Kirche - Glaube - Ökumene
Einblicke in eine spannende Dreierbeziehung
Vortrag vor dem Kiwanis-Club
am Donnerstag, den 12. Juli 2001
im Greiffeneckschlössle in Freiburg




Sehr geehrte Damen und Herren,

ganz herzlich bedanke ich mich für die Ehre, heute zu Ihnen sprechen zu dürfen. Als evangelischer Pfarrer, der in der Leitungsverantwortung im größten Kirchenbezirk der Evangelischen Landeskirche in Baden steht, spreche ich natürlich über ein Thema, das mit meinem beruflichen Alltag zusammenhängt. Aber auch wenn ich als evangelischer Theologe zu Ihnen spreche, spreche ich nicht nur über Evangelisches, sondern über Kirchliches und immer wieder auch über diesen Rahmen hinaus.

Ich habe mein Thema - wie Sie ja wissen - folgendermaßen formuliert:

Kirche - Glaube - Ökumene
Einblicke in eine spannende Dreiecksbeziehung.


Damit ist von vornherein klar, dass ich zwischen diesen drei Begriffen bzw. dem, was sie umschreiben, einen Zusammenhang sehe. Meine Vorgehensweise wird dabei so sein, dass ich zu jedem dieser drei Themenfelder eine kurze Beschreibung des Ist-Zustandes vornehme und dabei auch die beachtenswerten und strittigen Punkte der gegenwärtigen Diskussion benenne. Auf diese Weise wird das anschließende Gespräch hoffentlich um so spannender.


Kirche

Beginnen wir also mit dem Thema Kirche und damit mit dem institutionellen Aspekt des heutigen Abends. Was ist das eigentlich die Kirche? Aus der Sicht der Theologen ist das ein Gebilde des Glaubens; gleichsam die Gemeinschaft all derer, die im Sinne christlicher Überzeugung an den Gott der Liebe und der Befreiung glauben - so wie es im dritten Artikel des Glaubensbekenntnisses umschrieben wird.

Natürlich wissen wir alle, dass es nicht nur diese gleichsam geistliche Kirche gibt, die in der Sprache der Theologen die "unsichtbare Kirche heißt". Denn in der Realität hat sich Kirche in ihrer Geschichte immer verfasst. Sich rechtliche Formen und eine innere Struktur gegeben. Dies ist die sogenannte "sichtbare Kirche" und die zweite - gewissermaßen organisatorische Weise, Kirche zu beschreiben. Bei uns bildet sie nach staatlichen Rahmenbedingungen eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Man könnte sie aber genauso als eine Verein organisieren. Kirchen, die auf die Möglichkeiten verzichten, die der Status einer Körperschaft ihnen bietet, gibt es zuhauf und zunehmend mehr.

Freie christliche Gemeinden sprießen auch in Freiburg immer wieder neu aus dem religiösen Nährboden. Dennoch binden die sogenannten beiden großen Kirchen nach wie vor die meisten Mitglieder. In regelmäßigen Abständen taucht auch wieder das Problem der Kirchenaustritte auf. Die gibt es. Und jeder Austritt tut mir persönlich sehr leid. Auf der anderen Seite: Wenn ich über die letzten 10 Jahre die Verlustquote an Mitgliedern bei anderen Großorganisationen betrachte - etwa bei den politischen Parteien oder bei den Gewerkschaften - dann sind die Kirchen demgegenüber geradezu überstabile Systeme.

Damit wären wir zugleich bei der dritten Weise, Kirche zu beschreiben. Aus dem Blickwinkel der Soziologie sind die Kirchen Großorganisationen, die getragen werden von einem Vorrat gemeinsamer Überzeugungen. Diese ließen sich religionssoziologisch weiter differenzieren.

Nun haben wir mit der Schwierigkeit umzugehen, dass wir umgangssprachlich für die verschiedenen Konfessionen gerne auch den Ausdruck Kirche verwenden, beide Ausdrücke also synonym verwenden. Wir sprechen also das eine mal von der römisch-katholischen oder der evangelischen Kirche, das andere Mal von der einen Kirche und den unterschiedlichen Konfessionen.

Seit einem Jahr hat die römisch-katholische Kirche hier eine endgültige Klarheit zu schaffen versucht - allerdings mit dem Instrumentarium mittelalterlicher Theologie. Im August des Vorjahres wurde von der vatikanischen Kongregation für Glaubenslehre ein Dokument verabschiedet, das den Namen "Dominus Iesus" trägt. In diesem Dokument wird zur Frage der Kirche folgendes ausgeführt: Die wahre Kirche Jesu Christi subsistiert - nicht existiert, sondern subsistiert - allein in der römisch-katholischen Kirche. Darin setzte sie die Einzigartigkeit Jesu Christi fort. In gewissem Sinn seien auch die orthodoxen Kirchen noch als Kirche zu betrachten. Sie müssten allerdings den Iurisdiktionsprimat des Papstes anerkennen. Daneben - man könnte auch sagen unter fernen liefen - gäbe es nur noch "religiöse Gemeinschaften", die mit der wahren Kirche nur die Taufe gemeinsam haben. Eine solche Gemeinschaft sind dann also auch die Kirchen der Reformation.

Diese Erklärung hat für Furore gesorgt. Nichts Neues, sagten die einen. Nichts dazugelernt die anderen. Als Frage bleibt: Wie können wir ökumenisch weiterkommen, wenn die eine Seite der anderen schlicht den Status einer Kirche abspricht? Und dann noch einen Brief an die Bischöfe schreibt mit der Bitte, nicht mehr von unseren beiden Kirchen zu sprechen und im Blick auf die evangelische Kirche auch nicht mehr den Ausdruck Schwesterkirche zu verwenden. Die betroffenen evangelischen Reaktionen haben dann wiederum die katholische Seite irritiert. Nur: wer kann sich ernsthaft über Ärger und Enttäuschung wundern, wenn - wie einst in der Springerpresse das Kürzel DDR in Anführtungszeichen gesetzt wurde - evangelisches Kirchesein bestenfalls ein solches in Anführungszeichen ist.

Aus meiner Sicht gibt es nur den einen Weg heraus aus diesem Dilemma: Diese Sicht ist zu überwinden. Sonst gibt es keine wirklichen ökumenischen Fortschritte mehr. Erfreulich auf der anderen Seite die große Flut an Solidaritäts- und Protestkundgebungen auch aus dem Bereich der katholischen Kirche. Der Wille, diese Situation zu überwinden, ist da. Aber mehr an der Basis als an der Spitze.

Erfreulich auch, was dennoch auch möglich ist: etwa der Neubau des ökumenischen Kirchenzentrums im Rieselfeld. Oder die dort jetzt schon praktizierte Zusammenarbeit im gemeinsam angemieteten Kirchenladen.

Was ist denn Kirche nun wirklich? Ich will abschließend versuchen, meine eigene Sicht noch kurz darlegen. Für mich ist Kirche nicht an organisatorische Voraussetzungen gebunden. Es gibt völlig unterschiedliche Formen des Kircheseins. Bischöflich geleitete Kirchen, synodal geleitete Kirchen und Kirchen, bei denen es eine relativ große Selbständigkeit und Leitungsverantwortung der einzelnen Gemeinden gibt.

Die sogenannten großen Kirchen beschreiben in Wirklichkeit Traditionsgemeinschaften, die unter einem weiten Dach scheinbar disparates zusammenbinden. Traditionsgemeinschaften sind etwas anderes als Wahrheitsgemeinschaften. Wobei Wahrheit, die auf Kosten anderer formuliert wird, diesen Namen ohnedies nicht verdient. Die Bekenntnisse und die Synoden der Kirchen sind der Versuch, die eigene Tradition in Worte zu fassen. Eigentlich sogar der Versuch, Unsagbares in Worte zu fassen. Wer will schon angemessene Worte die Unaussprechlichkeit Gottes funden! Die große auch organisatorisch zusammengeführte Einheitskirche - und hier greife ich dem Teil Ökumene voraus - entspricht nicht meiner Wunschvision. Das gemeinsame Engagement und das gemeinsame Feiern der unterschiedlichen Kirchen allerdings schon.


Glaube

Kommen wir zum zweiten Thema - zum Glauben und damit zur Ebene der Inhalte und der Handlungsmodi. Glauben ist heute - entgegen anderweitigen Behauptungen - keinesfalls out. Im Gegenteil. Glauben ist in. Hat Konjunktur. Aber Glauben hat sich geändert. Hat sich ausdifferenziert. Verluste gibt es nicht in der Summe, sondern in der Qualität des Glaubens. Es gibt immer weniger den fest umschriebenen Kirchenglauben.

Die theologische Tradition unterscheidet den Glauben, den man glaubt, vom Glauben, mit oder in dem man glaubt. Letzter, der Glaube als tragende Art und Weise unserer Sinnstiftung, ist aktuell. Ersterer, nämlich der fest umschriebene Inhalt dessen, was wir glauben - dessen, was uns Sinn gibt und uns leben lässt, ist in der Krise.

Das, was Menschen glauben, bestimmen sie zusehends selbst. Und sie setzen die einzelnen Module ihres Glaubens, die aus völlig unterschiedlichen Systemen stammen können, auch selber zusammen. Die Postmoderne hat längst auch den Bereich der Religion erreicht. Diese Flickenteppichmentalität auch in Sachen des Glaubens macht dabei keineswegs vor den Kirchen halt. Die evangelische Kirche kennt - im Unterschied zur römisch-katholischen - kein ausdrückliches Lehramt. Aber einen gewissen Konsens darüber, was die Summe der eigenen reformatorischen Tradition ausmacht, gibt es natürlich schon.

Nur: Der Glauben der Menschen lässt sich immer weniger normieren und kanalisieren. Die Individualität der eigenen Entscheidung ist das höchste Kriterium. Ich will diesen Zustand nicht einfach nur beklagen. Die Mündigkeit des einzelnen Menschen, auch die religiöse Mündigkeit ist sehr wohl auch ein Produkt der Reformation: "Hier stehe ich. Ich kann nicht anders." Sie kennen Luthers Ausspruch vor dem Kaiser auf dem Reichstag zu Worms. Die Unverbrüchlichkeit der eigenen Gewissensentscheidung war im übrigen auch schon Thomas von Aquin wichtig. Wundern wir uns also nicht, wenn die Menschen von den Möglichkeiten Gebrauch machen, die wir ihnen zur Verfügung gestellt haben.

Nur: Dieser extrem ausgedehnte Individualismus schafft Probleme. Die Kompatibilität der einzelnen Systeme geht verloren. Wir reden miteinander, aber wir verstehen uns nicht mehr. Die babylonische Sprachverwirrung hat uns eingeholt. Glauben - zumindest in der jüdisch-christlichen Tradition - Glauben ist zwar individuell, aber nie nur für mich allein. Ich glaube, aber ich glaube mit anderen. Bin auf das Du angewiesen.

Hier tobt im Moment tatsächlich ein gewaltiger Machtkampf der Systeme. Wenn ich nur mich allein therapieren will, wenn es nur um mein Heil geht, wenn ich die Mitmenschen und die Schöpfung um mich herum nicht mehr im Blick habe, dann kippt die Individualität um in den Ego-Trip.

Wenn ich nur nach events jage, nur auf immer neue Quantitäten aus bin, dann geht am Ende die Qualität verloren. Der Erfolg bleibt ein womöglich angenehmer, aber kurzzeitiger. Die Rechnung wird nicht auf sich warten lassen. Wenn im Moment viel von Nachhaltigkeit die Rede ist, dann steckt dahinter mehr als nur ein Modewort. Nachhaltigkeit ist eine Überlebensgarantie - auch für einen nicht nur auf sich selber bezogenen Glauben. Und nachhaltiger Glaube - von der Zielrichtung dieses Glaubens einmal völlig abgesehen - nachhaltiger Glaube ist zugleich kommunizierbarer Glaube. Glaube der verbindet. Und im Engagement, im Einsatz für das Leben dann auch verbündet.

Es gibt kein Leben, das auskommt ganz ohne Glauben. Und die Palette möglicher Orientierungspunkte unseres Glaubens weitet sich täglich weiter aus. Ich kann an mich selber glauben, an meine Fähigkeiten und Begabungen. Daran, dass ich es schaffe. Darauf bin ich angewiesen. Ich kann an den Fortschritt glauben, die regulierende Kraft des Marktes, die Grenzenlosigkeit der Wissenschaften oder einfach nur an das Gute - in mir oder in den anderen. Nichts davon ist von vornherein verdächtig. Der Glaube ist die Triebfeder unseres Handelns. Arm ist, wen meint, ohne Glauben auskommen zu können.

Doch die zunehmend immanente Ausrichtung unseres Glaubens hat eine risikoreiche Schlagseite. Sie führt zur Überforderung. Was, wenn ich es nicht oder nicht mehr bringe? Wenn ein anderes besser ist oder sich wirksamer in Szene setzt? Was, wenn der Aufschwung stockt und die Kurse abrutschen? Was, wenn ich den karren nicht mehr aus dem Dreck herausbekomme? Was, wenn ich nicht mehr weiß, was richtig und falsch, gut und Böse ist.

Die Genforscher, aber auch die Ärzte kennen dieses Dilemma ganz besonders. Andere vermutlich auch. Dann braucht unser Glaube ein Korrektiv. Einen Fluchtpunkt außerhalb unserer begrenzten Einsichten. Und die Ermöglichung des Irrtums. Auch des Versagens. Das ist der Kern reformatorischer Theologie. Der Kern der sogenannten Rechtfertigungsbotschaft. Ich habe ein Recht auf den Irrtum. Und ich kann mit der Unfertigkeit jeglichen Lebens umgehen. Diese Einsicht hineinzuweben in unsere Biographie, das ist der Sinn von Religion. Der Kern dessen, was wir als christlich zu umschreiben versuchen.

Wenn andere Formen des Glaubens dies auch leisten - wenn - vereinfacht ausgedrückt - das Leben mit einem solchen Glauben glücklicher macht als ohne, dann mag niemand Zensuren verteilen. Christlicher Glaube ist seinem Wesen nach und entgegen vielfacher Praxis - ein Angebot. Keine Nötigung. Das Mittel zum Ziel sinnhaften Lebens. Und weil ich die Qualität dieses Angebotes kennen, fürchte ich mich auch nicht vor dem Wettbewerb. Deshalb spricht man heute auch gern davon, dass sich die Kirche mit ihrem Glauben auf dem Markt präsentiert. Genau da ist der richtige Ort.

Wer auf dem Markt gut ist, gewinnt den Kampf um die Kunden. Oder besser: um die Menschen. Im Unterschied zur Wirtschaft soll der Gewinn jedoch nicht beim Anbieter liegen, sondern bei denen, denen das Angebot gilt. Glaube soll das Lebensglück mehren und der Wahrheit und der Gerechtigkeit zum Durchbruch verhelfen. Jede Spielart des Glaubens muss sich daran messen lassen.


Ökumene

Bleibt noch das dritte Feld, die Ökumene. Vordergründig könnte man sagen: die Ökumene ist die christliche Variante der Globalisierung. Aber dies trifft den Kern der Sache nur zum Teil. Ökumene kommt vom griechischen Wort für wohnen und meint eigentlich die ganze bewohnte Erde. Sie kennen sicher den Anfang des Weihnachtsevangeliums aus Lukas 2. Dort heißt es: Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzet würde. Im griechischen Text steht eben dort das Wort Ökumene.

Ökumene - nur verstanden als Form der Zusammenarbeit zwischen evangelischer und römisch-katholischer Kirche eventuell im Verbund mit weiteren Kirchen - diese Bedeutung des Wortes greift zu kurz. Ökumene zielt immer auf den ganzen Globus - und eigentlich auch über den Rahmen der Kirche hinaus. Ökumeine, das ist die Vision und Wunsch nach größerer Gemeinsamkeit, ja nach der Einheit. In ökumenische Bestrebungen sind daher am Ende auch die anderen Religionen mit einzubeziehen. Hier hat ja Hans Küng mit seinem "Projekt Weltethos" Entscheidendes beigetragen. Einer seiner Kernsätze lautet ja bekanntlich: "Kein Frieden zwischen den Völkern ohne Frieden zwischen den Religionen."

Darum ist Ökumene ein Projekt aller Menschen guten Willens. Aber wie gesagt: das ist der visionäre Rahmen. Die Übersetzung in konkrete Handlungsoptionen muss davon unterschieden werden. Meine ökumenische Vision ist - um es in der Sprache der ökumenischen Diskussion zu sagen - die "Einheit in Vielfalt" und die "versöhnte Verschiedenheit". Einheit im Glauben: ja. Aber keine Einheit der Meinungen, der Traditionen und gar der Organisation.

Konkret schwimmen im Meer der Ökumene - ihr Symbol ist das Schiff - einige ökumenische Großtanker. Da gibt es zum einen den großen Zusammenschluss der großen Zahl der nicht-katholischen Kirchen in Genf, den sogenannten Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf. Ihm gehören beinahe 400 Mitgliedskirchen an. Daneben gibt es in Rom das Sekretariat für die Einheit der Kirche, das von Kardinal Kasper geleitet wird. Aus dessen Mund kommen teilweise ganz andere Klänge als aus dem von Kardinal Ratzinger. Wir dürfen mit Recht gespannt sein, ob wir nicht auch aus Rom mit ökumenischem Frühlingserwachen rechnen dürfen.

Daneben gibt es im Bereich der Kirchen der Reformation noch eine ganz Reihe weiterer Zusammenschlüsse wie etwa den lutherischen und den reformierten Weltbund. Die EKD = die evangelische Kirche in Deutschland, unsere evangelische Dachorganisation ist im kirchenrechtlichen Sinn keine - vielleicht müsste ich sagen - noch keine Kirche, sondern ein begrenzter Verbund selbständiger Landeskirchen. Geleitet wird die EKD von einem Rat, dessen derzeitiger Vorsitzender Präses Kock von der Rheinischen Kirche ist. Sein Gegenpart auf katholischer Seite ist in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Lehmann.

Die kirchlichen Strukturen sind auch im regionalen Rahmen oft nur sehr schwer zu durchschauen. Noch schwieriger, ja im Grunde ein von vornherein zum Scheitern verurteiltes Unternehmen wäre es, hier auch im organisatorischen und kirchenrechtlichen Sinn eine Einheitskirche herstellen zu wollen. Theologisch zielt die Ökumene auf die ganze Erde. Die Menschen leben aber vor Ort. Darum wird die Ortgemeinde und die Lokalkirche immer das Portal zu allen ökumenischen Bestrebungen bleiben. Und das ist - um ein Versatzstück aus der aktuellen Politik aufzunehmen - gut so!

Gegenwärtig gibt es drei Ebenen ökumenischer Handlungsfelder. Da wäre zum einen der weltweit gepflegte Kontakt kirchenleitender Persönlichkeiten. Etwas flapsig spricht man hier gerne von der Jet-Set-Ökumene. Man begegnet sich, lernt sich kennen, lernt voneinander. Und ist von der Bedeutung der jeweils eigenen Organisation zutiefst überzeugt. Daneben gibt es die sogenannte Konsens-Ökumene. Darunter versteht man das Bemühen von theologisch hochkarätig besetzten Kommissionen, die offenkundig strittige Punkte miteinander klären wollen. Das bedeutendste Ergebnis derartiger Bemühungen war die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre vom Oktober 1999. Die entscheidende Frage, nämlich die nach den kirchlichen Ämtern und der Bedeutung der sogenannten apostolischen Sukzession ist aber nach wie vor ungeklärt.

Unverzichtbar ist die dritte Gruppe: die ökumenische Basis. Nicht diejenigen, die mit der Formel vom ohnedies gemeinsamen Gott gar kein Interesse an Ökumene haben. Nein, diejenigen, die unter der Trennung der Kirche leiden und deshalb alles daran setzen, mit der Ökumene Ernst zu machen. Es stimmt hoffnungsvoll, dass es diese Menschen in allen Kirchen gibt. Weil sie nicht nachgeben, wird die Ökumene am Ende auch nicht unter die Räder kommen. Der geplante ökumenische Kirchentag in Berlin im Jahre 2003 wird hoffentlich ein Meilenstein auf diesem Weg zueinander und miteinander werden.

Ökumene - Glauben - Kirche: am Ende hängen sie alles zusammen. Die Kirche ist der Ort des Glaubens. Und die Ökumene die Zukunft der Kirche. Und diese Zukunft weiß ich als glaubender Mensch bei Gott gut aufgehoben.

So einfach könnte man es bei aller Kompliziertheit des Themas auch sagen. Ich danke ihnen, dass sie mir zugehört haben.

Traugott Schächtele

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