Bericht des Dekans
zur Lage im Kirchenbezirk und zum Stand der Bezirksreform
vorgetragen anlässlich der konstituierenden Sitzung
des Bezirkssynode im Kirchenbezirk Freiburg
am 12. April 2002 in der Zachäusgemeinde in FR-Landwasser


Liebe Mitsynodale,
sehr geehrte Damen und Herren!

Sie haben mir heute schon einmal zuhören müssen. Und der Predigt soll das größere Gewicht gehören. Nicht nur aus pragmatischen, sondern auch aus sachlichen Gründen.

Aber dennoch hat auch dieser Tagesordnungspunkt 4 sein eigenes Recht. Ich will heute keinen großen Bericht zur Lage abgeben. Sondern vor allem denjenigen unter ihnen, die erstmalig dieser Synode angehören, diesen Bezirk ein klein wenig näher bringen.

In einem zweiten Teil möchte ich sie dann über den gegenwärtigen Stand des Prozesses der Veränderung des gebietsmäßigen Zuschnitts unseres Kirchenbezirks informieren.

Jetzt aber erst einmal eine kleine Einführung unter dem Thema Basiswissen über den Kirchenbezirk Freiburg.

Wenn Sie im Internet die Adresse www.kircheansnetz.de/kirchenbezirk-freiburg aufrufen, lesen sie auf der Titelseite.

Mit knapp 90.000 evangelischen Gemeindegliedern sind wir einer der größten Bezirke der Badischen Landeskirche. Mit unserer Ausdehnung von Breisach am Rhein im Westen bis Löffingen im Hochschwarzwald im Osten sind wir flächenmäßig in der Landeskirche nicht zu überbieten.

Dies ist keine werbende Übertreibung, sondern ein sachliche Feststellung. Freiburg ist neben Karsruhe und Mannheim einer der drei Kirchenbezirke, deren Mitgliederzahl etwas unterhalb der 90.000 liegt. Die beiden anderen Bezirke sind aber schon seit langen reine Großstadtkirchenbezirke. Freiburg ist bislang ein Kirchenbezirk, der in seiner Vielfalt ein Spiegelbild der Landeskirche darstellt.

Denn neben der Stadt Freiburg mit ihrer Kirchengemeinde von einst 19, dann 18 und demnächst 14 Pfarreien, gibt es die Region Kaiserstuhl-Tuniberg mit ihren 13 Pfarreien und die Region Dreisamtal-Hochschwarzwald mit acht Pfarreien. Jede Region hat ihren eigenen Regionalvorsitzenden. Derzeit ist das in Freiburg Pfarrer Klaus Paetzholdt von der Matthäusgemeinde, im Schwarzwald Pfarrer Hellmuth Wolff aus Kirchzarten, im Kaiserstuhl Pfarrer Fritz Breisacher aus Umkirch. Dieser ist zugleich auch mein Stellvertreter im Dekansamt.

Viele Frauen und Männer arbeiten in diesem Kirchenbezirk mit: zahlenmäßig und vom Aufwand her entscheidend sind das or allem viele Ehrenamtliche, auch sie, gewählte Älteste und Synodale. Wir haben Pfarramtsekretärinnen und Kirchendiener. Organisten, Chorleiterinnen, Gruppenleiter und Menschen, die sich projektmäßig für eine begrenzte Zeit einbringen.

Über 50 Pfarrerinnen und Pfarrer arbeiten in den Gemeinden und den weiteren Einrichtungen. Dazu noch wechselnd Pfarrvikarinnen und Pfarrvikare. Weiter eine strukturell leider zurückgefahrene Zahl von Gemeindediakonen und Gemeindediakoninnen, die inzwischen unter die Zahl zehn gerutscht ist. Nicht vergessen möchte ich die große Zahl haupt- und nebenamtlicher Religionslehrerinnen und Religionslehrer.

In der Leitung des Kirchenbezirks wirken mit mir als Dekan zusammen:

Der Schuldekan – das ist Herr Manfred Jeub, der insbesondere Verantwortung trägt für die Situation des schulischen Religionsunterrichtes – eine Aufgabe, die sich in vielen Facetten widerspiegelt. In der Zuweisung und Verteilung der Unterrichtsdeputate. Oder etwa auch in der Aus- und Fortbildung von Religionslehrerinnen und Religionslehrern.

Weiter der Bezirkskirchenrat, der im Herbst aus ihrer Mitte neugewählt werden wird. Er führt die Geschäfte zwischen den Tagungen der Synode.

Und natürlich ganz entscheidend sie als Mitglieder der Bezirkssynode. Den alten und neuen Vorsitzenden, Herrn Dr. Heidland, brauche ich ihnen ja nicht mehr vorzustellen. In der Landessynode sind wir gegenwärtig mit vier Synodalen vertreten. Neben Herrn Dr. Heidland sind das Frau Reisig aus Stegen, Herr Nolte aus der Ludwigsgemeinde, sowie Herr Rave, der Pfarrer der Studierendengemeinde. Für die Öffentlichkeitsarbeit des Bezirks verantwortlich – und auch geschäftsführender Redakteur unseres Bezirksmagazins profile ist Herr Günter Hammer.

Es gibt eine Vielzahl bezirklicher Dienste. Nennen möchte ich hier unsere beiden diakonischen Werke mit den Geschäftsführern Herrn Arnold – für die Stadt - und Herrn Dangl für den Diakonieverband im Landkreis. Die beiden Diakoniepfarrer sind in der Stadt Herr Keller und in der Landregion Herr Stier. Die Vielzahl der diakonischen Einrichtungen der beiden diakonischen Werke kann ich hier gar nicht aufzählen. Nehmen sie sich selber vor Ort in Augenschein.

Es gibt weiter das Bezirkskantorat, dessen Leiter zugleich einer der drei Landeskantoren unserer Landeskirche ist. Herrn Klomp haben sie bereits im eröffnenden Gottesdienst aktiv gestaltend kennen gelernt.

Wir haben eine Arbeitsstelle der evangelischen Erwachsenenbildung im Park des evang. Stifts, die von Herrn Pfarrer Weiß geleitet wird. Im Evang. Jugendwerk in der Goethestraße arbeiten Frau Kern, Frau Klenk und Herr Arndt.

Es gibt eine ganze Reihe weiterer besonderer Einrichtungen und Pfarrämter. Neben der Studierendengemeinde sind hier insbesondere die vier Klinikpfarrämter zu nennen, aber auch etwa das in der Justizvollzugsanstalt.

Es gibt in unserem Kirchenbezirk weitere wichtige evang. Institutionen im Bereich von Kirche und Diakonie. Hinweisen möchte ich etwa auf die evang. Fachhochschule (Rektor Prof. Walter), aber auch die Fachschule für Sozialpädagogik oder die mittlerweile als Verein organisierte Schule für Altenpflege. Wichtige diakonische Arbeit leisten das Diakoniekrankenhaus und die weiteren Einrichtungen in Landwasser (Pfr. Keller) und das Evang. Stift (neuer Direktor, Herr Krey unter uns), die Jugendhilfe Zähringen (Frau Eppinger) und – nicht zu vergessen – die evangelisch Stadtmission (Decker/Dengler).

Der Erwähnung wert sind aber auch die Beratungsstelle der Kirchengemeinde Freiburg für Ehe und Familie (Becker) sowie die ökumenisch getragene Telefonseelsorge (Vorsitz Dr. Heidland).

Namen und Einrichtungen, die sie womöglich erschlagen. Und die noch weit zu ergänzen wäre mit der Vielzahl nicht hauptamtlich wahrgenommener Bezirksdienste. Menschen sind das zugleich , die mit großem Engagement und hohem Einsatz für ihre evangelische Kirche einstehen und für sie und in ihr arbeiten, Ihnen allen an dieser Stelle in herzliches Dankeschön!

Was erscheint mir besonders wichtig in der Arbeit des Bezirk in den kommenden Jahren? Meine eigenen Schwerpunkt habe ich in den Berichten der vergangenen Jahre immer wieder ausführlich dargestellt und benannt. Heute will ich insbesondere zwei Akzente setzen, die uns in den kommenden Jahren auch als Synode wichtig sein sollten.

1. Alle Ältesten wurden zu einer Fahrt durch die Einrichtungen im Kirchenbezirk eingeladen, die einen Beitrag zur Überwindung der Arbeitslosigkeit leisten. Diesem Thema werden wir uns auch als Synode in absehbarer Zeit wieder stellen müssen.

2. Gegenwärtig befinden wir uns im zweiten Jahr der vom ökumenischen Rat der Kirchen in Genf ausgerufenen Dekade zur Überwindung von Gewalt. Diese Frage nimmt an Dringlichkeit noch zu. Mit den Plänen zur Herstellung eines Freiburger Hoffnungsbuches wird sich der Steuerkreis unseres Kirchenbezirks in absehbarer Zeit an die Gemeinden wenden. Auch als Synode sollten wir dieses Thema einmal aufgreifen.

3. Immer mehr stehen wir vor der Aufgabe, neue Mitglieder für die Kirche zu werben. Oder diejenigen, die sich an den Rändern fühlen und ihr eher lose verbunden sind, in ihrer Zugehörigkeit zu stärken. Dazu gehören die Entwicklung einer religiösen Sprachfähigkeit und die Angebote von Kursen und Informationsveranstaltungen.

4. Natürlich spielt in den kommenden Jahren die Frage der Kirchenbezirksreform eine wichtige Rolle. Keine Frage: Dieser Kirchenbezirk Freiburg ist ein schöner Kirchenbezirk. Keine Frage. Warum ihn dann überhaupt verändern, werden sich manche unter ihnen fragen. Schönes und gut Funktionierendes soll man doch erhalten.

Die Antwort kann nur lauten. Wir verändern ihn nicht aufgrund seiner Schwäche. Wir verändern ihn aufgrund seiner nicht mehr zu bewältigenden, nicht mehr zu bändigenden Stärke. Und wir verändern ihn, weil evangelische Kirche auch in Zukunft in der Region Freiburg konstruktiv und lebbar gestaltet, gelebt und geleitet werden soll.

Es gibt verschiedene Gründe und klare Ziele dieser angestrebten Reform. Ich möchte sie heute nicht mehr darlegen, sondern nur kurz über den derzeitigen Stand berichten.

Die Freiburger Bezirkssynode hat sich im vergangenen Sommer nach langer Beratung mit einem starken Votum für das sogenannte Modell „Drei plus eins“ entschieden. Der Bezirkskirchenrat hat dieses Votum dem evangelischen Oberkirchenrat auch als sein eigenes mitgeteilt. „Drei plus eins“ bedeutet. Es wird ein Dekanat auf dem Gebiet der Stadt Freiburg gebildet. Für Freibuzrg böte ein solches Dekanat die Möglichkeit, die beiden Leitungsebenenen Bezirk und Kirchengemeinde in eins fallen zu lassen. Ein weiteres neugebildetes Dekanat würde in etwa dem Gebiet des Landkreises entsprechen. Es setzt sich zusammen aus dem beiden Landregionen unseres Kirchenbezirks und aus dem bisherigen Kirchenbezirk Müllheim. Müllheim ist nach den Vorgaben der Landessynode für ein eigenes Dekanat auf Dauer zu klein.

Bezirkssynode und Bezirkskirchenrat Müllheim habe sich für ein anderes Modell entschieden. Sie befürworten eine Zusammenlegung Müllheims mit der Region Kaiserstuhl-Tuniberg, die Bildung eines Stadtdekanates in Freiburg sowie eine Aufteilung der Region Dreisamtal-Hochschwarzwald. Zugleich legt Müllheim großen Wert auf den Verbleib des dortigen Dekans in seinem Amt.

Die Entscheidung darüber liegt bei der Landessynode, die in der kommenden Woche in Bad Herrenalb tagt. Als Bezirkskirchenrat haben wir vorgeschlagen, dass für die letzten Jahre der Amtszeit des Müllheimer Dekans die bisherigen Landregionen unseres Kirchenbezirkes vorbergehend zu einer selbständigen Einheit werden. Dies kann – so war unser Vorschlag – durch die übergangsweise Bildung eines zusätzlichen Dekanats Freiburg-Land geschehen. Oder auch durch eine vorübergehende Eigenständigkeit der beiden Freiburger Landregionen innerhalb des schon bald zu gründenden Dekanats im Landkreis. Dafür haben sich zuletzt – so wurde mir berichtet – trotz des gegenteiligen Mehrheitsvotums ihrer Gremien –der Müllheimer Dekan und sein Stellvertreter stark gemacht.

Es bleibt abzuwarten, wie die Landessynode in der kommenden Woche entscheidet. Aber mit unseren vier Synodalen haben wir gute und kompetente Gewährsleute bei der Entscheidung vor Ort dabei. Auch hier wird sich wie überall schlussendlich die Einsicht durchsetzen, dass am Ende alles an Gottes Segen gelegen ist.
Traugott Schächtele

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