ERÖFFNENDE WORTE
ZUM BEGINN DES „FACHLICHEN AUSKLANGS“ DES 50-JÄHRIGEN JUBILÄUM DES DIAKONIEVEREINS BEIM DW FREIBURG
MIT PROF. STEFFEN FLEßA IM GLASHAUS IM RIESELFELD
AM 3. DEZEMBER 2004


Liebe Freundinnen und Freunde unseres Diakonievereins,
sehr geehrte Damen und Herren,

Inzwischen gibt es gewiss auch niemanden mehr, dem das wich-tige Ereignis entgangen ist: Der Diakonieverein beim Diakoni-schen Werk Freiburg feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag – ob tatsächlich oder als historisches Konstrukt wird wohl für immer eine offene Frage bleiben. Mit dem heutigen Nachmittag kommt das Experiment Feiern als gestreckte Handlung auf alle Fälle aber endgültig zum Abschluss.

Wir haben dieses Jubiläum gewissermaßen in einem Dreischritt begangen. Hinter uns liegt der große Festakt in Form eines be-merkenswerten Gottesdienstes im Kaisersaal im Historischen Kaufhaus am 17. Juni. Am 20. Juli – wie der 17. Juni ein denk-würdiges Datum der deutschen Geschichte - haben wir den An-lass dann im Bürgerhaus im Seepark im Kreis der Mitarbeiterin-nen und Mitarbeiter gebührend gefeiert.

Heute nun also der dritte Teil, für den im Einladungsschreiben eigens eine neue Wortkreation geschaffen wurde, die ich vorher so noch nie gehört habe. Ich begrüße Sie darum alle ganz beson-dern zu diesem – so die Wortkreation - „fachlichen Ausklang“.

Ich erspare es uns und mir, alle Anwesenden namentlich zu be-grüßen. Schließlich sind sie alle einschlägig kompetent und ohne Frage wichtig. Mit der Formulierung „Freundinnen und Freunde des Diakonievereins habe ich sie gewissermaßen alle zusammen und ungefragt in diesen Adelsstand erhoben. Ich will lediglich den Versuch wagen, unsere Zusammensetzung an diesem Nach-mittag etwas differenzierter in den Blick zu nehmen.

Unter uns sind neben dem Geschäftsführer und den Referatslei-tungen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakonie – auf lokaler Freiburger und auf landeskirchlich-badischer Ebene und in haupt- und in ehrenamtlicher Einbindung in unsere Arbeit.

Unter uns sebenso ind Vertreterinnen und Vertreter anderer ge-sellschaftlicher, städtischer und staatlicher Institutionen wie befreuendeter Verbände – kirchlich und weltlich, wenn ich ein-fach ein mal so pauschal differenzieren darf.

Unter uns sind Vertreterinnen und Vertreter staatlicher und städ-tischer Einrichtungen und Gremien, insbesondere auch des Ge-meinderats, aber auch des Landtags.

Unter uns befindet sich – und darüber freue ich mich auch sehr – der Sozial- und Kulturbürgermeister der Stadt Freiburg, von dem ich weiß, dass er sich der Diakonie sehr ver-bunden fühlt - aller-meistens aber ge-bunden oder gar ange-bunden durch immer en-ger werdende finanzielle Spielräume. Vielleicht kann der heutige Nachmittag ja wieder einige einschlägige Fesseln lösen!

Wenn wir aber heute Nachmittag einen fachlichen Ausklang mit-einander erleben, begrüße ich ganz besonders den, der uns mit seinen Thesen zum Klingen bringen soll, nämlich den Referenten des heutigen Nachmittags, Herrn Prof. Steffen Fleßa.

Sehr geehrter Herr Fleßa, sie sind aus Heidelberg zu uns hierher nach Freiburg gekommen. Und es gibt – das weiß ich aus eige-nem, ganz persönlichen Erleben – überhaupt nur einen guten Grund, Heidelberg zu verlassen. Den Grund nämlich, sich auf den Weg nach Freiburg zu machen.

In Heidelberg vertreten sie an der Medizinischen Fakultät das Fach „Internationale Gesundheitsökonomik“. Internationale Spu-ren trägt auch der Weg, der sie am Ende nach Heidelberg ge-bracht hat – so waren sie – teilweise auch schon vor längerer Zeit - u.a. in Birmingham, insbesondere aber auch für mehrere Jahr als Dozent in Tansania. Dass ihre Wurzel – nach Bundesländern gewertet – in Bayern, in Wirklichkeit aber in Franken liegen, er-höht aus badischer Perspektive den ökumenischen Gehalt ihres Werdegangs. Schließlich sind sie in Heidelberg genauso wie in Freiburg in liberalen und – nach dem Bekenntnis gewertet – in unierten Gefilden gelandet.

Sie haben in letzter Zeit insbesondere durch Thesen zur „armuts-orientierten christlichen Wohlfahrtspflege“ auf sich aufmerksam gemacht. – veröffentlicht sowohl in Fachpublikationen wie auch in Tageszeitungen. Ich gehe davon aus, dass sie diese These auch in ihrem Referat noch einmal explizieren.

Uns allen muss daran gelegen sein, den Spagat zwischen zuneh-mender Armut, diakonischem Anspruch und einer glaubwürdigen Verortung der Diakonie wie anderer Verbände der Wohlfahrts-pflege inmitten der Gesellschaft zukunftsfähig zu gestalten.

Nach ihrem Referat benötigen wir eine kleine Umbaupause, da-mit im Anschluss daran die Podiumsdiskussion stattfinden kann. In dieser Zeit können sie verdauen, was sie zuvor gehört haben. Weitere Gelegenheit zum Verdauen ganz anderer Art und im ei-gentlichen Sinn gibt es im Anschluss an das Podium in Gestalt eines nahrhaften Imbisses. Zugleich sind sie eingeladen – sofern sie s nicht ohnedies schon getan haben – die Ausstellung zu 50Jahren diakonischer Arbeit anzuschauen.

Nun aber zum Vortrag von ihnen, lieber Herr Pof. Fleßa. Sie ha-ben sicher gelesen, dass dieses schöne Haus in diesem neuen Stadtteil den Namen Glashaus trägt. Sie dürfen also auf alle Fälle nicht mit Steinen werfen. Beinahe alle anderen Möglichkeiten stehen ihnen aber frei. Wir sind gespannt, was sie uns sagen und womit sie uns zum anschließenden Gespräch verlocken wollen.


Traugott Schächtele

Druckversion Seitenbeginn