - uns die Schönheit Gottes noch einmal von einer ganz anderen Seite zeigen können, auch das ist eine biblische Einsicht und Weisheit. Denn in der Apostelgeschichte lesen wir, dass Paulus in seiner Athener Predigt unter anderem folgendes gesagt hat: "Gott ist jedem von uns nah. Keinem bleibt er fern. Denn in ihm leben, weben und sind wir, wie auch die Dichter bei euch schon gesagt haben. Wir sind seines Geschlechts."

Dieses Büchlein soll aber nicht nur an den Dichter erinnern. Es soll stellvertretend stehen für den Zugang zu den Menschen dieser Gegend. Gut, dass du selber auch aus einer Gegend stammst, die gar nicht so weit von hier liegt und wo man auch noch des Allemannischen mächtig ist. Dies hilft, um hier Wurzeln zu schlagen und heimisch zu werden. Dies hilft aber auch, um an Martin Luther zu erinnern, um "dem Volk auf‚s Maul zu schauen". Eine Grundforderung an alle, die als Pfarrrer oder als Pfarrerin arbeiten.

Das dritte Geschenk ist von ganz anderer und überhaupt nicht mehr theologischer Natur. Solen die beiden ersten Gaben dir bei der Arbeit helfen, so ist die dritte dafür gedacht, dich daran zu erinnern, dass alles seine Zeit hat: die Arbeit, aber dann eben auch die Muse. Die Zeit der Erholung. Die Zeit, einmal etwas ganz anderes zu tun. Und natürlich zusammen mit deiner Frau. Für dich und Katrin zusammen ist darum dieser Umschlag gedacht. Darin befindet sich ein Gutschein für einen Kinobesuch in Bahnhofsnähe - in jedem Kino mit dem x am Ende. Wenn ihr dann spät abends wieder hierher zurückkommt, dann wisst ihr, was ihr an eurer neuen Gemeinde habt.

Dass alles eben seine Zeit hat, und das ihr auch Zeit braucht für euch, das ist das dritte, was ich dir - und euch zusammen - zusprechen will in diesem Gottesdienst.

Gut, dass ihr da seid. Und noch besser, dass der für euch da ist, der euch und uns alle schützt und bewahrt von allem Anfang. Amen.

Traugott Schächtele

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