VERABSCHIEDUNG
VON KAREN HINRICHS UND DIETRICH BECKER-HINRICHS AM SONNTAG, DEN 17. JULI 2005
IN DER MARTIN-LUTHER-KIRCHE MARCH-HUGSTETTEN


Liebe Gemeinde!

In diesem Gottesdienst sollen Karen Hinrichs und Dietrich Becker-Hinrichs als Pfarrerin und Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde March-Hochdorf verabschiedet werden. Dieser gottesdienstliche Abschied bindet noch einmal zusammen, was vor fünf Jahren – im September des Jahres 2000 - als gemeinsames Projekt begonnen, sich aber seit knapp einem Jahr auf unterschiedlichen beruflichen Linien weiterentwickelt hatte.

Frau Hinrichs ist seit dem letzten September bereits in Karlsruhe im Evangelischen Oberkirchenrat tätig. Herr Becker-Hinrichs versah seit diesem Zeitpunkt die Pfarrstelle mit vollem Deputat. Durch den Wechsel von Herrn Becker-Hinrichs auf eine neue Pfarrstelle in Bretten ist nun der Zeitpunkt des gemeinsamen Abschieds gekommen. Des nachgeholten im einen und des jetzt anstehenden im anderen Fall. Dabei können wir diesen Abschied gestalten in der Gewissheit, dass wir mit dem neuen Pfarrer, der am vergangenen Montag gewählt wurde, uns auf einen mutmachenden Weg in eine hoffnungsvolle Zukunft machen können.

Ich bin sehr froh, dass wir diesen gewissermaßen offiziellen Abschied vom Kirchenbezirk und von mir als Dekan ausdrücklich in diesen Gottesdienst mit einbinden können. Er ist aber nur ein Teil eines Abschiedsweges, der längst schon begonnen hat und heute und auch wieder am kommenden Sonntag noch viele andere einbeziehen wird.


Liebe Karen, lieber Dietrich,

Gott hat Euch immer wieder den rechten Ort zugespielt! Und Euch mit der rechten Aufgabe betraut. Das war ganz deutlich zu spüren, als ich euch im Gottesdienst am 8. Oktober 2000 in eure neue Aufgabe als Pfarrerin und Pfarrer der Evangelischen Gemeinde March-Hochdorf einführen konnte. Ihr habt damals selber gespürt: Dies war zu dem Zeitpunkt die richtige Aufgabe am rechten Ort.

„Nicht gibt es, was ich heute morgen lieber unternähme als euch einzuführen.“ Mit diesen Worten begann ich damals meine Ansprache zu eurer Einführung.“ Und darin schwang neben der Überzeugung, dass ihr die Richtigen für diese Stelle gewesen seid, auch die Freude mit, dass wir, die wir uns schon viel früher kennen und schätzen gelernt hatten, nun auch in einem gemeinsamen Bezirk arbeiten würden.

Die Feststellung, „dass ich heute Morgen nichts lieber täe“ will ich ausdrücklich heute Morgen ausdrücklich nicht aufrechterhalten. Und ich bin gewiss nicht allein mit der Behauptung, dass wir euch alle noch gut und gern einige Jahre bei uns hier gegönnt hätten. Dies gilt nicht nur für euch beide, sondern genauso für euch, Dorothea und Martin, deren Los es nun ebenfalls ist, Vertrautes hinter euch zu lassen und euch in Eurem Gefolge in Richtung Bretten zu bewegen.

Euch beiden möchte ich ausdrücklich sagen, was ihr längst aus eigener Anschauung wisst: Wenn ihr schon nicht mehr in der March leben dürft, dann habt ihr mit Bretten eine wirkliche Alternative und ihr habt gewiss keinen schlechten Tausch vor euch. Denn in Bretten lässt sich’s sehr gut leben. Und man muss auch nicht Melanchthon heißen, um dort heimisch zu werden. Euch beiden wünsche ich einen guten Umzug. Neue Freundinnen und Freunde. Und viele erhalten geblieben Kontakte hierher.

Und wenn wir alle davon ausgehen können, dass ihr beruflich und als Familie auch jetzt wieder den rechten Ort zugespielt bekommen habt, tragen wir euren Abschied mit Fassung und wünschen Euch, dass Gott euch dieses Glück des rechten Orten und der rechten Aufgabe erhalten möge.

Doch ehe ihr euch auf den Weg in eure Zukunft machen könnt, will ich den Blick noch einmal auf diese fünf Pfarr- und Gemeindejahre hier in der March und in Hochdorf werfen. Es waren fünf bewegte und dichte Jahre. Jahre zugleich, deren Spuren auch noch nach Jahren auf eure Zeit hier verweisen werden. Einige wesentliche Stationen sind im letzten Gemeindebrief im Beitrag von Herrn Reimann nachzulesen. Zwischen Gottesdienst und Gemeindearbeit, zwischen der wertschätzenden Begleitung der Ehrenamtlichen und der konstruktiv und auf Zukunft hin begleiteten Strukturdiskussion gibt es da vieles dankbar festzuhalten.

Neben all den sichtbaren Themen möchte ich aber insbesondere auf zwei Punkte ausdrücklich verweisen, die ich bei eurer Einführung schon einmal angesprochen hatte. Der eine Punkt ist die Ökumene – und wir befanden uns damals wenige Woche nach der Veröffentlichung der Erklärung „Dominus Iesus“, die mit unserer evangelischen Kirche nicht gerade pfleglich umging, in einer sehr belasteten Phase des ökumenischen Miteinander von evangelischen und katholischer Kirche. Damals habe ich euch die Aufgabe der Ökumene mit folgenden Worten ans Herz gelegt – und jetzt zitiere ich aus der Einführungsansprache:

Ihr seid Garanten dafür, dass die Ökumene hier vor Ort keinen Schaden nimmt. Und sich auch nicht mehr eindämmen lässt. Wer hier Dämme errichtet, wird schon bald Zeuge dafür sein, dass sie der Wucht der gemeinsamen ökumenischen Visionen nicht standhalten werden. Ein gute Stück an diesem gemeinsamen Bau der Kirche Gottes wird auch hier gebaut. Dies soll und es wird – da bin ich sicher - auch für euch ein zentrales Anliegen bleiben. Wir sollten uns mit unseren konfessionellen Eigenheiten nicht so wichtig nehmen. Gefordert ist eher der Mut und etwas ökumenische Frechheit!

Ich glaube, wir alle sind Zeuginnen und Zeugen, dass ihr gerade auf diesem Feld der Ökumene glaubwürdig Brücken gebaut habt. Die ökumenische Erwachsenenbildung oder die drei Gemeindereisen sind nur zwei Belege für euren Einsatz auf diesem Feld. Es gibt keine Alternative zu noch viel mehr ökumenischem Miteinander. Diesem Bekenntnis habt ihr in eurer Arbeit Ausdruck verliehen. Und gerade dafür sind euch viele sehr dankbar.

Der andere Punkt bezieht sich auf das Thema, das eure Arbeit als Pfarrerin und Pfarrer schon über Jahrzehnte begleitet. Und was auch in diesem Gottesdienst wieder spürbar wurde: Euer Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung.

Manchmal ist das ist das klare aufdeckende Wort nötig. Und ich weiß, dass ihr dazu den Mut habt. Auch deshalb brauchen wir euch beide – hier in March und Hochdorf. Im Kirchenbezirk und in der Landeskirche.

Auch das hatte ich vor fünf Jahren anlässlich eurer Einführung gesagt. Und auch hier seid ihr euch wohltuend treu geblieben. „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt!“ Das sind die Kernsätze des Evangeliums für diesen Sonntag. Beides habt ihr als Pfarrerin und Pfarrer hier in Erinnerung gehalten und in Erinnerung gerufen. Beides habt ihr angemahnt. Habt es selber gelebt und in eurer Arbeit umgesetzt. Und gerade hier sage ich ausdrücklich und dankbar: Es ist gut, dass ihr hier gewesen seid. Und dass hier manche Saat in den Gemeinde- und Bezirksboden gelegt habt, die auch dann noch aufgeht, wenn ihr schon längst nicht mehr da seid.

Licht der Erde! Salz der Welt! Wo wir als Christinnen und Christen diesem Anspruch genügen, entstehen Hoffnungsgeschichten. Eines der großen Hoffnungsprogramme der Ökumene ist die derzeitige vom Ökumenischen Rat der Kirchen ausgerufene Dekade zur Überwindung von Gewalt. In unserem bezirklichen Arbeitskreis, der diese Dekade hier vor Ort begleitet, hast Du, lieber Dietrich, dich besonders engagiert. Es war vor allem Deine Idee, ein bezirkliches Hoffnungsbuch entstehen zu lassen. Ein Buch, in dem Hoffnungsgeschichten gesammelt werden.

Vier Exemplare dieses Buches werden derzeit von Gemeinde zu Gemeinde weitergereicht. Auch bei ihnen hier in March und Hochdorf ist dieses Buch schon gewesen. Und sie haben es mit eigenen Beiträgen angereichert. Ein ganz besonderes schönes, frisch gedrucktes Exemplar dieses Hoffnungsbuches sollt ihr als Weggabe und Erinnerungszeichen des Kirchenbezirks hier und heute überreicht bekommen. Günter Hammer hat den Neudruck in die Hände genommen und umgesetzt. Dafür ihm auch von hier aus ein herzliches Dankeschön!

- Übergabe

Möge euch beide dieses Buch immer wieder neu an Freiburg mit guten Gedanken und Erinnerungen an eure Zeit hier im Kirchenbezirk erinnern. Und ich sage dies um so mehr, als wir ja alle wissen, dass sich über eure letzen Wochen hier auch ein Schatten eines sehr schweren persönlichen Abschieds gelegt hat. Noch einmal habt ihr hoffentlich spüren können, wie einem eine Gemeinde auch trösten und tragen und das eigene Hoffnungsvermögen stärken kann.

Ihr beide, Dorothea und Martin, könnt als erste Leserin und erster Leser hineinschauen, bis eure Eltern dafür Zeit finden.

Ein Wort aus diesem Hoffnungsbuch, eine kleine Strophe aus einem Gedicht, das aus der Feder von Gerhard Hopfer stammt, der dieser Gemeinde ja auch schon über Jahrzehnte verbunden ist, möchte ich euch mit auf euren Weg in die Zukunft geben.


„Die Unvernünftigen suchen den Frieden,
der höher ist als alle Vernunft –
damit die Liebe Chancen habe
und die Erde Zukunft
und das Leben Hoffnung hat.“


Gott erhalte euch eure diesbezügliche Unvernunft noch möglichst lange. Und er begleite euch auf diesem Weg der Hoffnung für euch mit seinem Segen. Amen.


Gebet
Liebe Gemeinde, wir wollen für ihre scheidendendes Pfarrehepaar und seine beiden Kinder, aber auch für ihre Gemeinde beten:

Guter Gott, du begleitest uns auf unseren Wegen mit deinem Segen. Darum bitten wir dich heute besonders für Karen Hinrichs und Dietrich Becker-Hinrichs. In diesen Tagen nehmen sie Abschied von ihrer Gemeinde hier in der March und in Hochdorf, wo du sie fünf Jahre hindurch hast segensreich arbeiten und wirken lassen. Dafür sind wir von Herzen dankbar.

Nun stellst Du ihre Füße an anderen Orten und in neuen Aufgabenbereichen auf weiten Raum und lässt sie neue Wege gehen. Begleite du die beiden und ihre beiden Kinder auch in Zukunft mit deinem Geist der Zuwendung und der Freundlichkeit. Lass sie Freude und Erfüllung auch in ihren neuen Aufgaben in Karlsruhe und in Bretten finden. Für Dorothea und Martin bitten wir dich, dass du auch sie auf dem Weg zu ihrer neuen Heimat begleitest und ihnen von neuem Heimat schenkst unter Menschen, die es gut mit ihnen meinen.

Zugleich bitten wir dich für diese Gemeinde hier in der March und in Hochdorf. Lass aus deiner schöpferischen Kraft heraus weiter Neues wachsen und entstehen, auch auf dem Weg der bevorstehenden Zuordnung zu den neue Kirchenbezirken. Stärke unser Vertrauen, dass wir im Glauben an dich hier am Ort und weltweit miteinander verbunden bleiben, um deinen Segen zu erfahren und weiterzugeben. Amen.

Traugott Schächtele

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