Ansprache zur Einführung von Martin Auffahrt in Merzhausen


Lieber Martin Auffahrt,

dieser heutige Sonntag markiert Abschied und Neuanfang zugleich. Mit diesem Tag gehen die Schulsommerferien zu Ende. Eine Tatsache, die längst nicht nur Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler betrifft. Schließlich orientiert sich auch der Rhythmus der Gemeindearbeit vielfach an dieser Zäsur.

Wir schauen auf Wochen zurück, in denen viele in Urlaub gefahren sind oder in denen zumindest manche Anforderungen in etwas geringerer Dichte an uns herangetragen wurden. Wochen, an deren Anfang die turbulenten Tage der Fußballweltmeisterschaft standen und an deren Ende der Besuch des Papstes die Schlagzeilen der Medien bestimmt hat. Und der plötzlich aufflammende Konflikt mit islamischen geprägten Einrichtungen und Staaten hat uns endgültig in die Wirklichkeit zurückgeholt. Ebenso wie der bevorstehende Beginn des Einsatzes der Bundeswehr vor der Küste des Libanon. All dies zeigt uns mit großer Eindringlichkeit, dass wir wahrhaftig noch lange nicht im Reich Gottes leben. Es führt uns vor Augen, wie brüchig der Boden ist, auf dem wir ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit auf dieser einen Erde zu gestalten versuchen.

Zugleich geht mit deiner heutigen Einführung auch die Vakanz der Pfarrstelle hier in Merzhausen zu Ende. Der heutige Sonntag ist der 14. nach dem Trinitatisfest. Er legt also noch mitten in der Abfolge der Trinitatissonntage. Und das ist kein schlechtes Datum.

Ich bezeichne die Trinitatiszeit gerne als die Schwarzbrotzeit des Kirchenjahres. Und erinnere mich zugleich daran, wie langatmig mir die nicht enden wollende die Abfolge dieser Sonntage den Gottesdiensten meiner Kindheit vorkam. Unspektakulär sind diese Trinitatissonntage meist. Aber unverzichtbar.

21 Sonntage nach dem Trinitatisfest zählt der Festkalender in diesem Kirchenjahr. 21mal Gottesdienst am Sonntagmorgen. Einfach nur weil Sonntag ist. 21mal das Angebot, sich rufen und sich nähren zu lassen. Von der Guten Nachricht, dass Gott es gut mit uns Menschen meint. Und dass Gott will, dass wir es gut meinen miteinander und mit dieser Welt, auf der wir leben.

Diese Botschaft ist auf Übersetzung angewiesen. Sicher gelegentlich auch in die Sprache großer Aktionen. Vielmehr aber noch in kleine, verständliche und wohltuende Worte und Gesten. In die Form gut vorbereiteter und schön gestalteter Gottesdienste. In die Form von Besuchen und Gesprächen am Rande. In die Form des Unterrichts in Schule und Konfirmandenarbeit. In die Form zugesprochener und gesungener Worte.

Und wie durch ein Wunder wird die Schwarzbrotzeit, von der ich eben gesprochen habe, womöglich zur nahrhaftesten und gesundheitlich zuträglichsten Phase des Kirchenjahres. Dabei ist es hilfreich, wenn wir unser Angebot so unter die Menschen bringen, dass sie sich eingeladen und ausdrücklich erwünscht fühlen. Und wir nicht lieber einfach nur unter uns bleiben.

Gerade in dieser Hinsicht haben die Menschen hier in der Gemeinde, in der SüdWest-Union und in Freiburg überhaupt große Erwartungen an dich. Kreative Gottesdienste im Wechsel mit dem Vertrauten. Offenheit für die, die sich an die Ränder abgeschoben fühlen. Du bringst dazu deine Gaben und eine Menge an entsprechender Erfahrung mit. Wir alle sind gespannt, welche neuen Horizonte du den Menschen hier eröffnest, um ihnen Gott als Lebenshorizont vor Augen zu stellen. Und sie die Spuren der Gegenwart Gottes in ihrer Mitte entdecken zu lassen.

Wir haben als Lesung vorhin deinen Taufspruch gehört. Dieser Taufspruch war dazu gedacht, dass er dich ein ganzes Leben lang begleitet. Und auch deine heutige Einführung ist im Grunde eine Erinnerung an die Zusage der Nähe und der Gegenwart Gottes, die dir bereits am Anfang deines Lebens zugesprochen wurde. So möchte ich dich heute ganz bewusst an diese deine Taufzusage erinnern. Als erneuten Zuspruch und als Motto für deine Jahre als Pfarrer hier in Merzhausen:


WIE LIEBLICH SIND AUF DEN BERGEN
DIE FÜSSE DER FREUDENBOTEN,
DIE DA FRIEDEN ANSAGEN,
GUTES PREDIGEN
UND HEIL VERKÜNDIGEN,
DIE DA SAGEN:
DEIN GOTT IST KÖNIG!“


Ein Freudenbote zu sein für die Menschen hier in dieser Gemeinde, das ist deine Aufgabe als Pfarrer, für die wir heute Gottes um seinen Segen für dich bitten.

Ein Freudenbote des Lebens zu sein. Das ist keine Allerweltsaufgabe. Da steckt eine große Herausforderung drin. Leben. Erfülltes, sinnvolles Leben, danach sind die Menschen auf der Suche. Und sie werden dir zuhören, wenn sie von der Möglichkeit eines solchen Lebens sprechen. Da bin ich ganz sicher. „Ich bin gekommen, damit ihr das Leben habt. Leben in Fülle!“ Das sagt Jesus zu denen, die mit ihm unterwegs waren. Ich bin gekommen, damit ihr das Leben habt. Leben im Überfluss. Leben, das zu nähren vermag. Und das nicht nur den Hunger auf Dauer stellt. Und auf das nächste Großereignis warten lässt.

Leben in Fülle. Leben im Überfluss. Worte, die Frieden asagen, Gutes predigen und Heil verkündigen. Aus dem Überfluss dieser Worte, der seine Quelle in Gott hat, sollst du austeilen. Das ist dir aufgetragen. Heute auf’s Neue.

Gott schenke dir seinen Segen, damit du seine Worte recht weitersagen und zu einem Freudenboten des Lebens werden kannst. Amen.


Traugott Schächtele

Druckversion Seitenbeginn