GRUSSWORT / THEOLOGISCHER IMPULS
ANLÄSSLICH DER UNTERZEICHNUNG DER
PARTNERSCHAFTSVEREINBARUNG
AM 28. SEPTEMBER 2003 IN DER FRIEDENSKIRCHE


„ Einiges fiel auf gutes Land. Und es ging auf und trug hunderfach Frucht.“ (Lukas 8,8)

Liebe Schwestern und Brüder – hier aus der Friedensgemeinde, aus der Gemeinde Heilige Dreifaltigkeit,

gut, dass es dieses Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld gibt. Denn dieses Gleichnis macht Schluss mit einem Gedanken, an den wir uns auch in der Kirche so sehr gewöhnt haben. Den Gedanken der Ausgewogenheit. Ich will kurz erzählen, wie ich das meine. Mag dieser Bauer gesät haben wie er will. Mag je ein Viertel auf den Weg, auf das Feld und unter die Dornen gefallen sein – wobei dieser Mann dies allerdings gar nicht beabsichtigt hat. Dieses letzte Viertel Saatgut – jenes, das dann tatsächlich aufgeht – dies bringt nicht einfach das Vierfache, damit der Verlust kompensiert wird. Auch nicht das fünf- oder das sechsfache, damit auch noch ein kleiner Gewinn für den Lebensunterhalt übrig bleibt. Es bringt eben nicht einfach ein ausgewogenes Ergebnis. Nein, dem Wortlaut des Gleichnisses nach bringt dieses eine Viertel den hundertfachen Ertrag.

Dabei war dieser Bauer unvorsichtig und leichtsinnig. Er hat sein Saatgut nicht gewinnorientiert eingesetzt. Sondern verschwenderisch. Und diese seine verschwenderische Großzügigkeit wird nicht nur nicht bestraft. Im Gegenteil – sie zahlt sich aus. Ist stark gewinnlastig. Die Verschwendung des Einsatzes wird von der Üppigkeit des Ertrags noch um ein Vielfaches übertroffen. Diese Getreideaktien würde ich kaufen.

Vielmehr noch: Ich bin im Besitz von Aktien dieses gewinnträchtigen Unternehmens. Sie alle, die sie heute Vormittag hier sind und Gottesdienst feiern, sind im Besitz solcher Aktien. Es sind die Freiburger Ökumeneaktien. Und mit der Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung heute Morgen führen wir diesem Ökumene-Unternehmen noch einmal ganz neue Wachstumspotentiale zu. Stellen dieses Projekt Ökumene in Freiburg auf ganz neue Füße. Und entwickeln Signalwirkung weit über Freiburg hinaus.

Wider alle Unkenrufe ist die Wachstumsrate dieser Freiburger Ökumene atemberaubend. 32 Jahre ist es gerade her, seit im Münster im Jahre 1971 der erste ökumenisches Gottesdienst gefeiert wurde. Gerade 28 Jahre ist die Freiburger ACK alt. Angesichts des Erreichten ist das im Rückblick wirklich eine vielfacher Ertrag. Hundertfach noch nicht. Aber so weit entfernt davon auch wieder nicht. Wichtig bleibt nur, dass wir in der ökumenischen Wachstumsrate in Zukunft nicht allzu sehr hinter dem erreichten Niveau zurückbleiben.

Die Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung möchte genau dies verhindern. Sie setzt ein Signal gegen eine allzu große ökumenische Bescheidenheit. Sie eckt auch an. Zweifellos. Fällt aus dem Rahmen des Üblichen. Geht nicht konform mit der vertrauten Ausgewogenheit, die auch in der Ökumene vielfach ihren Wurzelgrund sucht. Gehst du einen Schritt, gehe ich einen Schritt, Dabei macht uns unser Glaube Beine und will uns zum Springen bringen. Warum mit dem einfachen Ertrag zufrieden sein, wenn es doch auch hundertfach geht. Ich helfe gerne mit, dass dies so bleibt. Und dass ihr Beispiel Schule macht. Und gerne will ich auch in Karlsruhe – bei unserer Kirchenleitung dafür werden. Es ist ja kein Geheimnis, dass man bei den Kirchenleitungen einen vorsichtigeren und behutsameren Weg bevorzugt hätte. Auf der anderen Seite hat ihr Vorpreschen auf beiden Seiten bereits einen Prozess in Gang gesetzt. Eine Vorlage für weitere solche Vereinbarungen ist schließlich in Vorbereitung.

An manchen ökumenischen Energiepunkten gehen die Uhren einfach schneller. Auch hier in Freiburg gibt es solche ökumenischen Energiepunkte. Nicht zuletzt hier im Freiburger Osten.

Ökumenische Gottesdienste sind hier und in Freiburg überhaupt längst selbstverständlich. Auch eine enge Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg auch. Gemeinsame Pfarrkonvente sind eher noch selten. Aber es gibt sie. Der Gesprächsfaden zwischen mir und meinem katholische Kollegen, zwischen den Haupt- und Ehrenamtlichen auf der einen und auf der anderen Seite ist aus dem Freiburger ökumenischen Netz nicht mehr wegzudenken. Sonst könnte das Netz gar nicht tragen. Denn es trägt jetzt gleich bei der Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung. Und es trug auch gestern schon wieder. Beim diesjährigen Ökumenetag.

Ich möchte meiner Freude über die ökumenischen Energiepunkte Ausdruck geben. Und ihnen von Herzen die Grüße und die Unterstützung aus dem Kirchenbezirk überbringen. Und natürlich auch von mir persönlich. Hundertfache ökumenische Ernte in Freiburg. Das muss gefeiert werden. Hier bei ihnen ist dazu der denkbar beste Ort. Alles Gute weiterhin auf diesem Weg und Gottes Segen.
Traugott Schächtele

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