Grußwort anlässlich der Feierstunde
des 75-jährigen Jubiläums
des Caritasverbandes Freiburg-Stadt e.V.
am 19. Oktober 2000 im Historischen Kaufhaus



Sehr geehrte Herren Weihbischöfe,
sehr geehrte Herren Oberbürgermeister und Erster Bürgermeister,
sehr geehrter Herr Vorsitzender Dompfarrer Wittner
sehr geehrter Herr Direktor Engler,
sehr geehrte liebe Festgäste!


Der Caritasverband Freiburg-Stadt e.V. feiert Geburtstag. Dafür, dass Sie mich eingeladen haben mitzufeiern, danke ich Ihnen von Herzen. Auf diese Weise gegen sie mir Gelegenheit, Ihnen die besten Glückwünsche der evangelischen Mitchristen dieser Stadt zu überbringen. Zugleich darf ich Sie aber auch der Verbundenheit unseres Diakonischen Werkes und des Diakonievereins Freiburg versichern, für die ich als Vorsitzender jeweils Verantwortu trage. In diesen verbalen Glückwunschstrauß sind die Grüße unseres Diakoniegeschäftsführers, Herrn Arnold selbstverständlich miteingebunden.

75 Jahre Caritasverband Freiburg-Stadt - das ist wahrhaftig Grund genug zum Feiern. 75 Jahre Einsatz für die Menschen, die Hilfe nötig haben. 75 segensreiche Jahre, in denen sich die Kirche in der Organisationsform des Verbandes bzw. des Vereins in besonderer Weise der Umsetzung des Gebotes praktizierter Nächstenliebe gewidmet hat. Sie alle wissen, dass die Aufforderung Jesu zur Nächstenliebe der großen Tradition seines jüdischen Glaubens entstammt. In diesen für Menschen jüdischen Glaubens nicht leichten Zeit sollten wir einmal mehr die Gelegenheit nutzen, auch darauf hinzuweisen.

Als historisch interessierter Mensch habe ich mit großem Interesse gelesen, unter welchen Umständen der Caritasverband Freiburg seinen Anfang genommen hat. Und es verdient Anerkennung und Bewunderung in hohem Maße, wieviel persönlicher Einsatz, wieviel Phantasie und wieviel gelebter Glaube dazu nötig, aber eben auch tatsächlich vorhanden waren. Dabei gilt für den Caritas verband Freiburg dasselbe, was ich auch beim großen 150jährigen Diakoniejubiläum in meiner Kirche vor zwei Jahren immer wieder betont habe.

Wenn nämlich der Caritasverband Freiburg-Stadt seinen 75. Geburtstag feiert, dann betrifft dies eine bestimmte Organisationsform. Die Geschichte christlicher Liebestätigkeit ist viel älter. Ja sie ist im Grund ein unveränderliches Kennzeichen von Kirche seit ihren Anfängen. Kirche ohne Caritas, ohne diakonisches Wirken ist nicht Kirche. Dass diese Geschichte viel länger ist als nur 75 Jahre ist noch einmal Grund zur Freude: Und sie als Caritasverband. Freiburg-Stadt hatten mit ihrer nun 75jährigen Geschichte hier in Freiburg daran einen besonderen Anteil.

Drei Momente dieser Arbeit finde ich besonderer Weise bemerkenswert.

Zunächst: Mit der gewählten Organisationsform des Verbandes bzw. des e.V. hat sich die Kirche immer wieder die Frage nach der zur jeweiligen Zeit angemessenen Organisationsform gestellt und sie für sich beantwortet. Das sollten wir uns immer wieder in Erinnerung rufen, wenn heute ähnliche oder ganz neue entsprechende Überlegungen anstehen. Die Gründung etwa von gemeinnützigen GmbHs im Bereich karitativen Handelns ist nichts anderes als der Versuch, hier erneut eine zeitgemäße Antwort zu finden. Und die Entwiclklung wird auch vor weiteren Formen der organisatorischen Gestaltung nicht halt machen!

Zum zweiten: Die Arbeit im Bereich der Caritas wie auch in der Diakonie ist immer in besonderer Weise ein Feld der Mitarbeit der Laien gewesen. Auch wenn Pfarrer und Priester immer wieder entscheidende Anstöße gegeben haben: Ohne den Einsatz der Laien wäre vieles nicht möglich geworden, was heute und auch über diesen Tag hinaus möglich geworden ist. Die Professionalität spzefischer Ausbildungsformen und die ehrenamtliche, zeitaufwendige Mitarbeit vieler Menschen guten Willens sind hierbei in einer produktiven Symbiose miteinander verbunden.

Lassen sie mich noch ein Drittes hinzufügen: gerade auf dem Feld des sozial-karitativen Einsatzes, konkret auch in der Zusammenarbeit von Caritasverband und Diakonischem Werk - auf welcher Ebene auch immer - auf diesem Feld hat sich die ökumenische Verbundenheit unserer Kirchen immer wieder in herausragender und völlig unspektakulärer Weise bewährt. Und dies nicht nur als Folge des modernen Trends zur Vernetzung, auch nicht nur, um mittels sogenannter Synergieeffekte Geld zu sparen. Nein, dies geschah und geschieht nicht zuletzt aus der gemeinsamen Verwurzelung in der Botschaft von der Menschenfreundlichkeit Gottes in Jesus Christus heraus.

Weniges, aber in ihrer Wirkung nicht hoch genug Einzuschätzendes Beispiele des ökumenischen Miteinander von Caritas und Diakonie möchte ich hier zumindest erwähnen:

Seit nun schon 16 Jahren gibt es die Haus-Notruf-Dienst gGmbH, die unter dem Motto "Beruhigt und sicher zu Hause leben" mittlerweile über 3000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat und längst nicht mehr nur auf Freiburg beschränkt ist.

Vor nunmehr über 10 Jahren wurde gemeinsam der Sozialpsychiatrische Dienst und der Berufsbegleitende Dienst für Schwerbehinderte in die Trägerschaft übernommen.

Weiter sei in diesem Zusammenhang auch die Hospizgruppe Freiburg e. V. erwähnt, die vor 7 Jahren gemeinsam gegründet wurde. Heut verfügt sie über ca. 70 ehrenamtliche Begleiterinnen und Begleiter, aber auch über eine noch deutlich größere Zahl von Mitgliedern, die diese Arbeit fördern und unterstützen.

Nicht übergehen möchte ich an dieser Stelle auch die vielfältige Zusammenarbeit in der ökumenischen Arbeit mit den Asylhelferkreisen, die in vielfältiger Weise Menschen unterstützen, die in Flüchtlingsunterkünften leben.

Wie eng und wie prägend diese Zusammenarbeit ist, zeigt sich auch daran, dass all diese Dienste in einem Haus untergebracht werden konnten, das den zutreffenden Namen "Haus der gemeinsamen Dienste" trägt.

Für diese wohltuende Gemeinsamkeit und die damit verbundene Partnerschaft, die sich sicherlich auch in der Zukunft bewähren wird, danke ich dem Caritasverband Freiburg-Stadt e. V. Und ich danke insbesondere all jenen, die auf Vorstands-, auf der Geschäftsleitungs- und auf der Mitarbeiterebene diese ökumenische Verbundenheit zum Nutzen vieler Menschen, die auf unsere Hilfe und Unterstützung angewiesen sind, immer wieder neu gestalten. Für die weitere Arbeit und die weitere Zusammenarneit wünsche ich dem Caritasverband Freiburg-Stadt e.V. alles Gute und Gottes Segen.

Ich danke Ihnen.

Traugott Schächtele

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