GRUSSWORT ANLÄSSLICH DER VERABSCHIEDUNG
VON OBERKIRCHENRAT DIETER OLOFF
AM 18. JULI 2004 IN KA-NEUREUT




Nun eben: Abschiedsworte zum Dritten, lieber Herr Oloff! Wenn man geht, bleibt einem eben nichts erspart. Und dass ich diese Worte für die Pfarrerinnen und Pfarrer spreche, ist wahrhaftig weit davon entfernt, nur einem Abschiedsritual zu huldigen. Es ist mir ein Bedürfnis – und ich weiß mich der Zustimmung vieler sicher für das, was ich Innen bei dieser Gelegenheit sagen möchte.

Sie waren bis heute der seinem Ursprung nach nördlichste Oberkirchenrat im gegenwärtigen Kollegium. Dabei hat der Norden biblisch betrachtet gar keine gute Presse. Aus dem Norden kommt in der Regel der Feind und allemal nichts Gutes. Bei Ihnen ist das nicht so. Ihr Ortswechsel von Husum, der Stadt Theodor Storms und Nikolaus Bruhns muss Ihre Heimatstadt ärmer gemacht haben, – denn für uns in Baden und in der badischen Landeskirche waren Sie allemal ein großer Gewinn.

Wenn man eine Befragung unter Pfarrerskolleginnen und - kollegen veranlassen würde mit dem Ziel, wesentliche Eigenschaften eines Personalreferenten zu erheben, würde man sicher auf eine zumindest dreifache Erwartung treffen: Er soll – erstens – seine Aufgabe verlässlich, transparent und mit einem großem Gespür für Gerechtigkeit gerade in schwieriger werdenden Zeiten wahrnehmen.

Er solle – zweitens - die Pfarrerinnen und Pfarrer von ihren Stärken her beurteilen und nicht aufgrund der Fülle der unterschiedlichen Problemlagen, mit denen es ein Personalreferent natürlich in besonderer Weise auch immer zu tun hat.

Und er solle – drittens – in besonderer Weise auch die Zukunft und nicht nur den status quo im Blick haben. Dies bedeutet, offen zu sein für eine Weiterentwicklung des Berufsbildes und insbesondere auch den theologischen Nachwuchs im Blick zu haben.

All diese Eigenschaften und Anforderungen verkörpern Sie in hervorragender Weise, lieber Herr Oloff. Sie haben sich als überaus verlässlicher Sachwalter insbesondere gerade auch der Pfarrerinnen und Pfarrer erwiesen, ohne andere Berufsgruppen aus den Augen zu verlieren.

Die Beziehung zwischen Personalreferent und Pfarrverein ist in vielen Landeskirchen ein hochsensibler Gradmesser der Befindlichkeit der Berufsgruppe der Pfarrerinnen und Pfarrer. Hohe Unzufriedenheitsquoten unter Pfarrerinnen und Pfarrer belasten diese Beziehung immer wieder in nicht unerheblicher Weise. Der Blick in die verschiedenen Gliedkirchen der EKD bestätigt diese These öfter als uns lieb sein kann.

Für den Evang. Pfarrverein in Baden und für die Pfarrvertretung, für die ich hier in Absprache mit Kollege Reinhard Sutter auch spreche, war die Zusammenarbeit mit Ihnen vertauensvoll und beispielhaft – was die Bereitschaft zur rechtzeitigen Information anging, aber auch gerade dann, wenn wir auf Problemlagen hingewiesen haben oder auf bestimmte Vorhaben mit Kritik oder mit Widerspruch reagierten.

Sie haben mit dem Pfarrverein und der Pfarrvertretung mit Wertschätzung und Vertrauen kommuniziert und diese nicht einfach nur als Blockierer schneller Entscheidungen angesehen. Gerade an der Diskussion um das Berufsbild hat sich der Pfarrverein ja entscheidend mit beteiligt. Dieses gewachsene Kapital gegenseitigen Vertrauens hat sich gerade in den schwierigen und für viele Kolleginnen und Kollegen belastenden Zeiten des Umsetzung der Kürzungsbeschlüsse ausgezahlt. Wir hoffen sehr, dass sich diese Form der Zusammenarbeit auch in Zukunft so fortsetzt, weil wir sehr wohl wissen, dass die Zeiten und die Entscheidungen nicht leichter und die Konfliktlagen zahlreicher werden.

Auch in Baden hatten wir Mitte der 90er Jahre eine heftige Debatte, die in den vielfältigen Belastungen der Pfarrerinnen und Pfarrer ihre Ursache hatte. Die durchaus heterogene Beschwerdeliste der 150 ist vielen hier sicher noch in Erinnerung. Und sie ist in mehr als nur einem Punkt keineswegs erledigt.

Sie , lieber Herr Oloff, haben sich damals überaus konstruktiv und steuernd in diese Debatte eingebracht. Die Thesen des Memorandums und die Ergebnisse der Arbeitsgruppe zum „Beruf der Pfarrerin und des Pfarrers in der Gemeinde“ sind keineswegs überholt. Letztere erleben, wie ich den Eindruck habe, gegenwärtig gerade ihre Wiederentdeckung. Sie waren in diesem Prozess in entscheidender Weise Motor. Und wir waren als badische Kirche auf diesem Feld vielen voraus.

Voraus waren sie vielen Ihrer Kolleginnen und Kollegen auch in der Erkenntnis des Nutzens der neuen Technik für Pfarrerinnen und Pfarrer. Schon als Kehler Dekan eilte Ihnen der Ruf voraus, zu den Pionieren der kirchlichen PC-Szene zu gehören. Und Ihr legendärer PSION gehörte beinahe zu Ihren unveränderlichen Kennzeichen. Dass sie ihn wegen dessen Unverträglichkeiten mit den neuen Herausforderungen durch eines der trendigen Handholds ersetzen mussten, markierte gewiss ein einschneidende Zäsur des elektronisch-medialen Strangs ihrer Berufsbiographie.

In all dem haben sie die leisen Töne bevorzugt und die unaufgeregte Sachdebatte der lautstarken Grundsatzdebatte vorgezogen. Gerade weil sie den Blick für das Detail und die kleinen Sorgen nicht verloren haben, konnten sie in Ihrer Aufgabe und mit Ihren Möglichkeiten Großes bewirken. Dafür im Namen der großen Zahl der im Dienst der hauptamtlichen - und ich will ausdrücklich ergänzen und der ehrenamtlichen – Verkündigenden von Herzen ein Dankeschön.

Und nun: „Dienstzeit Ade – Scheiden tut weh.“ Doch sie können gewiss sein, dass die Fortsetzung des Kinderliedes nicht zutrifft. „Aber dein Scheiden macht, dass mir das Herze lacht!“ Es mag Verabschiedungen geben, wo das Glück des Augenblicks tatsächlich darin liegt, dass einer geht. Bei Ihnen ist das anders. Ich bin mir der Zustimmung der großen Zahl der Kolleginnen und Kollegen sicher, dass sie als Inhaber Ihres schweren Amtes für viele ein Glücksfall waren. Dafür sei Ihnen gerade bei diesem Anlass und an diesem Tag von Herzen gedankt!

Doch wir haben uns auch Sorgen um Ihre Zukunft gemacht. Wie kann einer, der über eineinhalb Jahrzehnte für die Pfarrerinnen und Pfarrer der Landeskirche zuständig war, nun plötzlich ohne Pfarrerinnen oder Pfarrer sein? Dem kann Abhilfe geschafft werden. Und endlich auch so, wie’s in diesen Jahren nicht möglich war. Ein Pfarrer, der nichts anderes zu sagen hat als das, was sie ihm in den Mund legen. Und der seine Hände nicht rührt, ohne Ihren Willen. Kein Pfarrer zum Abgewöhnen, aber einer, der den Entzug entscheidend erleichtert. Einer, der sie aber immer wieder auch an Ihre eigene Zeit als aktiver Pfarrer erinnert – mitten in den neuen Aktivitäten, für die Sie jetzt hoffentlich mehr Raum haben. Damit aus Oloff nicht vorschnell „All off“ wird. Von Herzen ein frohes und dankbares Aufwiedersehen - und alles Gute und Gottes Segen für Sie und Ihre Frau, lieber Herr Oloff. Vielen Dank!

Traugott Schächtele

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