Visitation Ihringen
am 9. Februar 2003
- Wort an die Gemeinde -


Liebe Gemeinde in Ihringen!

Im Zusammenhang der Visitation möchte ich seitens der Visitationskommission einige Worte an sie richten.

Zunächst: Diese Visitation - dieser Besuch - und nichts anderes heißt Visitation ja - tut gut. Uns der Besuchergruppe, die freundlich aufgenommen wurde. Und die eine Gemeinde vorgefunden hat, in der vieles in Bewegung ist. Eine Gemeinde auf dem Weg, in dieser Welt Gottes Menschenfreundlichkeit spürbar und erlebbar zu machen.

Gut tut dieser Besuch gewiss auch ihrer Gemeinde. Nicht weil wir als Visitationskommission alles besser wüssten. Nein, er tut ihnen gut, weil er Orte und Möglichkeiten der Begegnung schafft. Mit den Mitarbeiterinnen des Kindergartens. Mit den vielen Ehrenamtlichen im Gemeindebeirat. Mit dem Kirchengemeinderat am Freitagabend. Denn die Begegnungen all derer, die zur Gemeinde gehören und die verantwortlich Gemeinde gestalten ist unverzichtbar, wenn man den zuerst den Blick und dann die Schritte in die Zukunft lenkt.

Ihr Kirchengemeinderat hat auf seiner Ältestenrüste vor knapp zweieinhalb Jahren ein Leitmotiv formuliert. Dieses Leitmotiv lautet:

Wir wollen lebendige Gemeinde sein,
indem wir Menschen zum Glauben
an Jesus Christus einladen
und darin im Leben begleiten.


Was damals beschlossen wurde, ist eine Aufgabe, die Zeit braucht.

Zwei Ziele hat sich ihr Kirchengemeinderat damals gesetzt:

1. Menschen zum Glauben an Jesus Christus einladen. Sie wollen also lebendige Gemeinde sein, indem sie eine einladende Gemeinde sind. Einladende Gemeinde sein ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Menschen zum Glauben einladen: Dazu gehört die Fähigkeit, sich über den eigenen Glauben rechenschaft abzulegen und gegenüber anderen über seinen Glauben zu sprechen.

Dazu gehören einladenden Räume ebenso wie einladende Menschen. Dazu gehören Überlegungen, mit welchen Angeboten die Gemeinde diejenigen erreichen will, die sie besonders im Blick hat. Die Menschen des mittleren Alters etwa. Oder die Kinder und Jugendlichen. Ich möchte ihnen ausdrücklich Mut machen, einladend zu arbeiten. Dies ist wichtig in einer Zeit, in der man die vielen Angebote und Einladungen kaum noch überblicken kann.

Ein zweites, ebenso wichtiges Ziel, das der Kirchengemeinderat beschlossen hat, lautet: Wir wollen lebendige Gemeinde sein, indem wir Menschen im Leben begleiten. Dies ist genauso wichtig. Einladende Gemeinde sein könnte man ja durchaus in dem Sinn, dass man abwartet, dass die Menschen kommen. Menschen begleiten heißt aber, sich auf den Weg machen. Die Menschen dort aufsuchen, wo sie leben und arbeiten. Mitgehend Gemeinde sein, dies ist ein ebenso wichtiges Programm. Die schützenden Mauern des Gewohnten und Vertrauten verlassen. Sich auf das Wagnis einlassen, Schritte in unbekanntes Land zu wagen. Erste solche Schritte werden erprobt: Die Minimax-Gottesdienstes etwa. Oder das angedachte Bibel-Brunch. Wir sind gespannt, welche Erfahrungen sie damit machen.

Auf alle Fälle ist es gut zu sehen, was so vieles in Bewegung ist. Und mit welchem Einsatz ihre beiden Hauptamtlichen in der pastoralen Arbeit, Herr Pfarrer Boos und Herr Höfer als Gemeindediakon zusammen mit vielen Ehrenamtlichen ans Werk machen. Beeindruckt war ich aber auch von dem, was ich im Kindergarten gesehen und erlebt habe. Kindergärten sind die Edellagen der Arbeit im Weinberg des Herrn. Sie verlangen viel an Arbeit. Aber sie ermöglichen immer wieder auch eine gute Ernte.

Wicht ist ist: Im letzten sind es gar nicht wir, die einladen. Und mitgehen. Wir sind eingeladen. Und wir sind nicht allein auf dem Weg. Gott ist auf dem Weg zu uns, noch ehe wir uns als Gemeinde auf den Weg machen. Diese Erfahrung befreit uns davon, dass wir uns mit unseren Programmen übernehmen und überfordern. Darum sind wir jetzt auch eingeladen, miteinander das Abendmahl zu feiern. Damit wir uns unter Gottes Segen gestärkt an die Aufgaben der neuen Woche machen können. Amen.
Traugott Schächtele

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