EINLEITENDE ANSPRACHE
- TOP 1 BEGRÜSSUNG -
ANLÄSSLICH DER MITGLIEDERVERSAMMLUNG
DES EVANGELISCHEN DIAKONIEKRANKENHAUSES
AM 22. NOVEMBER 2004


Liebe Mitglieder unseres Vereins,
sehr geehrte Damen und Herren,

zur diesjährigen Mitgliederversammlung des Evangelischen Diakoniekrankenhauses darf ich Sie alle herzlich begrüßen. Die Einladung zu dieser Mitgliederversammlung trägt das Datum des 27. Oktober. Das heißt, Sie sind unter Einhaltung der satzungsgemäßen Frist und unter Vorlage der Tagesordnung rechtzeitig und satzungsgemäß eingeladen worden. Wenn Sie der Unterschrift unter der Einladung einen Professorentitel entnommen haben – nicht alle lesen die Einladung ja bis zur zweitletzten Zeile – wird Sie das hoffentlich nicht irritiert haben, und es nimmt auch keineswegs irgendwelche Ambitionen in prophetischer Wiese vorweg. Ich habe zwar meinen Doktor theol. an der Fakultät in Heidelberg ordnungsgemäß und nicht über den Internethandel erworben. Der Professorentitel ist mir bislang nicht – und schon gar nicht gehaltswirksam - verliehen worden. Aber womöglich ist mir ein entsprechender Vorstandsbeschluss bislang noch nicht mitgeteilt worden.

Ihnen allen, die Sie sich auf den Weg hierher gemacht haben und auf diese Weise Ihr Interesse und Ihre Verbundenheit mit unserem Diakoniekrankenhaus zum Ausdruck bringen, mein herzlicher Willkommensgruß und mein Dank dafür, dass Sie da sind.

Hier TOP 2
Aufnahmen neuer Mitglieder nach §7 Abs. 1b der Satzung
Informationen Mitgliederstand
Totengedenken
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Mitgliederversammlungen haftet oft ein eher von Rechts- und Satzungsfragen geprägter, formaler Geruch an. Schließlich ist eine Mitgliederversammlung auch eine satzungsgemäße Pflicht nach dem Vereinsrecht.

Aber ich bin sicher. Deswegen allein sind Sie nicht hergekommen. Denn eine Mitgliederversammlung ist noch vielmehr. Eine Mitgliederversammlung bzw. die Art und Weise wie wir mit ihr umgehen, ist immer ein Spiegelbild dafür, wie es um die Institution bestellt ist. Sie ist allemal ein Vitalitätsnachweis. Viel öfter noch eine Möglichkeit der Selbstvergewisserung und der Orientierung, zumal in schwierigen und herausfordernden Zeiten. Sie kann – und so abwegig wie das zunächst klingen mag – Züge eine Sympathie- und Zuneigungserklärung tragen. Und genau darauf sind wir alle im gemeinsamen Interesse angewiesen.

Genau daran ist auch mir heute Abend mit dieser Mitgliederversammlung ausdrücklich gelegen. Und darum möchte ich Sie herzlich bitten, alles, was Sie nachher an Geschäftsberichten vorgetragen bekommen, konstruktiv und in Solidarität zu hören. Si benötigen dafür nicht mehr als Ohren, die grundsätzlich davon ausgehen, dass alles, was Menschen in Verantwortung für das Diakoniekrankenhaus, das Haus Landwasser, das Pflegeheim Landwasser und die Fachschule für Altenpflege vortragen, von einem Engagement berichtet, das in mit großer Kompetenz, mit Zuneigung zu den anvertrauten Einrichtungen und in bestem Wissen und Gewissen zugunsten dieser Einrichtungen entwickelt wird. Dies klammert die Möglichkeit der Kritik keineswegs aus. Aber es prägt die Grundhaltung und die Kultur unseres Umgangs, insbesondere auch das Klima, in dem wir Differenzen in der Sache miteinander austragen.

Ich sage dies deshalb so ausdrücklich, weil ich – wie andere auch – meine Solidarität mit diesem Haus ehrenamtlich einbringe. Auf diese Weise ist mir immer wieder auch die Gabe der heilsamen Distanz möglich, die die Proportionen nicht selten anders und womöglich differenzierter und kontrastreicher wahrnimmt, als mitten in der Dynamik des tagtäglichen Betriebes.
Lassen Sie mich noch kurz den Blick direkt auf die Arbeit des Kuratoriums in den letzten zwölf Monaten richten. Das Kuratorium hat seit der letzten Mitgliederversammlung am 25. November 2003 insgesamt sechsmal getagt, konkret am 27. Januar, am 17. März, am 10. Mai, am 7. Juni, am 7. Juli und am 10.November 2004. Augenfällig verändert ist gegenüber dem letzten Jahr die Tatsache, dass Sie nicht mehr von Prof. Thiele zu dieser Mitgliederversammlung eingeladen wurden. Prof. Thiele hat gegenüber dem Kuratorium mit Schreiben vom 6. April 2004 erklärt, dass er seinen Sitz im Kuratorium, den er nach § 11, Absatz 1c innehatte, mit sofortiger Wirkung niederlege. Davon war selbstverständlich auch sein Vorsitz im Kuratorium betroffen. Zugleich weißt er in seinem Schreiben darauf hin, dass ihn ausschließlich berufliche Gründe dazu begeht haben. Damit sind allem Kaffeesatzlesen und aller Spekulation ein Riegel vorgeschoben. Dennoch haben wir den Verzicht von Herrn Prof. Thiele mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen. Für seine langjährige Mitarbeit im Kuratorium möchte ich mich bei ihm auch an dieser Stelle herzlich bedanken.

Nachdem ein Nachfolger im Vorsitz des Kuratoriums so schnell nicht gefunden werden konnte, habe ich diese Aufgabe als nach wie vor stellvertretender Vorsitzender bis auf Weiteres gewissermaßen kommissarisch übernommen – nicht deshalb, weil ich mich in anderen Aufgaben nicht genügend ausgelastet fühle; auch nicht deshalb, weil sich Theologen jeden Aufgabe zutrauen, sondern tatsächlich in Solidarität mit diesem Haus und um in schwierigen Zeiten eine reibungslose Arbeit des Kuratoriums zu ermöglichen. Für die Unterstützung, die ich bei dieser bei aller Belastung auch reizvollen und herausfordernden Aufgabe erfahren habe, möchte ich mich bei den übrigen Mitgliedern des Kuratoriums, aber auch beim Vorstand und insbesondere bei dessen Vorsitzenden, Pfarrer Urs Keller ausdrücklich und herzlich bedanken.

Nachdem ganz neu nun auch Prof. Walter seinen Sitz im Kuratorium wegen vieler neuer Aufgaben niedergelegt hat, wird ein wichtiges Ziel der Arbeit des Kuratorium in den nächsten Monaten darin bestehen, die entstandenen Lücken mit kompetenten Personen schließen. Ich bin sicher: In einem Jahr werden Sie dazu gewiss Erfreuliches zu hören bekommen.

Die Themen, mit denen wir uns in den sechs Sitzungen beschäftigt haben, sind im Wesentlichen keine anderen als die, die jetzt gleich in den verschiedenen Berichten aufleuchten werden. Die Palette reicht wie Sie wissen von der Beratung der Wirtschaftspläne und der Berichte zur Prüfung der Bilanzen über eingehende Beratungen zur Erreichung einer zukunftsfähigen Finanzstruktur und Organisationsstruktur bis hin zu den geplanten Baumaßnahmen und der Beratung der Jahresziele des Vorstands. Dabei haben wir die erreichten und die bevorstehenden Erfolge – wenn ich etwa an die Zertifizierung als stillfreundliches Krankenhaus, als Brustzentrum oder die bevorstehende Zertifizierung nach KTQ denke oder auch an die schon erreichten Einsparungen – mit großer Dankbarkeit und Zufriedenheit zur Kenntnis genommen.

Im Hintergrund stand bei unseren Beratungen immer der spürbare Wille aller Beteiligten, die drei Einrichtungen und insbesondere dieses Diakoniekrankenhaus und die ihm angeschlossenen Häuser zukunftsfähig zu halten und zukunftsfähig zu machen. Dies dient der Sicherung der Arbeitsplätze aller, die hier arbeiten, es dient der Wahrung und Schärfung des diakonischen Profils in dieser Stadt. Es dient vor allem anderen aber und zuallererst dem Wohl der Patientinnen und Patienten und der Bewohnerinnen und Bewohner. Wenn wir diese globale Zielvorgabe nicht aus den Augen verlieren, brauchen wir die fruchtbare Diskussion im Detail nicht zu scheuen. Und dies alles im Wissen, dass es Zeiten gibt wie die unsrigen, in denen die Furcht vor dem Risiko das größere Risiko darstellt.

Traugott Schächtele

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