EINFÜHRUNG PFARRER FRITJOF ZIEGLER /
ANSPRaCHE DEKAN DR. SCHÄCHTELE - 28. MÄRZ 2004


Lieber Herr Ziegler,

Kennen Sie die berühmten drei K’s, die der Autor Dario Fo in die Welt gesetzt hat? Natürlich! - werden Sie sagen: Kinder, Küche, Kirche. Mit mindestens zweien lassen Sie sich problemlos in Verbindung bringen. Ihr erstes Kind hat gerade noch rechtzeitig vor ihrem Dienstantritt das Licht der Welt erblickt. Um die Kirche kommen Sie ohnedies nicht herum. Nur über ihre Beziehung zum Thema Küche kann ich bisher noch nichts sagen. Ich unterstelle aber einmal, dass Ihnen auch dieser Raum Ihrer neuen Wohnung nicht gänzlich fremd ist. Schließlich kommen einem da nicht selten die besten Gedanken.

Diese bekannten drei K’s meine ich aber gar nicht. Klaus Berger, der bekannte Neutestamentler hat vor kurzem in der Zeit die drei K’s variiert und neu definiert. Und überaus passend für die Einführung eines Pfarrers. Bei ihm stehen sie für Katechismus, Kultur und Kinderfreundlichkeit.

Was für ein Programm ist damit umschrieben! Genug für mehr als nur eine Pfarrstelle. Auch für mehr als nur eine Gemeinde.

Wenn er vom Katechismus spricht, meint Klaus Berger ein klares und verständliches Begreifen des eigenen Glaubens. Wir sollten Religion nicht nur den Gelehrten überlassen, sondern für auch die Menschen auf der Straße verständlich Orientierung bieten. Martin Luther hatte je bekanntlich davon gesprochen, dass man dem Volk auf’s Maul schauen müsse. Recht hat der eine wie der andere Schließlich geht es bei unserem Glauben ja nicht um ein Geheinwissen, sondern um das Evangelium, das allem Volk widerfahren wird, um den Engel aus dem weihnachtlichen Geschehen zu zitieren. Dies wird sicher erlaubt sein, wo es doch während unseres Pfarrkonventes am Dienstag noch heftig geschneit hat.

Und ich frage: Wem, wenn nicht allem Volk, soll denn die Gute Nachricht gelten, an deren Verbreitung Sie in Ihrem Amt als Pfarrer beteiligt sind? Wer anders ist denn gemeint, wenn wir den Anspruch erheben, unsere Kirche sei eine Volkskirche?

Darum wünsche ich Ihnen immer wieder neu die rechten Worte, damit sie den Menschen, die Ihnen anvertraut sind, nicht nur zu Ohren, sondern auch zu Herzen gehen.

Das zweite K steht für Kultur. Kultur ist ein weiter Begriff. Und nicht ohne Grund hat die EKD vor einiger Zeit eine Kulturdenkschrift veröffentlicht. Unser ganzes Leben spielt sich im Raum der Kultur ab. Die Kultur ist gewissermaßen das Netzwerk oder die Maßerung, die unsere Lebenswelten strukturiert, bestimmt und prägt. Ja, Religion ist selber ein Teil dieser Kultur. Kirche ist nie Kirche außerhalb dieses Bereiches, den wir mit dem Wort Kultur umschreiben. Kirche und Kultur sind miteinander auf’s Höchste verwoben. Denken Sie nur an die Rolle, die die Musik auch in diesem Gottesdienst spielt. Oder an die zahlreichen Aufführungen der Bach’schen Passionen, die in diesen Tagen überall die Kirchen und Säle füllen.

Verwoben sind Kirche und Kultur, aber doch nicht austauschbar oder gar identisch. Das Wort Gottes erreicht uns zwar immer zuallererst in Menschenworten: Und doch behält es gegenüber diesen eine bleibende Distanz. Bleibt dieser Welt und ihren kulturellen Errungenschaften ein kritischer, und wenn nötig sogar unerbittlich widersprechender Partner. Und ist doch unverzichtbar die Quelle der sich alles – auch die Kultur – verdankt.

Bleibt das dritte K – die Kinderfreundlichkeit. Dies klingt nur vordergründig selbstverständlich, muss aber immer wieder neu als Perspektivenwechsel inszeniert und in Konzepte einer kinderfreundlichen Kirche umgesetzt werden.

Dabei können wir an einem breiten Traditionsstrom anknüpfen. Heute ist bekanntlich der Sonntag Judika. An diesem Sonntag wurden über viele Jahrzehnte die Konfirmationen gefeiert. Eine beträchtliche Zahl von Gemeinden unseres Kirchenbezirks tut das bis heute. Gelingende Konfirmationen und eine verantwortlich gestaltete Konfirmandenzeit sind Teil eines hoffnungsvollen Einsatzes beim dritten K.

Ein anderes unverzichtbarer Teil der Arbeit auf diesem Feld ist der Religionsunterricht. Auch daran haben Sie als Pfarrer Anteil. Und nicht ohne Grund feiert Schuldekan Jeub diesen Gottesdienst ebenso mit wie Martin Arndt, der in seiner Arbeit als Jugendreferent an dem Konzept einer kinderfreundlichen Kirche mitarbeitet.

An diesem Sonntag Judika 2004 werden hier in Neustadt zwar nicht die Konfirmandinnen und Konfirmanden eingesegnet. Im Grunde feiern wir aber auch mit ihrer heutigen Einführung als Pfarrer auch eine Art Konfirmation. Wie bei den Konfirmationen der Vierzehnjährigen werden sie – und werden wir alle an unsere Taufe erinnert. Und mit dieser Erinnerung ist eine Beauftragung verbunden. Im Blick auf ihr weiteres Leben bei den Jugendlichen. Im Blick auf ihre hiesige Aufgabe als Pfarrer bei Ihnen, lieber Herr Ziegler.

Sie werden heute gewissermaßen im Blick auf die drei K’s öffentlich an Ihre Aufgabe und Ihre Verantwortung erinnert. Sie erhalten aber zugleich auch den Zuspruch dessen, der unseren Dienst in seine Perspektive und unter seinen Segen stellt.

Darum möchte ich an dieser Stelle noch einmal an den Wochenspruch erinnern, den ich vorhin schon einmal als Zuspruch der Guten Nachricht zitiert habe. Er lautet:

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lassen, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.

Das Wort steht heute ja bekanntlich nicht gerade in hohem Ansehen. Auf der anderen Seite haben wir uns längst zu einer Dienstleistungsgesellschaft entwickelt. Und es gibt kaum noch eine Firma, die nicht auf ihre Service-hotline verweist. Service an den Seelen der Menschen hier in Neustadt – das ist Ihnen im Grunde aufgetragen. Die alten Worte lebendig zu halten: Zuwendung, Trost, Barmherzigkeit, Gnade, Liebe – und dies im Kontext der drei K’s: Vom Glauben zu reden. Die Welt mitzugestalten und denen, die diese Welt erst entdecken, eine Perspektive zu bieten. Mehr ist Ihnen nicht aufgetragen. Das ist aber schon mehr als genug. Gott wird’s an seinem Segen nicht fehlen lassen. Amen.


Traugott Schächtele

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