ANMERKUNGEN UND FRAGEN
ZUM REFERAT VON DR. HERBERT BURMEISTER –
- VORGETRAGEN AM 24. JUNI 2004 -


„Wir können festhalten: Gott greift in die Natur nicht ein!“ Dieses Zitat aus dem Vortrag von Herbert Burmeister möchte ich an den Anfang stellen. Ist Gott also nur, wenn er in die Natur eingreift - sie also gewissermaßen aus den Angeln hebt? Eine Existenz Gottes, die sich verwirklichte nur innerhalb der Natur – wäre das nicht viel zuwenig, um wirklich Gott zu sein? Dies ist eine der Fragen, auf die wir eine Antwort suchen. Und ja wahrhaftig nicht nur wir.

Zu meiner Rolle

Zunächst will ich aber erst kurz meine Rolle klären. Ich rede hier nicht als naturwissenschaftlicher gebildeter Laie – in dieser Rolle könnte ich nur dilettieren. Ich rede als Theologe – als vom Glauben Ergriffener und diesen Glauben Reflektierender - und damit von anderen Voraussetzungen her. Und ich rede nicht als Ko-Referent, sondern als einer, der durch seine Anmerkungen und Fragen das Gespräch in Gang bringen will. Referent ist Herbert Burmeister. Ich beschränke mich darauf, einige Anmerkungen zu machen und einige Fragen zu stellen. Zu einer Antwort werden wir – wenn überhaupt nur gemeinsam finden.

Die Thematik an sich beschäftigt mich schon lange. Vor 20 Jahren in der Lektüre der Bücher von Hoimar von Dithfurth. Als Religionslehrer in der Oberstufe. Zuletzt nach der mehrmaligen Lektüre von Stephen Hawkins „Kurzer Geschichte der Zeit“. Dort taucht die Frage nach Gott unter der Formulierung der Suche nach der „Formel, die das Universum erklärt“ gestellt. Gäbe es diese Formel, wäre die Frage Albert Einsteins: „Wieviel Entscheidungsfreiheit hatte Gott bei der Erschaffung des Universums?“ eindeutig zu beantworten. Der Prozess der Evolution unterläge dieser Formel – und für Gott bliebe keine schöpferische Freiheit mehr übrig.

Zur Bedeutung der Schöpfungstexte

Die Frage nach dem Verhältnis von Evolution und Glaube – um die Themenformulierung unseres Referenten aufzunehmen – führt uns sehr schnell in den Bereich der Thematik, die mit dem Begriff „Schöpfung“ umschrieben wird.

Dabei muss zunächst folgendes festgehalten werden. Der christliche Glaube hat sich über Jahrhunderte primär im Bekenntnis zu Christus, d.h. im zweiten Artikel des Glaubensbekenntnisses festgemacht. Daneben hat es immer eine (gegenwärtig am stärksten wachsende) pneumatologische Linie gegeben, die sich am dritten Artikel festgemacht hat. Der Glaube an Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, hat immer nur eine Nebenlinie des christlichen Glaubens umschrieben. Das bedeutet: Über Jahrhunderte war das Christentum von einem schöpfungstheologischen Defizit gekennzeichnet. Die Folgen sind bis heute unübersehbar.

Seit etwa einem Vierteljahrhundert gibt es eine Neuentdeckung und Hochschätzung des Glaubens an den Schöpfergott. Äußerer Anlass war die Zunahme der Bedrohung der Umwelt. Wenn die Welt Gottes gute Schöpfung ist, so folgerte man, dann müssen wir sie tatsächlich nicht nur bebauen (d.h. ihre Möglichkeiten für uns nützen), sondern auch bewahren. Ideen- zw. philosophiegeschichtlich lag die Neuentdeckung des Schöpfers in der Überwindung eines einseitig individualistischen Denkens (zu dem auch die Reformation beigetragen hat) begründet. Man entdeckte: Wir haben Verantwortung für die gesamte Schöpfung, für unsere Mitmenschen und für die, die nach uns auf dieser Erde leben. Theologisch machte sich die Einsicht breit: Es geht um die nachhaltige Bewahrung der Schöpfung, nicht um meinen kurzfristigen individuellen Vorteil. Die Aufforderung, sich die Erde „untertan“ zu machen, ist lang als Freibrief zur Ausbeutung, statt als Aufforderung zum schonenden Nutzung missverstanden worden.

Kaum eine Rolle für die neue Bedeutung des Schöpfungsglaubens tragen neue Einsichten der Naturwissenschaft bei. Die Theologie war als Gesprächspartner nicht präsent. Sie verhielt sich ablehnende, verunsichert und wenig kommunikationsfähig.

Es kann aber kein Zweifel: In der Stellungnahme zur Schöpfungsthematik geht es um die Klärung unabdingbarer Voraussetzungen verantwortlicher biblischer – jüdisch-christlicher – Rede von Gott. Tatsächlich ist die Frage nach der Relevanz der biblisch geprägten Rede im Zusammenhang der Schöpfungsthematik oft scheinbar das Hauptargument gegen die Berechtigung der Rede von Gott. Die biblischen Schöpfungsberichte seien entweder „überholt“ oder „falsch“ oder „widerlegt“ oder „naiv“ – und der Gottesglaube deshalb unsinnig oder anachronistisch. Ich halte diese Alternative schlicht für irreführend und unangemessen.

Zur Bedeutung der biblischen Schöpfungsberichte

Der Blick in die Bibel (und damit die Aufnahme der jüdisch-christlichen Tradition) lässt eine Polyphonie des Schöpfungsglaubens hörbar werden. Neben schöpfungstheologischen Aussagen in den Psalmen (und etwa auch in Römer 8,18ff) sind die beiden Schöpfungsberichte am Anfang der Bibel die entscheidenden Dokumente.

Der erste (und zugleich jüngere biblische Schöpfungsbericht) ist vermutlich im sechsten Jahrhundert v.Chr. in einer durch das babylonische Exil geprägten Umgebung entstanden. Wasser ist hier nicht Lebensgabe, sondern Urelement der Bedrohung. Das Schöpfungshandeln Gottes muss dementsprechend diese Urgewalt zähmen. In diesem Bericht spiegeln sich deutlich Grundkenntnisse der (vor-)wissenschaftlichen Weltbetrachtung wieder. Dabei steht die Abfolge der einzelnen Schöpfungswerke durchaus in einer gewissen Entsprechung zur Evolutionstheorie. Am Anfang steht die Ursuppe. Erst am Ende tauchen Tiere und Mensch auf. Das Schöpfungshandeln wird also als in Anwendung des Sechs- bzw. Sieben-.Tage-Schemas als Prozess beschrieben.

Der zweite Bericht (ab Gen 2,4b) setzt gleich mit der Erschaffung des Menschen ein. Er bildet die Ouvertüre zu einem längeren urgeschichtlichen Werk über die Entstehung der Geschichte des Menschen zwischen Schuld und Neuanfang. (Sündenfall, aber Überleben vor der Pforte des Paradieses; Kains Brudermord mit der Folge des unsteten und flüchtigen Lebens, aber ohne Sühne durch Tod; die große Flut, an deren Ende aber der Regenbogen steht; das maßlose Turmprojekt, das „nur“ die Sprachenverwirrung nach sich zieht). Dann setzt in Gen 12 mit Abraham erneut eine Segensgeschichte ein.

Diese Abfolge von Geschichten ist die ältere um im frühen zehnten Jahrhundert v.Chr. in der ländlichen Welt Palästinas entstanden. Leben wird dabei dem Ackerboden abgerungen. Wasser (siehe die Ströme im Garten Eden) sind die Grundbedingung allen Lebens. Die Erschaffung des Menschen ist Teil einer grundlegenden Betrachtung des Lebens in seinen Chancen und seinem Verhängnis. (biblische Urgeschichte).

Die biblischen Schöpfungstexte sind als Bekenntnis zu Gott als Schöpfer zu lesen und zu verstehen. Sie spiegeln die Denkvoraussetzungen ihrer Zeit und ihrer Umwelt und bilden nicht per se einen Gegensatz zum heutigen, von einer strikten Trennung von Naturwissenschaft und Religion bestimmten Denken. Wer hier den Wahrheitserweis oder die Widerlegung des Christentums festmachen will, vergleicht im Grunde Unvergleichbares.

Im Unterschied zu den vielen anderen Schöpfungsmythen ist das jüdisch-christliche Schöpfungsverständnis linear und nach vorne offen. Die Anerkenntnis der eigenen Geschöpflichkeit schafft nicht ängstliche Abhängigkeit von despotischen Schöpfungsmächten. Vielmehr befreit sie davon, sich als Schöpfer des je Eigenen übernehmen zu müssen. Und sie befreit zugleich zur Übernahme der Weltverantwortung im Rahmen meiner Möglichkeiten und Gaben.

Zur Wissenschaftlichkeit der Theologie

Was lässt sich aus dem Blick auf die biblischen Schöpfungsberichte für das Verhältnis von Glaube und Naturwissenschaft folgern? Zunächst: Im Vergleich mit dem Weltbild der modernen Naturwissenschaften gibt es einen durchaus einen Vorrat an – vorsichtig gesprochen - Konvergenzen:

(A) Die Schöpfung hat einen Anfang – den Urknall auf der einen, den göttlichen Schöpfungsakt auf der anderen Seite.

(B) Die Schöpfung ist ein unabgeschlossener Prozess und setzt sich in die Zukunft hinein fort – im Rahmen der Evolution auf der einen, im Rahmen der Fürsorge Gottes für seine Schöpfung auf der anderen Seite.

(C) Die Schöpfung ist ein im Grunde zielgerichtetes „Projekt“, auch wenn Naturwissenschaft und Religion die Ziele unterschiedlich beschreiben: Im Prozess des In-sich-Zusammenfallens des Weltalls auf der einen, in der Erkenntnis. Dass Gott alles in allem sein wird, auf der anderen Seite.

Unterscheidungen sind dennoch unumgänglich. Ich glaube in der Tat nicht, dass Theologie und Naturwissenschaft in unterschiedlichen Sprachsystemen von derselben Sache reden. Theologie ist nicht einfach Naturwissenschaft auf höher Ebene. Theologie ist eine Wissenschaft sui generis (=eigener Art). Sie spricht vom Menschen sub specie aeternitate (= im Angesicht der Ewigkeit) und coram deo (=vor Gott). Insofern ist sie in dem Maß, in dem sich ihr Gegenstand der Überprüfbarkeit entzieht, tatsächlich Wissenschaft in grundsätzlich anderer Weise. Ihr Wissen hat eine andere Qualität und eine andere Sprache als das Wissen der Physik, der Astronomie oder der Biologie.

Naturwissenschaft ist theologisch gesprochen – eine Folge der Vertreibung aus dem Paradies (was wiederum nicht historisch missverstanden werden darf. Der Mensch übernimmt Verantwortung für seine Welt und macht seine Lebensbedingungen erträglich. Dies tut er im weitesten Sinn dadurch, dass sich Kultur, Wissenschaft und Religion entwickeln. Das Paradies kannte alle drei Bereiche nicht.

Grenzen der Wissenschaft

Menschliche Wissenschaft hat – theologisch betrachtet - ihren Ursprung in der Vertreibung des – gottesebenbildlichen – Menschen aus dem Paradies. Daher kann der Mensch die Leistung der Wissenschaft anerkennen, ohne sie gleich wieder zu instrumentalisieren zu müssen. Auch nicht in wohlgemeinter religiöser Absicht.

Klärungsbedürftig bleib die Frage, ob es eine Grenze der Aktivitäten der Wissenschaft gibt. Dies wird gegenwärtig im Rahmen der Debatte um die Bio-Ethik evident. Ich plädiere für eine derartige Grenze. Sie darf aber nicht mit naiver Theologie umschrieben werden, etwa mit den Worten: „Der Mensch pfuscht dem Schöpfer ins Handwerk.“ Oder: „Die Bibel verbietet uns, uns in die Schöpferrolle zu erheben.“ Bio-Ethik ermöglicht unzweifelhaft auch Lebensmöglichkeiten. Der Gedanke der Inkarnation (=der Fleischwerdung) verlangt, dass wir uns auch mit theologischen Ansprüchen immanent (= im Rahmen und in der Sprache des Systems) verständlich machen. Grenzen verdanken sich dann einem Abwägungsprozess und der Anwendung von Kriterien. Abzuwägen sind die Folgen des Tuns oder Lassens im Blick auf die Lebensdienlichkeit - für Mensch und Natur!

Zum Verhältnis von Naturwissenschaft und Theologie

Wenn ernstzunehmende Naturwissenschaftler sich mit dem Verhältnis zur Theologie befassen – oder die Gottesfrage stellen, tun sie das in der Regel in der Weise, dass sie am Ende konzedieren, sich in zwei unverbunden nebeneinander stehenden Welt zu bewegen. Die Erkenntnisse des einen Bereichs – der Naturwissenschaft – bleibt ohne Auswirkungen auf den anderen. Gott lässt sich nicht nachweisen. Oder beweisen. Übrigens auch nicht bestreiten. Er greift schon gar nicht in die Naturgesetze ein und darf auch nicht für „Bewegungen“ oder „Sprünge“ innerhalb der Evolutionsprozesses oder für irgend ein Ordnungsprinzip mitten im Chaos in Beschlag genommen werden. Wo Zufall und Chaos die prägenden Gestaltungsprinzipien sind, bleibt für göttliche Schöpfungsordnungen kaum noch Raum.

Wenn die Naturwissenschaften von Gott reden, tun sie das in der Weise, dass sie nach dem Beitrag Gottes im Rahmen des Verstehens der Zusammenhänge des Seins fragen. Je mehr die Naturwissenschaft erklären kann, desto kleiner wird der Verfügungsraum Gottes (der „Lückenbüßer-Gott“). Ein Gott, der aus dem Sein der Dinge erschlossen oder bewiesen werden kann, ist daher kein Thema. Gott lässt sich mit Hilfe der Möglichkeiten der Naturwissenschaft weder beweisen, noch sinnvoll einordnen.

Vom Glauben zur Erkenntnis

Wenn die Theologie – oder der Glaube – von Gott oder von der Schöpfung reden, tun sie das im Akt des Bekennens. Insofern sollte die Theologie mit dem ausdruck „Schöpfungslehre“ sehr behutsam umgehen. Es geht weniger um eine Lehre als um eine zentrale Bestimmung unseres Welt- und Selbstverständnisses. Die Grundannahme von Gottes Existenz ändert die Perspektive unserer Welt-Anschauung und Weltsicht. Weil wir Gott voraussetzen, reden wir von Schöpfung, auch im Rahmen eines naturwissenschaftlichen Weltbildes. Und ohne diese verifizieren zu können. In der Sprache der theologischen Tradition hieße das dann: Credo, ut intelligam (= ich glaube, um zu verstehen).

Von der Erkenntnis zum Glauben

Umgekehrt: Wer trotz der Einblicke in die Ergebnisse der modernen Naturwissenschaft die Hypothese Gott aushält oder gar zu ihr gelangt – durch das Staunen über die Größe des Alls und die Unendlichkeit der Galaxien; durch die Annahme einer Ur-Steuerung oder eines Zieles – der oder die folgt dann dem Prinzip, das die theologische Tradition so umschreibt: Intelligo, ut credam (= ich verstehe, um zu glauben). Dieses Programm ist keineswegs zwingend, sondern setzt implizit schon wieder einen anfänglichen Glauben voraus. Staunende Anerkenntnis der Existenz Gottes ist im Gegensatz zur schlussfolgernden Weltsicht der Naturwissenschaft zweckfrei. Sie ist eine Möglichkeit, aber nicht in sich plausibel und kommunizierbar.

Für die Theologen gilt im Blick auf die Naturwissenschaft: Nicht mit Gängelung oder Besserwisserei agieren; schon gar nicht auf der Grundlage der Angst vor Machtverlust. Krampfhaft festgehaltene Macht wird man früher oder später immer verlieren.

Brücken zwischen Glauben und Naturwissenschaft

Offen bleibt die Frage: Gibt es Brücken des besseren gegenseitigen Verstehens? Ich weiß es nicht. Es gibt Bilder. Es gibt Entsprechungen. Aber Gott ist weder Gegenstand unseres naturwissenschaftlichen Erkennens (theologisch gesprochen: „Gott wird nur durch Gott erkannt“) noch einfach eine Überdehnung der Materie ins Geistige. Gott ist und bleibt der – oder die – ganz andere! Es geht nicht um graduelle Unterschiede, sondern um gänzlich unterschiedliche Dimension.

Die Rede von Gott beschreibt zunächst das Wesen von etwas, das im Grunde zutiefst unaussprechlich bleibt. Indem wir sagen, wer und wie Gott ist, sagen wir zugleich wer oder was Gott nicht ist. Dieses Aspekt hat unsere Theologie zu wenig gewahrt. Gott ist nicht die höchste Stufe des Seienden. Gott ist Sein pur – aber nicht in Ergänzung, sondern im Gegenüber zu dem unserem Denken und dem der Wissenschaft zugänglichen Raum.

Nicht selten wird heute durch unverantwortlich-inflationäre Gottesgeschwätz - und das ist keineswegs besser als über Gott zu schweigen - der Gottesrede jeglicher Gehalt entzogen. Gott ist der ganz andere – man könnte mit gleichem Recht sagen die ganz andere – jenseitig, transzendent. Aber auch dies in eine Weise, dass die Rede von Gott immanent, d.h. in unserer Welt Sinn macht. Gott ist der Unsagbare. Gott ist Geist. Das ist das eine. Das andere: Gott wurde Mensch. Erschien inmitten der Welt der Naturgesetze. Bekam Hand und Fuß. Hier liegt der besondere Gotteszugang des christlichen Glaubens.

Dass wir aber diese Erfahrung Gott nennen – dass wir den Menschen Jesus von Nazareth das Attribut „göttlich“ zueignen, das ist erneut ein Bekenntnis-Akt. Und nicht das Ergebnis naturwissenschaftlicher Weltsicht oder biologistischer Kategorien. Gott ist Gott in sich. Ist in sich kommunikativ. (Trinität). Zu unseren Gunsten. Aber nicht festlegbar in den Kategorien von Raum und Zeit. Nicht messbar. Nicht zu nötigen. Unsere Rede von Gott ist daher bestenfalls Annäherung und Andeutung; in Sprache gefasste Entsprechung aus dem Vorrat des für uns Anschaulichen.

Was sagt ein Theologe einem Naturwissenschaftler?

Was sage ich daher einem Naturwissenschaftler? Was sage ich Ihnen, lieber Herr Burmeister, wenn Sie - als Naturwissenschaftler - mir - als Theologen - die Frage nach Gott, nach der Möglichkeit des Gottesglaubens stellen? Wer ist auf eine Antwort angewiesen: der Physiker Herbert Burmeister oder der, der versucht, mit Ernst und in Verantwortung vor seinem eigenen Wissen Christ zu sein?

Die Welt der Galaxien und der Prozess ihrer Entstehung lassen keine Rückschlüsse auf die Möglichkeit des Gottesglaubens zu. Diese Einsicht war ihrem Vortrag zu entnehmen. Verstehbar bleibt das meiste ohne diese Annahme. Ob auch verkraftbar, ist eine andere Frage. Es ist schließlich nicht zuletzt die Rede von der Gottesebenbildlichkeit, die dem Menschen Bedeutung verleiht. Ansonsten wäre er nichts andere als eine zufällige Zellentwicklung in der Atmosphäre irgend eines kleinen Planeten am Rande des Weltalls. Bestenfalls ein Affe, der sprechen kann. Auch dies – die Erkenntnis unseres je eigenen Wertes und unserer Würde - ist ein profit des Gottesglaubens. Und keineswegs ein illegitimer.

Dass die Naturwissenschaft Gott nicht beweisen kann, ist mitnichten ein überzeugendes Gegenargument. Dass Naturwissenschaftler aber nach Gott fragen, erscheint mir allemal ein Beleg dafür, dass das Wissen unser Bekenntnis nicht aufhebt. Ob Gott Geist ist – ich weiß es nicht. Dass Gott ist, das ist mein Glaube - und mein Bekenntnis!


Traugott Schächtele

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