EINFÜHRUNG VON PFARRER RALF BERGER
STADTMISSIONSGEMEINDE DREISAM 3
3. OKTOBER 2004


Freude sei mit euch und Freundlichkeit und Freundschaft – und die Tugend der Höflichkeit, den anderen wahrzunehmen und zu grüßen und zu sehen, dass Gott uns zusammengeführt hat, um seinem Wort zu begegnen.

Von Hanns Dieter Hüsch, dem bekannten Altmeister kabarettistischer Kleinkunst stammen diese Begrüßungsworte, liebe Freundinnen und Freunde, liebe Schwestern und Brüder. Und sie stammen damit von einem Menschen, dem es immer wieder gelang und gelingt, Verschiedenstes zusammenzubinden mit der Kunst des Wortes. Eine Aufgabe, vor der wir auch in diesem Gottesdienst stehen.

Mit geliftetem, deutlich verjüngtem Gesicht präsentiert die Evangelische Stadtmisson diese Pauluskirche. Mit einem Wort zur Eröffnung wird Landesbischof Dr. Fischer nachher diese Gemeinde dreisam 3 grüßen und gewissermaßen öffentlich in die Gemeinschaft der landeskirchlichen Gemeinden aufnehmen.

Zudem haben wir – wie eben schon angekündigt – auch einen dritten erfreulichen Anlass, der diesen Gottesdienst zu einem ganz besonderen macht. Denn ...

... in diesem Gottesdienst soll Pfarrer Ralf Berger, der durch seine Ordination in der Evangelischen Kirche im Rheinland auch nach der Ordnung unserer Kirche zum Dienst in das Predigtamt berufen wurde, in sein Amt als Pfarrer der Gemeinde der Evangelischen Stadtmission Freiburg – der Gemeinde dreisam 3 - eingeführt werden.

Durch diese Einführung bestätigt der Evangelische Oberkirchenrat gleichzeitig die Wahl von Pfarrer Ralf Berger durch die Gemeindeleitung.


Diese kompakten und eher formal klingenden Sätze sind in ihren Auswirkungen von einer immens innovativen Kraft. Sie begründen ein ganz neues Gemeindemodell. Und sie haben für sie, lieber Herr Berger, den Weg in die badische Landeskirche frei gemacht.

Mit ihrer heutigen Einführung ist für sie ein Weg zumindest vorläufig ans Ziel gekommen. Ein Weg, den sie über Jahre mit offenen Augen und neugierigem Herzen gegangen sind. Ein Weg auf der Suche, Menschen noch einmal unter veränderten Vorzeichen und womöglich in ganz anderer Weise mit der Botschaft in Verbindung zu bringen, dass Gott sein Interesse an ihnen und an dieser Welt nicht verloren hat. Leute wollen sie „in die Kirche bringen“ – so stand’s am Freitag in der Badischen Zeitung zu lesen – „Leute, die sonst nie kommen würden.“ Und weiter werden sie zitiert mit den Worten, dass sie „ neue Formen zu entwickeln suchen, um ganz neu anfangen zu können mit Menschen, die auf der Suche sind.“

Als Pfarrer der Gemeinde dreisam 3 nehmen sie in also besonderer Weise jene Zeitgenossinnen und Zeitgenossen in den Blick, die immer unterwegs sind, weil sie das Ankommen fürchten. Menschen, für die sich am ehesten mit dem kleinen Wort vielleicht charakterisieren lassen.

Vielleicht haben Sie’s ja schon bemerkt. Vieleicht ist der Titel eines Liedes, das die Söhne Mannheims, zu denen ja als bekanntester Xavier Naidoo gehört, aufgenommen haben.

Ich verstehe jeden Zweifel,

schätze jeden Glauben hoch,

auch ich misstraue Übereifer.

Es sei am besten jeder froh,

mit dem was er glaubt oder

mit dem was er weiß.

Doch der an den ich glaube,

ist auch der den ich preis.

Refrain:

Vielleicht hörn sie nicht hin,

vielleicht sehn sie nicht gut,

vielleicht fehlt ihnen der Sinn

oder es fehlt ihnen Mut.

Ich versuche zu verstehn,

was andere in Dir sehn.

Warum sie Kriege anfangen

und in deinen Augen Morde begehen.

Warum sie Menschen dazu zwingen,

an einem Virus zu sterben.

2000 Jahre nach Dir,

liegt hier alles in Scherben.

2x Refrain

Vielleicht hörn sie nicht hin,

vielleicht sehn sie nicht gut,

vielleicht fehlt ihnen der Sinn

oder es fehlt ihnen Mut.


Vielleicht hör’n sie nicht hin. Vielleicht seh’n sie nicht gut. Vielleicht fehlt ihnen der Sinn oder es fehlt ihnen der Mut. Der Text charakterisiert sehr gut, was jene Menschen ausmacht, die auch ihnen – aber gewiss nicht nur ihnen – in der Gemeindearbeit in neuer Verpackung – auch das war in der Zeitung nachzulesen - am Herzen liegen. Mir kam dabei ein schöner Vers aus dem 1. Petrusbrief in den Sinn, der auch sehr beschreibt, worauf es eigentlich ankommt. Da heißt es in 1. Petrus 3 im 15. Vers:

Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffung, die in euch ist.

Allzu nüchtern mag diese Aufforderung in unserer Ohren klingen. Weiter weg von der Sprache und dem Lebensgefühl vieler Menschen als die Töne von Xavier Naidoo. Aber klar und eindeutig in der Programmatik, die beschrieben, ja angemahnt wird. Nur auf zwei Punkte will ich kurz hiweisen.

Zunächst: Von Verantwortungsübernahme ist da die Rede. Das heißt doch: Christ sein – Christin sein heißt Verantwortungsübernahme. Verantwortungsübernahme für die Welt. Für die Menschen, die in ihr leben. Es geht also nie darum, nur um die eigene Seligkeit besorgt zu sein. Nur die eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen. Auch dreisam 3 ist kein Unternehmen gegründet aus reinem Selbstzweck. E ist ein Projekt, initiiert und inszeniert um der Menschen willen. Um dieser Menchen willen sind auch sie hierhergelockt worden, lieber Herr Berger.

Und deswegen, weil sie Rechenschaft ablegen sollen über die Hoffnung, die in ihnen ist. Das ist der zweite Punkt, auf den ich in Erinnerung rufen will. Von ihnen wird erwartet, dass sie den Menschen Hoffnung machen. Dass sie ihnen ihre Zukunft als eine lohnenswerte vor Augen malen.

Wer irgendwo neu anfängt, ist immer ein Hoffnungsträger. Das ist überall so. In der Politik. Im Sport. Eben auch in der Kirche. Die Hoffnungen aber, die wir als Christinnen und Christen ins Gespräch bringen, speisen sich aber noch einmal aus einern anderen Quelle als der des Anfangs, dem immer ein Zauber innewohnt. Es ist die Hoffnung, die aus dem vielleicht ein gewiss macht. Es ist die Hoffnung des tragenden Grundes. Die Hoffnung des dennoch gegen allen Augenschein.

Solche Hoffnungen werden heute vielfach angeboten. Zumal hier in Freiburg, wo der religiöse Markt bunter und vielfältiger ist als irgendwo sonst in unserer Republik. Unsere Hoffnung als Christinnen und Christen hat ihren besonderen Nährboden. Weil wir mit unserer Hoffnungen eingebunden sind in eine große Hoffnungsgeschichte. Die große Hoffnungsgeschichte Gottes mit uns Menschen, die sich weiterschreibt in vielen kleinen Hoffnungsgeschichten weltweit. Und hier vor Ort. Hier in Freiburg.

Wir sammeln gegenwärtig solche Geschichten im sogenannten Freiburger Hoffnungsbuch. Dass sie, lieber Herr Berger, hierher nach Freiburg gekommen sind. Dass sie hier in diesen Räumen in der gemeinde dreisam 3 einen alten Hoffnungsort in einen neuen verwandeln helfen, das ist selber eine solche Hoffnungsgeschichte.

Ich habe ihnen ein Exemplar des Freiburger Hoffnungsbuches mitgebracht. Es ist kein Geschenk im eigentlichen Sinne. Es ist eine Leihgabe. Verbunden mit der Bitte, zusammen mit ihrer neuen Gemeinde dreisam 3 eine weitere Hoffnungsgeschichte einzufügen.

Denn schließlich soll diese Gemeinde doch ein Ort der Hoffnungs- und der Lebensworte Gottes sein. Ein Ort, an dem jenes große Hoffnungswort Gottes weitergesagt und weitergefeiert wird - durch den, der Mensch wurde wie einer von uns, damit wir ihm als Schwester und Bruder begegnen können. Der, dessen Worte weiterzusagen ihre große Aufgabe hier in Freiburg sein wird.

Gut, dass sie dabei nicht allein sind. Eingebettet sind sie in einen großen Kreis von Menschen, die diese Gemeinde auf den Weg gebracht haben. Eingebettet in die große Familie der anderen evangelischen Gemeinden in dieser Stadt. Eingebettet aber auch in die große ökumenische Geschwisterschar vieler – auch in anderen Kirchen und Gemeinden.

Ein einsamer Rufer in der Wüste werden sie hier also gewiss nicht sein. Aber sie werden den Chor derer, die hier in Freiburg die großen Hoffnungslieder Gottes singen, verstärken. Mit ihrer ganz eigenen, unverwechselbaren Stimme aus der Gemeinde dreisam drei.

Und ich bin sicher. Viele werden hinhören und sehen. Werden Sinn fnden und neuen Mut gewinnen. Weil Gott selber der Grund unserer Hoffnung ist. Amen.
Traugott Schächtele

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