VERABSCHIEDUNG VON UWE ROHDE ALS GEMEINDEDIAKON
IN DER EVANG. KIRCHENGEMEINDE NEUSTADT
AM SAMSTAG, DEN 15. NOVEMBER 2003



dass sie wirklich weggehen aus Neustadt, das werden sie selber auch erst glauben, wenn sie in der kommenden Woche im Flug-zeug sitzen. Und denen, die hier in Neustadt und im Kirchenbe-zirk zurückbleiben, wird es ähnlich gehen.

Seit zwanzig Jahren – das sind zwei Jahrzehnte! – leben und ar-beiten Sie hier in Neustadt als Gemeindediakon. Wenn ich es recht sehe, sind sie inzwischen der dienstälteste gemeindliche Mitarbeiter im Kirchenbezirk. Wer es solange an einem Ort aus-hält, muss starke Bindekräfte mitbringen. Und muss erheblich umgarnt worden sein.

Ohne Zweifel - sie haben sich hier in Neustadt sehr wohlgefühlt. Dies ist zum einen ein unübersehbarer Beleg dafür, dass man sich hier überhaupt wohlfühlen und dass man hier Wurzeln schlagen kann. Zum anderen erweist es sie persönlich aber als jemanden, der bei den Menschen bleiben, der sie verstehen und sie kennen-lernen will. Mit kurzen gemeinsamen Wegstrecken ist das schon viel schwieriger. Sie lieben den langen Atem und die sorgfältig gewachsene gemeinsame Beziehung.

Wenn sie das allerdings an ihrer neuen Stelle ebenso handhaben und es dort zu einer ebenso nachhaltigen Verweildauer bringen, werde ich sie in meiner aktiven Dienstzeit als Pfarrer nicht mehr als fröhlichen Rückkehrer begrüßen können.

Aber bleiben wir zunächst noch einmal hier. Über ihre Neustäd-ter Jahrzehnte kann man getrost das Wort von der Ära Rohde verwenden. Vieles haben sie säen können. Vieles aber auch wachsen sehen können. Mit ihren besonderen Gaben waren sie für viele Menschen ein geschätzter und oft auch unersetzlicher Begleiter. Menschen, mit ihrem wohltuend ruhigen Naturell, das zugleich verbunden ist mit klaren inhaltlichen Positionen und ho-her professioneller Kompetenz -menschen mit dieser Gabenmix-tur sind selten. Und darum umso mehr schätzt.

Natürlich haben auch sie den Neustädtern einiges zu verdanken. Schließlich war hier der Ort, wo sie haben reifen; wo sie sich ha-ben profilieren und berufliche Erfahrung gewinnen können. In den verschiedensten Tätigkeitsbereichen. Und längst nicht nur in der Jugendarbeit. In der Zusammenarbeit mit vielen Menschen. Haupt- und Ehrenamtlichen. Und in der Bewältigung unter-schiedlichster Herausforderungen. Im gelingenden Miteinander ebenso wie im Konflikt. Denn auch der Konflikt ist unverzicht-bar. Und die Fähigkeit, darin zu bestehen, womöglich das inten-sivste Lernfeld.

Dieses Lernfeld ändert sich für sie nun radikal. Geographisch. Kirchlich. Beziehungsmäßig. Sizilien. Palermo ist ein gänzlich anderer Ort. Und doch wird sich viel von dem, was sie hier an Erfahrung haben gewinnen können, auch dort als hilfreich erwei-sen. Und ihnen die ökumenische Verbundenheit im Netz der weltweiten Ökumene, die gemeinsame Zugehörigkeit zum Leib Christi deutlich und mit dankbarem Erstaunen vor Augen führen. Und ich bin jetzt schon sicher: Wenn sie eines Tages wieder in unsere Landeskirche zurückkehren – wenn sie denn zurückkeh-ren! – wird man sie auch von Sizilien nur unter Tränen ziehen lassen.

Das Bindeglied zwischen hier und dort, das zugleich ihre eigene berufliche und glaubensbezogene Position beschreibt, findet sich in einer biblischen Ermahnung aus Hebräer 13 wieder. Sie kam ihnen zuerst als Arie einer Bachkantate in den Sinn, die wir beide sehr schätzen. Diese Ermahnung lautet in der alten Sprache des Kantatentextes:

Wohlzutun und mitzuteilen vergesset nicht.

Denn solche Opfer gefallen Gott wohl.


Wohlzutun und mitzuteilen. Darauf kam und darauf kommt es ihnen an, lieber Herr Rohde. Dieser Auftrag zu einem kommuni-kativen, mitteilsamen Leben ist für sie Programm. Wobei die Worte teilen und mitteilen durchaus in sinnvoller Verbindung miteinander zu bringen sind. Wer teilt, teilt eben auch etwas von sich mit. Wer teilt opfert. Opfert aber nicht in dem Sinn, dass er sich etwas unter großen Schmerzen vom Herzen reißt. Opfert vielmehr, indem er in seinem Herzen anderem und anderen Raum gibt.

Sie, lieber Herr Rohde, geben ihrem Herzen künftig anderswo Raum. Und sie können das umso ruhigeren Herzens tun, weil auch ihre nachfolge längst durch Gottes guten Geist geklärt ist. Schön, dass sie, lieber Herr Höfflin, auch heute schon da sind. Ihnen ein herzliches willkommen. Sie, lieber Herr Rohde, geben jetzt Neuem und anderen Raum in ihrem Herzen. Und bleiben dennoch – da bin ich sicher – mit uns verbunden. Im bleibenden Kontakt. Vor allem aber in der Liebe Gottes, die in unserem Le-ben zum Handeln drängt. In Neustadt. Und in Palermo. Amen.

Ich bin dankbar, dass aus der Waldenser-Kirche, in der sie ja künftig arbeiten werden, ein Gast unter uns ist. Und ich darf Frau Favout jetzt bitten, doch auch einige Worte an sie und an uns alle zu richten:

- Beitrag Frau Favout -

Gebet

Mitgehender Gott, Quelle des Lebens, wir blicken heute zurück auf zwanzig Jahre gemeinsame Jahre mit Uwe Rohde hier in Neustadt. Du hast ihn in diesen Zeit getragen und seine Gaben zugunsten der Menschen und zu deinem Lob zum Einsatz brin-gen lassen. Dafür danken wir dir von Herzen. Vieles hat unter seinen Händen zu wachsen begonnen. Manches wird erst aufge-hen, wenn er längst nicht mehr hier arbeitet. Wir bitten dich: Be-gleite und segne ihn auch an seinem neuem Ort seines Wirkens in Sizilien. Lass die neuen Ufer, an die er aufbricht, Ufer des Le-bens für ihn werden. Und ermutige und stärke ihn für die neuen Aufgaben, die vor ihm liegen. Dankbar wollen aber auch wir uns hier auf den Weg machen, damit deine Gute Nachricht auch hier weiterhin Hände und Füße bekommt und auf Menschen stößt, die ein offenes Herz und eine Sehnsucht nach Leben im Herzen tra-gen. Amen.

Segen (mit Frau Favout)
Traugott Schächtele

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