GOTTESDIENST IM RAHMEN DES PROJEKTES „ALTARBILD“
ANLÄSSLICH DER PRÄSENTATION DER KREIDEZEICHNUNG
„BLUTGEFÄß“VON ANGELIKA LINK
IM EVANGELISCHEN GOTTESDIENSTRAUM
DES ÖKUMENISCHEN KIRCHENZENTRUMSIN FR-RIESELFELD
AM SONNTAG


ERÖFFNUNG

Musikalisches Vorspiel

Begrüßung

454,1-7: Auf und macht die Herzen

L: Im Namen des Vaters ...

G: Amen.

L: Der Herr sei mit euch!

G: Und mit deinem Geist.

EG 704 Psalm 8

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in

allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel!

Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge

hast du eine Macht zugerichtet um deiner

Feinde willen.

Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk,

den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:

was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst,

und des Menschen Kind, daß du dich seiner

annimmst?

Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott,

mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.

Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner

Hände Werk,

alles hast du unter seine Füße getan:

Schafe und Rinder allzumal,

dazu auch die wilden Tiere,

die Vögel unter dem Himmel und die Fische

im Meer

und alles, was die Meere durchzieht.

Herr, unser Herrscher,

wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

G: Ehre sei dem Vater ...

Eingangsgebet

Ich möchte sie bitten, immer dann, wenn es heißt „Unsere Sehnsucht, mehr zu sehen als das, was vor Augen ist, bringen wir vor dich, indem wir singen“, zu antworten mit dem gesungenen Ruf „Öffne meine Augen“ (EG 176)

Du bist uns dazwischengekommen, Gott, damit wir nicht weitermachen müssen wie bisher:

Als wir auf der Suche nach Orientierung waren

in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt.

Als wir auf der Suche waren nach einem Wort,

das Sinn stiftet und Leben ermöglicht.

Als wir spürten, dass unser Blick nicht wirklich den Horizont zu übersteigen vermochte.

Unsere Sehnsucht, mehr zu sehen als das, was vor Augen ist, bringen wir vor dich, indem wir singen:

EG 176: Öffne meine Augen

Du bist uns dazwischengekommen, Gott, damit wir nicht weitermachen müssen wie bisher:

Als wir meinten, es könne alles beim Alten bleiben.

Als wir uns daran gewöhnt hatten, zu sehen und zu hören,

was Menschen einander antun.

Als wir mir dir, Gott, schon gar nicht mehr gerechnet haben.

Unsere Sehnsucht, mehr zu sehen als das, was vor Augen ist, bringen wir vor dich, indem wir singen:

EG 176: Öffne meine Augen

Du bist uns dazwischengekommen, Gott, damit wir nicht weitermachen müssen wie bisher:

Als wir nah daran waren, unseren Glauben wegzuwerfen.

Als wir nicht mehr damit gerechnet haben, es auch noch einmal anders und besser machen zu können.

Als du die Hoffnung, die schon fast ins Nichts gesunken war, plötzlich mit neuem Lebensmut genährt hast.

Unsere Sehnsucht, mehr zu sehen als das, was vor Augen ist, bringen wir vor dich, indem wir singen:

EG 176: Öffne meine Augen

Zusage der Guten Nachricht:

Gott will, dass wir genug zum Leben haben. Denn das lässt Gott uns durch Christus wissen: Ich bin gekommen, dass ihr das Leben selber habt – Leben in Fülle. Amen

MEDITATION, NACHDENKEN UND VERKÜNDIGUNG

Was macht den Menschen zum Menschen? Das ist eine der Fargen, auf die der heutige Gottesdienst mit seiner besonderen Schwerpubktsetzun eine Antwort zu geben versucht. Das nächste Lied stellt uns den Zusammenhang zwischen unserer Würde und unserer Verantwortung vor Augen. Wir sind von Gott begabt. Es ist Gott, der uns uns leben lässt und uns seinen Atem einhaucht.

HL EG 432,1-3: Gott gab uns Atem

Am Anfang stand eine Idee. Die Idee, in Kirchenräumen der Region Kunst von Künstlerinnen und Künstlern der Region zum Sprechen zu bringen - oder wie es in der Ausschreibung hies, „die Sprache der zeitgenössischen Kunst für eine begrenzte Zeit im Kirchenraum wirken lassen." „Altarbild“ nante sich dieses Projekt. Und der erläuternde Untertitel lautete: „Zeitgenösssiche Kunst und Kirche begegnen sich“.

Mehr als 150 Projekte wurden eingereicht. 20 Pfarreien des Kirchenbezirks haben sich an der Aktion beteiligt. In ihren Kircheh werden die von der Jury ausgewählten Objekte drei Wochen lang zu sehen sein. Auch unser Kirchenraum hier im Rieselfeld ist ein Ort dieser Begegnung von Kirche und Kunst. Und dieser Gottesdienst Anlass, im Angesicht Gottes diese Begegnung zu gestalten. Und sie zu feiern.

Wie ging es ihnen beim Hereinkommen? Wie haben sie auf die Veränderung reagiert? Waren Sie neugierig und voller Erwartung? Waren sie überrascht? Erfreut? Oder eher unschlüssig im Verstehen dessen, was sie hier sehen? Weil sie anderes erwartet? Oder weil sie noch gar nicht wissen, wo sie hin sollen mit ihren Gefühlen? Wie sie einen Zugang zu dem Bild finden.

Kunst fordert allemal heraus. Und zeitgenössische Kunst zumal. Zu allen Zeiten. Dies bedeutet: Sie sind mit ihren Gefühlen allemal richtig. Sie können nicht falsch sehen. Bestenfalls können sie noch einmal anders hinschauen. Vielleicht auch genauer. Um noch einmal einen anderen Zugang erhalten.

Auf dem kleinen Faltblatt steht ja schon einiges zu lesen. Zuallererst den Namen der Künstlerin: Angelika Link. Frau Link ist heute morgen hier und feiert diesen Gottesdienst mit uns. Ich möchte sie, liebe Frau Link, ganz herzlich in unserer Mitte begrüßen. Und ich möchte mich bei ihnen bedanken, dass sie uns mit ihrem Kunstwerk anregen, uns auseinanderzusetzen: Mit uns selbst. Mit diesem Kirchenraum. Aber auch mit unserer eigenen Kreatürlichkeit.

Es ist durchaus ein Wagnis, sich gerade in dieser Kirche an ein Kunstwerk zu wagen. Und dann noch nicht irgendwo im Abseits. Auf der Empore. In einer nicht so sehr beachteten Ecke. Sondern mitten im Zentrum. Im Altarraum. Da, wohin alle Blicke sich richten. Da, wo der Gottesdienstraum seine Mitte hat. Da, wo das Licht einfällt. Aber ein Altarbild war je gerade die ihnen gestellte Aufgabe.

Warum sie sich gerade diese neue Kirche ausgesucht haben, darüber können sie nach dem Gottesdienst im Einzelgespräch sicher selber noch einiges sagen. Aber eigentlich lag das ja auch nahe. In dieser Kirche gibt es bisher noch keine konzeptionell oder programmatisch ausgewählte und installierte Kunst.

Das hat auch Gründe. Und es liegt auch nicht nur daran, dass diese Kirche neu ist. Oder daran, dass die Betonwände eben noch zu gestalten seien. Nein, diese Kirche ist selber ein Kunstwerk. Eine Skulptur aus Beton. Frei aufgestellt im Zentrum des Rieselfelds. Die Annäherung an diese Bauskulptur ist noch lange nicht abgeschlossen – wenn sie es denn je sein wird. Kann man – können wir, die wir hier wohnen, schon Kunst verkraften - an und in der Kirche, die selber Kunst ist?

Frau Link hat einen behutsamen Weg der Altarraumgestaltung gewählt. Sie gestaltet die Konfrontation gleichsam mit sanften Mitteln. Keine grellen Farben. Auch kein Rot, wie es sich vielleicht nahegelegt hätte. Sie bringt auf dem Naturstoff Beton wieder einen Naturstoff zur Geltung. Kreide auf Beton. Dies ist keinesfalls ohne Spannung. Aber ich kann es gewissermaßen aushalten.

Ich möchte sie jetzt gerne einladen, beim Betrachten des Bildes eigenen Wege zu gehen:

- Stille / kurze meditative Zwischenmusik -

Was haben sie entdeckt? Was ist ihnen in den Sinn gekommenn? Was haben sie mit ihren eigenen, individuellen Augen gesehen? Ein abstraktes geometrisches Muster mit zerfließenden Linien? Ein sich nach außen und oben rankende Schlingpüflanze? Die Darstellung irgend eines Energiefeldes? Ein sichbar gemachter Blick in das innere der Altarwand?

Viele Assoziationen werden beim ersten Hinschauen ausgelöst. Der Blick in das Faltblatt macht sie erst einmal alle zunichte. Schließlich entwirrt der Titel das Rätsel in fast ernüchternder Weise: „Blutgefäß“ heißt er lapidar. Und um ein solches handelt es sich. Eine an die Wand projezierte Aufnahmer eines Blutgefäßes aus dem menschlichen Gehirn. Sie könnte von jedem und jeder von uns stammen. Ein Beleg, dass wir uns am Ende gleich zu gleich begegnen. Dass unterhalb der Oberfläche von Einfluss und Ansehen Hierarchien keinen Bestand mehr haben. Und wir auf dieser Ebene nicht einmal mehr von den Tieren erkennbar unterschieden sind. Ein Blick in den Elementenvorrat der Schöpfung! Ihrer Größe. Und ihrer Verletzlichkeit. Fatal, wenn der Blutfluss unterbrochen wird!

Ein Blutgefäß an der Altarwand. Ein unverzichtbarer Teil der Mikrostruktur des Lebens – genau da, wo wir das Leben und den Lebendigen feiern. Ein Blick in das Steuerungszentrum des Menschen – da, wo Kanzel und Altar verortet sind; also eben da, von wo aus der Gottesdienst in den Raum ausstrahlt. Ein Blutgefäß, da wo wir immer wieder den neuen Bund Gottes feiern mit den vertrauten Worten. Wo wir den Kelch als Element des Lebens teilen mit den Worten: “Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut.“

Ein Blutgefäß als deutender Hintergrund des Altars. Womöglich nicht einfach naheliegend. Aber eben legitim. Voller Ausagekraft. Und dabei voll von uns herausfordernder Energie.

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Deutungszugänge zum Bild von Angelika Link können sich auch aus der biblischen Tradition speisen.

Lesung 1

Daniel 5,1-8

König Belsazar machte ein herrliches Mahl für seine tausend Mächtigen und soff sich voll mit ihnen. Und als er betrunken war, ließ er die goldenen und silbernen Gefäße herbringen, die sein Vater Nebukadnezar aus dem Tempel zu Jerusalem weggenommen hatte, damit der König mit seinen Mächtigen, mit seinen Frauen und mit seinen Nebenfrauen daraus tränke.Da wurden die goldenen und silbernen Gefäße herbeigebracht, die aus dem Tempel, aus dem Hause Gottes zu Jerusalem, weggenommen worden waren; und der König, seine Mächtigen, seine Frauen und Nebenfrauen tranken daraus.Und als sie so tranken, lobten sie die goldenen, silbernen, ehernen, eisernen, hölzernen und steinernen Götter. Im gleichen Augenblick gingen hervor Finger wie von einer Menschenhand, die schrieben gegenüber dem Leuchter auf die getünchte Wand in dem königlichen Saal. Und der König erblickte die Hand, die da schrieb. Da entfärbte sich der König, und seine Gedanken erschreckten ihn, so dass er wie gelähmt war und ihm die Beine zitterten. Und der König rief laut, daß man die Weisen, Gelehrten und Wahrsager herbeiholen solle. Und er ließ den Weisen von Babel sagen: Welcher Mensch diese Schrift lesen kann und mir sagt, was sie bedeutet, der soll mit Purpur gekleidet werden und eine goldene Kette um den Hals tragen und der Dritte in meinem Königreich sein. Da wurden alle Weisen des Königs hereingeführt, aber sie konnten weder die Schrift lesen noch die Deutung dem König kundtun.

Belsazars Gastmahl hat selber schon eine Wirkungsgeschichte in der Kunst –der Dichtkunst Heinrich Heines. An die Erzählung von der Schrift, die mit einem Mal an der Wand auftaucht, habe ich denken müssen, als ich die Kunst von Angelika Link betrachtet habe. Geheimnisvolle Schriftzüge. Eine Botschaft, deren Sinn ich womöglich nicht gleich zu entziffern vermöge. Die aber doch zugleich voller Bedeutun für mein Leben ist.

Wir wissen, was der geheimniskundige Daniel an der Wand des Fetssaales von Belsazar entziffert. Das, was da zu lesen stand, die Worte „mene mene tekel“ – sie sind beinahe schon sprichwörtlich geworden. „Gewogen – und zu leicht befunden!“ Die Nacht endete für Belsazar tödlich.

Gewogen – und zu leicht befunden. Und wenn dieses Bild für uns gar keine andere Botschaft weiterzugeben hat! Gewogen – und zu leicht befunden. Was für ein Urteil womöglich über uns Menschen, die wir auf die Möglichkeiten unseres Gehirns so stolz sind. Das menschliche Gehirn! Gewogen. Und zu leicht befunden- Was für eine vernichtende Botschaft für die Spezies Mensch. Den homo sapiens. Zu leicht befunden, um miteinander im Frieden leben zu können. Zu leicht befunden, um allen ein Dach über dem Kopf und einen gefüllten Teller zu bescheren. Zu leicht befunden, um über die Einsicht hinauszukommen, der Mensch sei dem Menschen vor allem anderen: ein Wolf! Zu leicht befunden – weil unser Gehirn uns zu mehr eben nicht befähigt.

Nein, ich glaube es nicht. Wir sind mit mehr als ausreichenden Gaben ausgestattet. Uns ist mehr Menschlichkeit ins Herz gelegt, als es bedarf, diese Erde wieder zu einem Ort der Menschlichkeit zu machen. Uns ist derjenige ins Herz und in den Sinn gelegt, der Mensch war wie wir. Und in dem doch Gott selber in seinen guten Gedanken für uns und diese Erde transparent wurde. Aus dem die Weltzugewandtheit und die Menschenfreundlichkeit Gottes in die Welt hinein schien. Und sie heller und erträglicher machte – gegen allen Augenschein. Jesus, das Vorbild wahrer Menschlichkeit. Der, den wir als den Christus, den Gesalbten Gottes bekennen.

Nein – ich will dies Schrift an unserer Altarwand nicht als „mene tekel“ deuten. Sondern als Zeichen von Lebendigkeit. Als Zusage, dass wir es sehr wohl in der Hand haben, ja dass wir Verantwortung dafür tragen, dass das menschliche Gehirn zu tun in der Lage ist, was unser Herz uns eingibt. Und was wir nach Gottes Willen tun sollen.

662,1-4: Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut

Lesung 2

Genesis 1,26-28a

Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.Und Gott segnete sie.

Lesung 3

Exodus 20,2-5

Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!

Der Mensch ist geschaffen als Ebenbild Gottes. Andere Bilder sind nicht mehr nötig. Wir müssen Gott nicht in der Natur suchen. Und die Natur vergöttern. Der Mensch selber ist der lebendige Verweis auf Gottes Wirklichkeit. Aber er muss sich entsprechend verhalten. Damit Gott selber nicht unglaubwürdig wird. Durch unser eigenes Zutun. Angelika Link hat einen eigenen Zugang zu formulieren versucht. Sie können seine Spuren im Faltblatt wiederfinden, wo es heißt:

Wir sind eine Schöpfung Gottes.

Ist die Schöpfung mit dem Schöpfer identisch?

Sie hat etwas mit ihm zu tun.

Sie drückt ihn aus.

Ich kann mir kein Bild vom Schöpfer machen,

aber ich sehe seine Werke - Wunderwerke.


Die Schöpfung bringt den Schöpfer zum Leuchten. In der Tat. Sie drückt ihn aus. Aber nicht in der Identität von Schöpfer und Geschöpf. Sondern in bleibender Unterschiedenheit. Der Mensch hat sich am Menschlichen oft genug schon übernommen. Mehr als genug. Am Göttlichen – ihm auferlegt – würde er zerbrechen. Würde er seinen Bezugspunkt verlieren. Wie nah uns Gott auch immer ist. Gott bleibt zugleich immer der ganz andere. Bleibt das unverfügbare Gegenüber. Der alle unsere Horizonte übersteigende Zielpunkt.

Wir sind Gottes Gegenüber. Entsprechung Gottes. Als Männer und Frauen. Aber eben in bleibender Unterscheidung. Das entlastet. Und es würdigt zugleich. Weil Gott sich im Menschlichen ausdrückt. Und ausspricht. Weil er in dem Menschen, der wurde wie wir, sich selber zu erkennen gibt. Weil Gott in seiner Grenzenlosigkeit eingeht in unsere begrenzten Möglichkeiten. Weil selbst ein Blutgefäß zum Zeichen werden kann. Zum Zeichen dafür, dass die Unendlichkeit eingeht in die Endlichkeit unseres Seins.

Eben dies feiern wir in jedem Gottesdienst. Wir feiern das Fest des Lebens. Wir feiern den Lebendigen selber. Pulsierend. Voller Vitalität. Verletzlich. Solidarisch bis in die kleinste Faser unseres Seins. In seiner Fülle erkennbar auch in den kleinen Zeichen der Hoffnung. Den unscheinbaren Gesten der Zuwendung. Den Wegspuren, die uns auf Umwege locken. Erkennbar auch in dem, was wir an Bruchstücken unseres Lebens kaum selber sinnvoll zusamensetzen können.

Gott rückt das Leben von neuem in die Mitte. Stellt uns vor Augen, was uns leben lässt. Gibt uns Zeichen die uns aufrütteln. Und hält unsere Sehnsucht wach, dem Leben auf der Spur zu bleiben. Und das Leben zu feiern. Amen.

EG 665,1-3: Wir haben Gottes Spuren festgestellt

SENDUNG UND SEGEN

Auf die Aufforderung: „Darum rufen wir zu dir“ antworten mit dem gesungenen„Herr, erbarme dich!“ (EG 178.11)

Fürbittengebet

Gott, wir sollen uns kein Bild von dir machen. Aber wir haben Bilder deiner Erde vor Augen, die nach deiner Gegenwart schreien. Wir sehen jeden Tag auf’s neue, wie der Frieden immer wieder zerbricht und der Gewalt zum Opfer fällt: Zwischen Israelis und Palästinenser, im Irak; in Afghanistan; in Somalia.

Um Frieden bitten wir und um Gerechtigkeit – für alle Menschen auf dieser Erde. Darum rufen wir zu dir:

Alle: Herr, erbarme dich!

Gott, wir sollen uns kein Bild von dir machen. Aber wir haben Bilder vor Augen, die nach deiner Gegenwart schreien. Wir sehen die Bilder von Menschen, denen ihre Flucht über ds Mittelmeer nach Italien immer wieder zur tödlichen Falle wird. Wir sehen Menschen, abgeschoben und abgedrängt, damit sie uns nicht aus der Ruhe bringen können. Wir sehen die Bilder von Menschen in Afrika, denen AIDS längst keine Chance mehr lässt.

Um Menschlichkeit bitten wir und um Solidarität – für alle Menschen auf dieser Erde. Darum rufen wir zu dir:

Alle: Herr, erbarme dich!

Gott, wir sollen uns kein Bild von dir machen. Aber wir haben Bilder vor Augen, die nach deiner Gegenwart schreien. Wir sehen immer noch nicht wirklich ein, dass die Natur die Überlensgrundlage ist für die, die nach uns auf diesem Planeten wohnen. Wir sehen immer noch nicht wirklich den Skandal, dass Millionen in diesem Land keine Arbeit haben, obwohl wir sie mit ihren Gaben und Fertigkeiten dringend brauchen.

Um bewahrenden Einsatz für deine Schöpfung bitten wir und um politische Entscheidungen, die Hoffnung wecken und eine mutige Perspektive bieten – für alle Menschen auf dieser Erde.

Alle: Herr, erbarme dich!

Gott, wir sollen uns kein Bild von dir machen. Aber wir haben Bilder vor Augen, die uns deine Gegenwart in Erinnerung rufen. Wir sehen Menschen, denen kein Weg zu schwer ist, wenn er einem Mitmenschen die Last erleichtert. Wir sehen Errungenschaften von Wissenschaft und Technik, die uns unser Leben erleichtern und anderen Menschen das Überleben ermöglichen. Wir können nicht übersehen, dass die Kraft der Liebe die Wirklichkeit tatsächlich aus den Angeln heben kann.

Um Augen bitten wir, die deine Spuren wahrnehmen in dieser Welt und die anderen die Augen öffnen, wie wir im Vertrauen auf dich diese Welt zum Guten hin verändern können.

Alle: Herr, erbarme dich!

Vaterunser

SL EG 610,1-3: Herr, wir bitten

Abkündigungen

Wochenspruch

Dies Gebot haben wir von ihm, dass wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder und seine Schwester liebe. 1. Johannes 4,21

SEGEN

L: Der Herr segne dich ...

G: Amen. Amen. Amen.

Musikalisches Nachspiel


Traugott Schächtele

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