GRUSSWORT
ZUR ERÖFFNUNG DER GRUNDSCHULE UND
ZUR NAMENSGEBUNG DER CARL-MEZ-SCHULE IN FREIBURG
AM 24. NOVEMBER 2004


Jetzt, wo alles schon – oder zumindest fast alles schon gesagt ist, noch ein Grußwort – oder besser ein Nachwort, das den Blick über den Tag hinaus nach vorne richtet.

Beim Blick auf den Kalender werden Sie es heute Morgen gewiss schon festgestellt haben: Heute ist der 24. November. Die Beratungs-Zeitschrift „simplify your life“ hat ihren Leserinnen und Lesern vor länger Zeit schon den Weihnachtstipp gegeben, alles Geschenke schon bis zum 24. November, also schon einen Monat vor Heiligabend, zusammenzuhaben. Mir ist das offen gesagt nicht gelungen. Ich stehe da gewissermaßen noch ganz am Anfang. Sie haben sich mit diesem heutigen Fest selber beschert. Zu dieser schönen Bescherung im wahrsten Sinne des Wortes möchte ich auch ich Ihnen von Herzen gratulieren.
Aber das ist noch das ist nicht alles, was ich an dieser abschließenden Stelle sagen möchte. Auf einen einzelnen Buchstaben möchte ich noch (einmal) das Augenmerk richten, für dessen ausreichende Wahrnehmung ich gewissermaßen stellvertretend Verantwortung habe. Ich meine das „e“ – der Bezug darauf, dass die Jugendhilfe Freiburg-Zähringen ja noch durch das Wort evangelisch zusätzlich profiliert und charakterisiert ist.

Die Evangelische Jugendhilfe Freiburg-Zähringen hat eine eigene, wichtige, unüberhörbare und unverzichtnare Stimme in der evangelischen Stimmenvielfalt in Freiburg. Mit Ihrem Schulprojekt und seiner Erweiterung greifen Sie hier in Freiburg ein Anliegen auf, das ur-evangelisch ist.

Wir haben zwar schon lange eine Evangelische Fachhochschule und mindestens zwei evangelische Fachschulen. Aber Sie betreiben die einzige evangelische Grund- und Hauptschule hier in Freiburg. Wer die Geschichte der Reformation auch nur in Ansätzen kennt, weiß, dass die Errichtung von Schulen ein Kernanliegen der Reformation war. Lange vor PISA waren Luther und vor allem Melanchthon. Martin Luther hat eigens eine Schrift an die Ratsherren aller deutschen Städte geschrieben, in der er zur Errichtung von Schulen auffordert. Philipp Melanchthon trägt gar den Ehrennamen „Praeceptor Germaniae“, d.h. der Llehrer Deutschlands, weil unser Schulwesen ohne seine Initiativen gar nicht zu denken ist.

Lange vor PISA war auch Carl Mez. Ein Wunder, dass Ihnen keine Einrichtung bisher diesen Namen weggeschnappt hat. Nach wem, wenn nicht nach ihm, soll sich denn eine profilierte evangelische Einrichtung nennen, zumal eine, die auf seine Stiftung zurückgeht. Darum möchte ich Ihnen zur Namenswahl ausdrücklich noch einmal und gesondert gratulieren. Gut, dass Carl Mez, dem viele Menschen in dieser Stadt bis heute so viel verdanken, auch auf diesen Weise noch einmal ausdrücklich gewürdigt wird.

Ich habe mich im Internet über Ihre pädagogische Grundhaltung kundig gemacht. Da stand zu lesen:

Der junge Mensch soll seine Stärken ausfindig machen und einbringen können und so die Erfahrung von Selbstwirksamkeit machen. Daher richtet sich der wesentliche Blick in unserer pädagogischen Arbeit auf die positiven Ressourcen der jungen Menschen und deren Lebenswelt. Wir sehen die jungen Menschen vor dem Hintergrund ihrer jeweils eigenen Erfahrungen als Experten ihrer Entwicklung und ihrer Möglichkeiten.

Besser kann man die Grundhaltung einer Pädagogik in der Tradition des „e“ am Beginn des 21. Jahrhundert nicht übersetzen. Dass Sie Ihre pädagogische Arbeit hier nicht nur am Rande der Stand tun, sondern insbesondere die im Blick haben, die gewissermaßen auch „am Rande unserer Gesellschaft“ stehen, verleiht Ihrem pädagogischen Ansatz seine besondere Glaubwürdigkeit. Das, was eine Gesellschaft zusammenhält – die Frage, ob es überhaupt noch zentrale Werte und Ideen gibt, die sie zusammenhalten – sie erschließt sich immer am besten vom Rand her. Um so mehr können wir uns freuen, dass in diesem Projekt gewissermaßen die Ziele der Mütter und Väter der Reformation, die des Fabrikanten und Stifters Carl Mez und Ihr eigene pädagogische Fachkompetenz und ihr eigener Anspruch zusammenfallen und ihre je eigene Energie gewissermaßen verstärken.

Ich möchte schließen mit zwei kleinen Kostproben aus der der schon erwähnten Schrift Martin Luther an die Ratsherren, dass man Schulen gründen solle. Da heißt es zum einen im Blick auf die Eltern: Die große Mehrheit der Eltern ist unfähig und weiß nicht, wie man Kinder erziehen soll. Denn sie haben selbst nichts gelernt als den Bauch zu versorgen. Es gehören aber beosndere Leute dazu, Kinder gut und recht zu lehren und zu erziehen.“ Gut, dass es diese besondereren Leute hier bei Ihnen gibt.

An einer anderen Stelle schreibt Luther: „Als ich jung war, führte man in der Schule ein Sprichwort: „Es ist Schlimmer, Schüler zu vernachlässigen als Jungfrau zu schänden. Das sagte man aber um den Schulmeister zu erschrecken.“ Ich bin sicher: Sie übertreffen die Qualität dieser Schulmeister um vieles, weil sie wissen, dass sie mit dem Einsatz für die Ihnen anvertrauten jungen Menschen, Zukunft ermöglichen und das Wesentliche, das uns aufgetragen ist, tun..

Traugott Schächtele

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