SPARE IN DER ZEIT, DANN HAST DU IN DER NOT -
HARTZ IV UND DIE FOLGEN


Spare in der Zeit, dann hast du in der Not???- Zu unserem Informations- und Seminarabend unter dieser Fragestellung möchte ich Sie alle ganz herzlich begrüßen. Hartz IV und die Folgen – so lautet der Untertitel des Themas dieses Abends.

Hartz IV hätte das Unwort des Jahres 2004 werden können. Und hat am Ende dann doch dem Humankapital diesen Platz räumen müssen. Dies macht die Sache nicht besser. Der Name eines Menschen, eines leitenden Managers bei VW, ist zu einem Synonym geworden. Zum Synonym für einen sogenannten Paradigmenwechsel im Umgang mit Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern. Das neuen Zauberwort ist der ermittelte Bedarf. Verbunden mit den beiden anderen Zauberworten vom Fördern und vom Fordern.

Hartz IV wiegt uns gegenwärtig noch bleibend im Ungewissen. Als notwendiger Einstieg in eine umfassende Änderung unserer Sozialsysteme haben die einen dieses Gesetzespaket begrüßt. Den massiven Einstieg in den Ausstieg aus der Solidargesellschaft befürchten die anderen. Als Teil einer umfassenden Reform des Arbeitsmarktes wurde das entsprechende Gesetzespakte bezeichnet. Dabei wissen wir alle, dass die Ursache dieser Reform die desolate Haushaltssituation unseres Gemeinwesens auf allen Ebenen ist. Re-Form – die Zurückformung zum Guten – dieses Wort wird sinnentleert und neu gefüllt mit dem Inhalt Abbau bisheriger Sozialleistungen

Handwerkliche Fehler und eine Liste von Ungereimtheiten haben die Umsetzung von Hartz IV von Anfang an begleitet. Können Korrekturen an den Rändern hier wirklich Abhilfe schaffen? Und: Was geht’s uns in Kirche und Diakonie an?

ð Sind wir interessiert, weil wir gerne in das Geschäft der 1- und 2-Euro-Jobs einsteigen wollen?

ð Blendet uns die Formel vom Fördern und Fordern, weil sie sich wie die Umsetzung des Wechselspiels von Gesetz und Evangelium anhört?

ð Sind wir betroffen, weil die – biblisch gesprochen – Mühseligen und Beladenen - man könnte auch sagen die neuen Armen - eben zu unserer Klientel gehören?

ð Fühlen wir uns angesprochen, weil bei diesem Thema unbestritten die Thematik der Gerechtigkeit berührt ist?

ð Oder machen wir Gebrauch vom prophetischen Amt, das der Kirche übertragen ist, indem wir den Finger in eine offene und gewiss gefährliche Wunde legen?

Vermutlich liegt in jeder dieser Vermutungen ein gutes Stück Wahrheit. Doch zur Wahrheit muss auch Klarheit kommen. Dem soll dieser heutige Abend dienen. Und darum freue ich mich sehr, dass sie alle gekommen sind. Ihr Interesse setzt ein Zeichen, dass ihnen an der Gestaltung einer gerechten Welt gelegen ist.

Der Abend wird gestaltet in Form eines Dreischritts. Am Anfang steht die notwenige Information, ohne die es keine Klarheit geben kann. Dann werden die praktischen Konsequenzen in den Blick gerückt. Am Ende sollen dann Gespräch und Diskussion stehen.

Zur Wahrheit gehört auch, dass wir die Grundbedürfnisse des Lebens befriedigen können müssen. Darum soll auch Zeit bleiben für ein Kommunikatives Abendvesper. Es soll dem Kennenlernen und dem Austausch dienen. Es soll vor allem aber auch unsere Solidarität und unsere Zuversicht nähren und stärken. Denn war wir vor allem anderen brauchen, das ist der lange Atem. Ohne ihn geht nichts. Mit ihm fast alles. Und vielleicht entdecken wir Spuren auf dem Weg, dem Wort Reform seinen ursprünglich hoffnungsvollen Beiklang zurückzugeben. Dann hätte sich der Abend schon gelohnt.

Schon gleich am Anfang möchte ich nicht versäumen, allen zu danken, die zum Zustandekommen dieses Informations- und Seminarabends beigetragen haben. In der Vorbereitung. Und in der Zurverfügungstellung der Räume. Und jetzt gleich in der weiteren Mitwirkung. Ich bin sicher: Dieser Abend wird für uns alle ein Gewinn. Und damit übergebe ich an Herrn Hammer, der damit als Gewinnmanager den weiteren Verlauf moderieren wird.
Traugott Schächtele

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