ANSPRACHE ZUR VERABSCHIEDUNG VON MARTIN ARNDT
ALS JUGENDREFERENT IM KIRCHENBEZIRK FREIBURG
AM SONNTAG, DEN 10. APRIL 2005 IN OPFINGEN


Liebe Gemeinde, es ist unübersehbar: In diesem Gottesdienst wird Martin Arndt als Jugendreferent im Kirchenbezirk Freiburg verabschiedet. Hier in Opfingen. In der vertrauten Berg-Kirche, die in vielen Jahren längst zu seiner Heimatkirche geworden ist. Mit Pfarrer Rinklin, seinem vertrauten Gemeindepfarrer. Mit Herrn Koch, dem Landesjugendpfarrer als Festprediger. Und nun auch mit einer offiziellen Verabschiedung, die zurecht Teil dieses Gottesdienstes ist. Denn schließlich geht es um mehr als die Be-endigung eines Dienstverhältnisses. Es geht um eine ganz wichti-ge Grenzübertritt in einem Menschenleben. Dem Eintritt in den Ruhestand. Es geht um dankbaren und zugleich bewertenden Rückblick. Und es geht um einen hoffentlich zuversichtlichen Ausblick in die Zukunft. Und in eine neue Lebensphase.

Lieber Martin, es ist mir ganz wichtig, dass ich selber Dich nicht nur dienstlich kann, sondern Dich auch persönlich hier verab-schieden darf. Wir beide sind eigentlich nie ganz voneinander losgekommen. Deinen ersten Jugendleiterlehrgang haben wir gemeinsam gestaltet und geleitet. Du hauptamtlich. Ich ehrenamt-lich. Als ich nach Abitur und Zivildienst für zwei Jahrzehnte aus der Region um Freiburg wegging, warst Du also schon da. Als ich vor sieben Jahren wieder kam, warst Du noch da. Und bist damit sicher einer der dienstältesten Mitarbeiter des Kirchenbe-zirks überhaupt.

In einem Schreiben meines Vorvorgängers, Dekan Ronecker, an den Evangelischen Oberkirchenrat vom Sommer 1976 steht zu lesen: „Während eines Schulbesuchs ist unserer Schuldekanin Herr Arndt aufgefallen. Sie sind miteinander ins Gespräch ge-kommen. Und Herr Arndt hat signalisiert, dass er, der selber aus der evangelischen Jugendarbeit kommt und Pfarrersohn ist, gro-ßes Interesse hätte, für etliche Zeit in unserer Jugendarbeit tätig zu sein. ... Wir haben den Eindruck gewonnen, dass er für diese Tätigkeit durchaus geeignet ist.“ Soweit ein kleiner Aus-schnitt aus diesem Brief.

„Für etliche Zeit“ hast du, lieber Martin, also in der Jugendarbeit tätig sein wollen. Aus diesem Zeitmaß sind mehr als 28 Jahre geworden. Denn am 1. Januar 1977 hast Du Deine Tätigkeit als Jugendreferent aufgenommen. Seit dem 1. April 2005 bist Du nun endgültig im Ruhestand. 28 Jahre, lieber Martin, das ist eine noch längere Zeit als das Pontificat von Johannes Paul II. Allein schon, was die Dauer Deiner Zeit hier im Kirchenbezirk angeht, bist Du also gewissermaßen ein Jahrhundert-Jugendreferent ge-wesen.

Es war längst nicht immer ein leichter Weg. Es waren drei Jahr-zehnte voller Veränderung. In der sich wandelnden Welt der Ju-gendlichen. In sich verändernden pädagogischen Konzepten. Im ständigen Wechsel der Kolleginnen und Kollegen. Auch dem Wechsel der Dekane. Zwischen Herausforderungen und immer wieder auch Überforderungen.

Ohne Blessuren kommt man durch diese Wege des Wandels nicht durch. Aber auch niemals ohne einen großen Vorrat uns Visionen und Hoffnungen. Da ist es gut, ein inneres Konzept und einen inneren Kompass zu haben. Für die Arbeit. Und für die ei-gene Stabilität.

Über die Schwerpunkte Deiner Arbeit hat man in letzter Zeit ei-niges nachlesen können. In profile, unserem Bezirksmagazin. In der homepage des Kirchenbezirks. Uns gestern auf der Kreisseite der Badischen Zeitung. Und immer wieder tauchen da dieselben Stichwörter auf. „Freizeiten. Abenteuer. Leben in der Natur. Le-ben mit Jugendlichen teilen.“ Und überall findet sich auch der Hinweis, wie jung Du dabei geblieben ist. Jugendarbeit ist also nicht nur anstrengend. Sie tut auch gut. Und wie man bei dir sieht, sichtbar gut.

Wir haben dieser Tage darüber gesprochen, was ein Motto für deine Zeit gewesen sein könnte. Und Du hast einen Kanon ver-wiesen:

Schweige und höre.

Neige deines Herzens Ohr.

Suche den Frieden.


Diese drei Zeilen verweisen auf das von mir schon angesproche-ne innere Gerüst Deiner Arbeit. Auf das, was hinter dem äußeren Thema Abenteuer steckt. Denn wer das Abenteuer sucht; wer sich, wie Du, einfach einlässt auf das, was kommt, der braucht einen inneren Halt. Du bist nie ein Mensch großer Konzeptions-papiere und langfristiger Planungen gewesen. Bist auch nicht je-der schnelllebigen Modeerscheinung nachgelaufen. Du bist eher ein Mensch des langen Atems. Du hast dich einfach auf den Weg gemacht. Hast geschaut, was auf dich zukommt. Und hast dir ein wenig von der unsteten Existenz der Jünger Jesu bewahrt. Wer so lebt – oder so zu leben versucht – der muss mit heftigen Stürme rechnen. Und muss manchmal sogar über’s Wasser laufen kön-nen.

Dazu braucht es eine innere Konzentration. Um offen zu bleiben, für die Aktivitäten des Glaubens.

Schweige und höre.

Neige deines Herzens Ohr.

Suche den Frieden.


Vier verschiedene Aktivitäten werden aufgeführt. Wobei die ers-te beiden das Gegenteil dessen sind, was wir unter einer Aktivität verstehen. Schweigen. Und Hören. Das ist das Gegenteil von Re-den. Von Planen und Machen. Schweigen und Hören. Du bist immer wieder gerne nach Taizé gefahren. Zum Schweigen und zum Hören. Und um Kraft zu gewinnen. Und neue Ideen. Um Dein Ohren zu öffnen. Für die Gestaltung Deiner Arbeit mit jun-gen Menschen. Um zusammen mit ihnen den Frieden zu suchen.

Viele Mitsuchende sind heute da, um mit Dir diesen Gottesdienst zu feiern. Die meisten sind längst nicht mehr jugendlich. Aber wie Du hoffentlich innerlich jung geblieben. Und Menschen, die den Frieden suchen.

Im Ruhestand bleibt dir dafür nun noch einmal auf ganz andere Weise Zeit. Deine Sprachkenntnis willst Du vertiefen, habe ich in der Zeitung gelesen. Die Sprache ist eine Brücke zu unseren Mitmenschen. Gerade zu denen, die anders leben wie wir. Solche Brücken helfen, den Frieden zu fördern. Ähnlich wie die interna-tionalen Begegnung, die Du organisiert und mitorganisiert hast, als man noch nicht so leicht und so günstig überall hinfahren konnte.

Deine Lust an ungewissen und offenen Situationen, wie Du das selber genannt hast, bleibt dir hoffentlich auch im Ruhestand er-halten. Du kannst Dich jetzt noch einmal in ganz neuer Weise aufmachen. Über andere Brücken gehen. Neue Kontakte knüp-fen.

Gestern war der 60. Todestag Dietrich Bonhoeffers. Er hat in ei-nem seiner Briefe folgendes geschrieben: „Die letzte verantwort-liche Frage ist nicht, wie ich mich heroisch aus der Affäre ziehe, sondern wie eine kommende Generation weiterleben soll.“ Du hast mit Deiner Arbeit auf Deine Weise versucht, der kommen-den Geberation Lebensmöglichkeiten zu eröffnen. Dafür möchte ich Dir danken. Und Dir von Herzen eigene neue Lebensmög-lichkeiten in einer neuen Lebensphase wünschen. Als bleibender Freund der jungen Menschen. Als Friedenssucher. Und als ein Mensch, der immer wieder neu Gottes Spuren in seinem Leben entdecken kann. Amen.

Gebet

Gott, wir sind dankbar für die 28 Jahre, die Martin Arndt als Ju-gendreferent im Kirchenbezirk Freiburg gearbeitet hat. Unzählige Gespräche. Unzählige Begegnungen. Unzählige Worte, mit de-nen er jungen Menschen Mut machen wollte, dem Leben zu ver-trauen. Worte auch, die sie öffnen und offen halten sollten für Deine Spuren in ihrem Leben. Heute
Traugott Schächtele

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