GRUSSWORT ANLÄSSLICH ZUM 25-JÄHRIGEN JUBILÄUM
DES ÖKUMENISCHEN GEMEINDEZENTRUMS IN STEGEN
AM SONNTAG, DEN 8. MAI 2005


Lieber Pater Hoch,
lieber Herr Wegner,
liebe Mitglieder des Ältestenkreises und des Pfarrgemeinderates,
sehr verehrte Damen und Herren,

wer Geburtstag hat, lädt sich Gäste ein und feiert. Dies tun sie heute als Evang. Versöhnungsgemeinde und als katholische Herz-Jesu-Gemeinde gemeinsam. Umso schöner, dass wir alle mitfeiern dürfen. So reihe auch ich mich in die Schar der Gratulantinnen und Gratulanten ein, freue mich mit ihnen in geschwisterlicher Verbundenheit über alle Kirchengrenzen hinweg und gratuliere ihnen persönlich auch seitens des evangelischen Kirchenbezirks von Herzen.

Nicht dass sie hier feiern, ist das besondere an diesem Tag. Sondern was sie hier feiern. 25 Jahre ökumenisches Gemeindezentrum. Dies ist nicht nur eine Frage der Ökonomie gewesen damals. Es war - damals noch mehr als dies vielleicht heute der Fall wäre – ein unüberbietbares ökumenisches Signal. Dass in dieser Region im letzten Jahr im Rieselfeld ein ökumenisches Kirchenzentrum eingeweiht wurde, wird sie auf ihrem Weg nur bestätigen.

Derartige Projekte sind nichts anderes als die Wendung einer der tragenden ökumenischen Grundeinsichten ins Bauliche: „Was wir gemeinsam tun können, das lasst uns auch gemeinsam tun.“ An dieser Einsicht hat sich bis heute nicht viel geändert. Aber sie entfaltet heute doch zusehend mehr Breitenwirkung. Gott sei Dank! Sie wird von vielen Pfarreien aufgegriffen. Auch dort, wo es nicht um das Bauen, sondern um die konkrete Ausgestaltung der ökumenischen Zusammenarbeit geht.

Die Ökumene bleibt die große Herausforderung für die Kirche auch in diesem noch jungen dritten Jahrtausend. Wobei wir wissen, dass unsere Ökumene vor Ort sich immer eingebettet wissen muss in die große Ökumene des Erdkreises. Es reicht nicht, wenn wir die Aufforderung Jesu, dass sie alle eins seien, nur auf die Kirchen vor Ort beziehen. Dann blieben wir provinziell. Aber vor Ort liegt jeweils die Keimzelle der Ökumene und ihr Wurzelgrund. Vor Ort fängt die Ökumene eben an.

Die Grundsteinurkunde trägt als programmatische biblische Überschrift den Vers aus dem 3. Kapitel des 1. Korintherbriefes:

EINEN ANDEREN GRUND KANN NIEMAND LEGEN
ALS DEN, DER GELEGT IST.
DAS IST JESUS CHRISTUS.


Genau dies ist hier verwirklicht. Gewissermaßen baulich ins Bild gesetzt. Auf einem gemeinsamen Fundament erhebt sich ein differenziertes Bauprogramm. Mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten und –vereinbarungen. Wenn wir schon noch immer darauf warten müssen, dass wir gemeinsam an den Tisch des Herrn einladen und feiern, dann sollten wir uns zumindest gemeinsam auf einem Fundament und unter einem Dach versammeln.

Dass wir uns aufs Ganze gesehen überall noch so viele getrennte Gebäude leisten mag seinen Gründe haben: In unterschiedlich gewachsenen Entwicklungen. In den wohl immer noch vorhandenen, wenn auch zurückgehenden materiellen Möglichkeiten. Es mag auch manchen Vorteil bieten. Ein Zeichen der Einheit der Christen in der Welt ist es nicht. Eher ein bleibendes Skandalon. Umso schöner, dass hier in Stegen vor 25 Jahren ein Zeichen gesetzt wurde. Und dass unter dem gemeinsamen Dach und auf dem gemeinsamen Fundament auch die Verbundenheit im Glauben Wurzeln geschlagen hat.

Die Wahrheit braucht keine Dome. Das hat der frühere Präses Beyer anlässlich der Einweihung des damals wiederhergestellten Berliner Domes gesagt. Aber die Wahrheit braucht Räume, wo sie zu ihrem Recht kommen und sich entfalten kann. Etwa in einem Gemeindezentrum wie dem ihren hier in Stegen. Und zugleich in guter Nachbarschaft mit den Einrichtungen der Öffentlichkeit und der Kommune. Unterschieden. Aber in Rufweite. Darauf lässt sich bauen. Noch mehr aber auf den, den wir als Herrn der Kirche bekennen.

Und das ist allemal Grund zum Feiern.


Traugott Schächtele

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