Fragmente theologoscher Überlegungen zur Flutkatastrophe in Ostasien


1 Warum kam diese zweite Flut, wo der Bericht über die erste doch schließt mit der Zusage: Ich will hinfort die Erde nicht mehr zerstören! Die Frage nach dem gerechten Gott, die Frage „Wie kann Gott das zulassen?“ oder eben die. Woher kommt das Böse – auch das Böse in der Schöpfung – wenn Gott doch gut ist?“

2 Es ist ein Unterschied, ob wir diese Frage aus Betroffenheit stellen (aus der Sicht der Opfer) oder aus der Distanz des homo religiosus. Allein die Tatsache, dass diese Frage ge-stellt wird, zeigt aber zugleich, dass die Gottesfrage nicht erledigt ist

3 Zunächst: auch bei Glaubenden Menschen nur Entsetzen und Mitleiden – Und genau damit dürfen wir uns auch, mah-nend rufen, anklagend an Gott wenden.

4 Jedes Erklärenwollen verbietet sich; es gibt hier keinen Sinn zu gewinnen und auch keinen zuzusprechen

5 Die Katastrophe hat ihren Ursprung im kosmischen Prozess des Werdens und Vergehens seit dem Anfang aller Dinge; dieses Mal des Planeten Erde in seiner Entwicklung seit dem Beginn des Weltalls

6 Die Globalisierung führt dazu, dass wir nicht nur teil haben an der Schönheit der Natur weltweit, sondern auch an deren Gefahren

7 Nicht Gott ist am Ende; am Ende ist bestenfalls der Irrglau-be, der Mensch habe alles im Griff

8 Frage nach unserem Gottesbild: Wer ist Gott? Nicht der Pro-grammierer, der einen Fehler macht – Gott ist der, der mit-geht, nicht der, der uns ein Leben ohne Bedrohung ver-spricht

9 Die Frage: Wie kann Gott das zulassen, müsste also ver-wandelt werden in die Frage: Wo kann ich Gott finden mit-ten in der Katastrophe ?– Antwort: Gerade da, wo ein Mensch leidet, ein Mensch umkommt, ist Gott an seiner Sei-te - kommt Gott mit ihm um. Die Antwort kann immer nur eine des Glaubens sein – auch im „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Die Antwort kann nur ge-funden werden im durchgehaltenen Vertrauen in die Liebe Gottes zu seiner Schöpfung, auch do, wo wir nur die dunkle Seite Gottes wahrnehmen.

10 Als Menschen, die mit der Botschaft der Bibel umgehen, wis-sen wir, dass unser Leben allemal ein Leben in Fragmenten bleibt. Unser Glaube hat immer auch die Dimension des „Dennoch“: Dennoch bleibe ich stets an Dir! Denn Du hältst mich bei deiner rechten Hand.



Traugott Schächtele

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