Ansprache anlässlich der Einführung von
Pfarrer Matthias Uhlich
als Pfarrer der Thomaspfarrei Freiburg
am Samstag, den 21. Oktober 2000



Liebe Gemeinde,

seit mehr als einem Monat ist ihr schön renoviertes Pfarrhaus inzwischen nun schon wieder bewohnt. Ehe sie hier nun beginnen, sich aneinander zu gewöhnen, ist es höchste Zeit, dass wir nun auch noch ganz offiziell die gottesdienstliche Einführung ihres neuen Pfarrers miteinander feiern. Eben das tun wir im Gottesdienst an diesem heutigen Abend.

Damit sie überhaupt wissen, dass es mit der Einführung ihres neuen Pfarrers seine Richtigkeit hat, möchte ich ihnen zunächst die Urkunde verlesen, die der Landesbischof für diese Einführung ausgestellt hat. Darin heißt es:

Verlesung der Urkunde -

Natürlich sagen diese wenigen Worte nicht viel aus über ihren neuen Pfarrer. Darum wird er sich ihnen jetzt erst noch einmal selber vorstellen.

Vorstellung Matthias Uhlich (plus Orgel)

Lieber Matthias,

mit deiner humorvoll-launigen Vorstellung hast du gleich selber mit dazu beigetragen, dass der Charakter dieses Gottesdienstes heiter bleibt. Schließlich feiern wir heute einen Anfang und keinen Abschied. Dass dies ein Anfang ist, das gilt zunächst einmal für deine immer noch fast neue Beziehung zur Thomasgemeinde in Zähringen.

Für uns beide gilt das nicht. Wir kennen uns seit den gemeinsamen Basler Studientagen vor fast 20 Jahren. Wir haben damals mit großer Leidenschaft in den ehrwürdigen Räumen des Basler theologischen Seminars studiert und uns bisweilen theologisch auch immer wieder heftig gestritten. Manchmal, wenn die Diskussionen über Strukturveränderungen in unserer Kirche wieder einmal alle Kräfte absorbieren, dann sehne ich mich schon zurück in jene wunderschöne Zeit. Einmal habe ich dich im Überschwang der Diskussionsleidenschaft sogar der Häresie bezichtigt - ich weiß nicht, ob du dich daran noch erinnerst. Da ich nicht mehr weiß, worum es damals ging, nehme ich zu deinen Gunsten an, dass du längst wieder zur Rechtgläubigkeit zurückgekehrt bist.

Neu ist aber auch deine Beziehung zur Stadt Freiburg nicht. Du hast nicht nur in jenen legendären Basler Studientagen schon in Freiburg gewohnt. Wenn auch nicht hier in Zähringe, das noch einmal etwas ganz besonderes ist. Du warst später dann auch Vikar in der benachbarten Ludwigsgemeinde. Und irgendwie muss es dich jetzt wieder nach Freiburg gezogen und gelüstet haben, sonst hättest du dich nicht auf die Pfarrstelle der hiesigen Thomasgemeinde beworben.

Und doch ist vieles ganz anders als früher. Die kirchliche Landschaft ist in Bewegung. Nicht nur hier bei uns. Die Gestaltung und die Bearbeitung von Veränderungen sind zum tagtäglichen Geschäft geworden.

In all dieser Bewegung, die man zur Zeit allenthalben spüren kann, ist der Wunsch nach einem Pfarrer oder einer Pfarrrerin erstaunlich stabil geblieben. Dafür gibt es nur einen Grund: Die Nachfrage nach dem, was die Aufgabe einer Pfarrerin oder eines Pfarrers ist, ist nicht zurückgegangen. Gut, es gibt inzwischen auch andere Anbieter auf dem Markt der Religion, wenn ich das einmal so salopp sagen darf. Und nirgendwo anders als gerade in Freiburg kann man das so sehr spüren und beobachten. Kurse aller Art und Einladungen zu den verschiedensten religiösen, mystischen oder esoterischen Veranstaltungen zieren die Haus- und Plakatwände in der Freiburger Innenstadt.

In der Summe hat die Religiosität in keinster Weise abgenommen. Höchstens die klassische Kirchlichkeit. Und uns ist aufgetragen, den Menschen noch mehr als früher nachzugehen. Ihnen als Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen. Ihnen weiterzusagen, wovon sie auch weiter leben können. Es gibt kaum einen Beruf, der für diese Aufgabe soviele Spielräume lässt. Auf der anderen Seite aber auch kaum einen schwereren. Wie immer liegen Last und Lust - oder auch Frust und Lust - ganz eng beieinander.

In der Sitzung des Kirchengemeinderates gestern Abend wurde immer wieder die Frage nach den theologischen Grundlagen dessen gestellt, was wir tun. Streng genommen gibt es überhaupt nur eine Grundlage, nämlich die weiterzugeben, wovon wir alle leben: nämlich von Gottes guten Worten und Gedanken über uns, die uns zur Hoffnung ermutigen und zur Lieb verlocken wollen. Dass es für diese Aufgabe Hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt, dass wir Räume haben, Gemeindesäle, Pfarrhäuser, Kirchen - das alles ist ein Zeichen dessen, dass Gott uns immer wieder neu ein übriges schenkt.

Insofern haben wir allen Grund zur Dankbarkeit dafür, wenn nun fast nahtlos eine Neubesetzung der Pfarrstelle erfolgen konnte. Allen, die geholfen haben, diese Zeit der Vakanz zu überbrücken, Herr Pfarrer Herbert als Verwalter, Frau Schmitt-Berger im Sekretariat, die Ehrenamtlichen und hier insbesondere die Mitglieder des Ältestenkreises, aber auch Herr Gerg, der die Renovierung vorangetrieben hat - ihnen allen sei an dieser Stelle ebenfalls von Herzen gedankt.

Im übrigen - dies ist die vierte Einführung in eine Pfarrstelle innerhalb unseres Kirchenbezirkes innerhalb von vier Wochen. Und auch am kommenden Sonntag werde ich noch einmal einen Pfarrer einführen. Die von manchen in fahrlässiger Weise herbeigeredeten Zeichen des Niedergangs unserer Kirche kann ich darin wahrhaftig nicht entdecken. Und nicht zuletzt Grund zur Dankbarkeit.

Lieber Matthias, ich weiß, dass für dich die Übung der Meditation, die sich als eine Grundströmung durch alle großen Relionen zieht, eine wichtige Rolle spielt. Dabei sind Gottesliebe und Menschenliebe nicht voneinander zu trennen. Dies nimmt auch der Wochenspruch für die morgen beginnende neue Woche auf. Er steht im 1. Johannesbrief und lautet: "Dies Gebot haben wir von ihm, dass wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe." Und über den biblischen Wortlaut hinaus will ich die Schwestern gleich noch dazufügen.

Dies wird deine Aufgabe sein in den Jahren deiner pfarrerlichen Tätigkeit in dieser Thomasgemeinde. Werbend und beispielgebend, unterrichtend und predigend, singend und schweigend einzutreten für das Programm der Gottes- und der Nächstenliebe. Indem wir dieses Programm Jesus verdanken, verdanken wir es auch der großen jüdischen Tradition seines Volkes. Am Vorabend des 60 Jahrtestages der Deporatation der pfälzer und der badischen Juden in das Lager Gurs haben wir Grund genug, darauf in Scham und in der Bereitschaft zur Umkehr hinzuweisen.

Die Güte des Herrn ist‚s,dass wir nicht gar aus sind. Seine Barmherzigkeit ist alle Morgen neu. Dies ist das zweite biblische Motto, das ich dir mit auf den Weg deiner Tätigkeit hier geben will. Von dieser Gewissheit selber zu leben und sie zugleich weiterzusagen - das ist dein Amt hier in Freiburg. Mehr nicht. Aber das ist mehr als genug. Amen.

Traugott Schächtele

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