Ansprache anlässlich der Einführung von Dirk Schmid-Hornisch als Jugendpfarrer am 7. März 2004 in der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde


Liebe Gemeinde!

Es war ein langer Weg, bis wir heute diesen Gottesdienst anlässlich der Einführung von Dirk Schmid-Hornisch als nebenamtlichem Jugendpfarrer feiern konnten. Um so mehr freue ich mich, dass wir heute gewissermaßen am Ziel sind. Dass wir dieses Einführungsfest heute feiern und dass wir deswegen den immer noch den fast neue Landesjugendpfarrer Eberhard Koch in unserer Mitte begrüßen können. Und wenn ich es recht weiß, ist dies heute Ihre erste Einführung eines neuen Jugendpfarrers. Auf jeden Fall werden es noch nicht sehr viele gewesen sein.

Lieber Herr Schmid-Hornisch,

wer in der Kirche erst einmal ein Amt hat, kommt um ein weiteres nicht herum. Das ist zunächst einmal die Erfahrung vieler Ehrenamtlicher. Auch hier in der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde – vom einfachen Jugendleiter bis zur Vorsitzenden des Ältestenkreises. Das eine folgt gewissermaßen aus dem anderen. Und wer seine Arbeit gut macht und womöglich nicht so leicht neun sagen kann, ist bei uns in der Kirche besonders gefährdet.

Dies ist aber nur die eine, ja sogar nur die Außenseite dieser Erfahrung sich häufender Aufgaben und Ämter. Es gibt auch noch eine ganz andere Sicht. Wer einmal Lunte gerochen und Lust bekommen hat, sich zu engagieren, der merkt bald, wie alles zusammenhängt. Wie man die eine Erfahrung für die nächste brauchen kann. Wie es auch unglaublich bereichernd ist, sich einzubringen und Verantwortung übernehmen zu können.

Nun hat es nach längerem Vorlauf also auch Sie erwischt, wenn ich das einmal so salopp sagen darf. Ist die Aufgabe auf Sie zugelaufen. Dabei haben Sie vor noch nicht allzu langer Zeit schon eine andere große Aufgabe übernommen, nämlich die des Pfarrers dieser Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde. Und nun also auch noch nebenamtlicher Jugendpfarrer - wie soll das gehen! Man kann den Seufzer mancher schon hören. Und auch verstehen. Darum will ich gerade an dieser Stelle einige erläuternde und erklärende Worte sagen.

Hinter uns liegt eine lange Weg- und gelegentlich doch auch Durststrecke der Vakanz im Amt des Jugendpfarrers. Mit dem Beginn des Ruhestands von Herrn Pfarrer Kautzsch vor vier Jahren ging die Zeit zu Ende, in der wir hier in Freiburg einen hauptamtlichen Jugendpfarrer hatten. Dies war bedauerlich, aber nicht zu ändern. Also war die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin angesagt, die diese Aufgabe im Nebenamt übernehmen würde. Über viele haben wir nachgedacht. Viele haben wir gefragt. Aber am Ende immer ohne Erfolg. Dann tauchte mit einem Mal Dirk Schmid Hornisch am Freiburger Kirchenhorizont auf. Wie die Sonne auf der Einladungskarte für diesen Gottesdienst.

Nach langem Überlegen, nach einer Reihe von Gesprächen und nach einigen notwendigen Klärungen haben Sie sich am Ende zur Übernahme dieser Aufgabe bereit erklärt.

Auf der einen Seite ist das eine Zumutung – gewiss! Gerade, wenn an vor noch gar nicht langer Zeit erst die erste Pfarrstelle übernommen hat.

Auf der anderen Seite aber zugleich eine unglaubliche Chance. Nicht nur für sie und das Evangelische Jugendwerk. Sondern auch für die Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde. Denn was sie als Jugendpfarrer tun, wirkt allemal immer auch in die Gemeinde zurück. In Form von Erfahrungen und Kontakten. In Form von Zufriedenheit über gelungene Projekte. In Form von Veranstaltungen, von denen auch die Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde etwas hat. Aber auch in Form des überwundenen Grenze, des erweiterten, ja des überstiegenen Horizontes. Aus der gelegentlichen Ferne erwächst nicht selten ein hilfreiche Abstand zu dem, was einem sonst tagein tagaus auf der Seele liegt.

Wir werden alle darauf achten, dass die Aufgabe leistbar bleibt. Und weder sie noch ihre Gemeinde überfordert. Dazu tragen nicht zuletzt Frau Kern und Frau Klenk bei, die ja beide hauptamtlich im Jugendwerk arbeiten. Und die auch in Zukunft wie schon in den zurückliegenden Jahren kompetent und anspruchsvolle im Jugendwerk arbeiten werden.

Ihre Aufgabe kann in erster Linie vor allem eine unterstützende und beratendende sein. Und auch dadurch eine mitgestaltende und Verantwortung wahrnehmende. Aber auch und gerade dafür werden Sie selber Unterstützung nötig haben. Den kollegialen Kontakt. Die guten Gedanken und die Fürbitte vieler. Nicht zuletzt aber Gottes Segen.

Die Sonne auf der Einladung legt eigentlich einen passenden biblischen Zuspruch für diesen Tag und Ihren Einsatz als Jugendpfarrer nahe; nämlich den bekannten Vers aus Psalm 84:

Gott, der Herr, ist Sonne und Schild.

Zukunftsförderndes und Bewahrendes kommen in diesem kleinen Satz zum Ausdruck. Dabei kommt der Sonne das Zukunftsfördernde zu. Ohne die Sonne gibt es keine Wärme. Und kein Leben. Und – was wir nicht vergessen dürfen: Ohne die Sonne müssten wir auch auf den wohltuenden Rhythmus von Tag und Nacht verzichten. Es ist die Sonne, die unsere Zeit heilsam strukturiert.

All dies möchte ich auch Ihnen wünschen: die nötige innere Stärke, um sich im Netz der zeitlichen Anforderungen und Überforderungen nicht zu verheddern. Die Wärme, die die Energie in Ihnen weckt, ohne die nichts geht. Dazu aber auch jenen Schutzschild, hinter dem Sie sich, wenn’s nötig ist, immer wieder auch in Sicherheit bringen können.

Einen kleinen Beitrag dazu möchte Ihnen, lieber Herr Schmid-Hornisch auch der Kirchenbezirk angedeihen lassen. Die Möglichkeit, einmal alles hinter sich zu lassen, und dabei gleich auch noch Sonne zu tanken. Eigentlich sollen wir ja nicht hoch hinaus wollen. Aber manchmal gibt es dazu keine Alternative. Zumal dann, wenn diese so attraktiv ist wie der Freiburger Hausberg. Darum bekommen Sie jetzt zwei Tickets für jeweils eine Berg- und Talfahrt. Näher als auf dem Schauinsland können Sie zumindest in Freiburg der Sonne nicht kommen.

Und vielleicht kommt es Ihnen oben dann wieder in den Sinn: Gott, der Herr ist Sonne und Schild.


Traugott Schächtele

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