Ansprache zur Begrüßung und Vorstellung von Martin und Juliane Grüsser


Hinführung
Liebe Gemeinde, die Einführung eines neuen Pfarrers oder einer neuen Pfarrerin ist für eine Gemeinde allemal ein Grund zum Feiern, zumal dann, wenn es gleich zwei Menschen - ein Mann und eine Frau - sind, die gemeinsam ihren Dienst antreten. Herr und Frau Grüsser tun dies hier in der Lukasgemeinde beide gemeinsam. Es wird ihre erste Pfarrstelle sein.

Der Weg eine Pfarrstelle hat verschiedene Stationen. Solche, die auf die Gemeinde bezogen sind. Und die insbesondere die Elemente der Vorstellung und der Begrüßung enthalten. Und solche, die auf die offizielle Übernahme der Pfarrstelle bezogen sind. In dieser letzten Hinsicht, also im Blick auf die rechtlichen Voraussetzungen zur Übernahme der Pfarrstelle, wird es noch wenige Monate dauern, bis beide am selben Punkt dieses Weges angelangt sind. Dies hindert nicht, dass beide schon jetzt gemeinsam und in allen Aufgabenbereichen auf ihrer künftigen Pfarrstelle arbeiten.

Die gottesdienstliche Einführung beider als Pfarrerin und als Pfarrer für den – wie es dann heißen wird – „Predigtbezirk Lukas“ werden wir dann gemeinsam in absehbarer Zeit feiern. Freuen sie sich also, dass es mit dem Feiern weitergeht. Heute feiern wir, dass sie da sind. Dass sie ihren Dienst angetreten haben. Wir wollen sie hier in der Lukas-Gemeinde begrüßen und Gott um seinen Segen für ihren Dienst bitten.

Ansprache
Ein Schritt in unbekanntes Land war es ja nicht gerade, als sie sich im August vom Bodensee in Richtung Freiburg aufgemacht haben. Eher schon eine Rückkehr. Schließlich haben sie beide hier in Freiburg ihr Lehrvikariat absolviert. Sie, lieber Herr Grüsser, in der Auferstehungsgemeinde in Littenweiler, und sie, liebe Frau Grüsser, hier ganz in der Nähe in der maria magdalena gemeinde im Rieselfeld.
Rein nach der Distanz gemessen, scheint es so, als hätten sie es mit der Rückkehr nach Freiburg ja nicht sehr weit gebracht. Doch weit gefehlt. Sie haben schließlich nicht nur eine ganz große Schleife gemacht und den Weg über den Kirchenbezirk Überlingen-Stockach genommen. Und sind dabei dann gleich auch noch ihrer Vorgängerin auf dieser Pfarrstelle begegnet.

Sie haben sich auch ganz bewusst und sozusagen sehenden Auges und wissenden Herzens in eine Gemeinde auf den Weg gemacht, die vor großen Veränderungen steht. Dies sage ich ausdrücklich in großer Anerkennung mit dem gebührenden Respekt. Und bin ihnen auch persönlich sehr dankbar. Und zugleich sicher: Sie haben eine weise Entscheidung für ihren Weg als Pfarrerin und als Pfarrer getroffen.

Auch meinem Computer sind sie beide im übrigen längst keine Unbekannten mehr. Denn als ich gestern unter eine email „Herzliche Grüße“ schreiben wollte, hat das Rechtschreibprogramm schon selbsttätig aus den „Grüßen“ ein „Grüsser“ gemacht und mich so auf die neue Zeitrechnung in der Lukasgemeinde hingewiesen.

Wenn die offizielle Vorstellung und Begrüßung auf den Erntdanksonntag fällt, ist das an sich schon Programm. Als Pfarrerin und Pfarrer dieser Gemeinde ist es ihre Aufgabe, Erntehelferin und Erntehelfer zu sein. Es ist ihnen aufgetragen, den Menschen die Augen zu öffnen für die Früchte, die Gott in jedes Menschenleben hineinlegt. Den Menschen zu helfen, ihr Leben als gute Gabe Gottes zu verstehen – auch dann, wenn dessen Früchte nicht immer nur köstlich und verlockend schmecken.

Im 145. Psalm, einem Psalm, der ebenso wie der 104. Psalm, den wir vorhin miteinander gebetet haben, zum Erntedankfest passt, heißt es in seinem wohl bekanntesten Vers:

ALLER AUGEN WARTEN AUF DICH,
UND DU GIBST IHNEN IHRE SPEISE ZUR RECHTEN
ZEIT.
DU TUST DEINE HAND AUF
UND SÄTTIGST ALLES, WAS LEBT, NACH DEINEM
WOHLGEFALLEN.



Den Blick auf die Menue-Karte des Lebens richten, so lässt sich der ihnen aufgetragene Dienst in aller Kürze umschreiben. das ist ihre Aufgabe. Dass sie mit den Menschen neu zu lernen, die oft verkrampften Hände wieder zu öffnen, um die Gaben Gottes dankbar wahrzunehmen und in Empfang zu nehmen – darauf warten die Menschen heute nicht weniger als die Menschen früherer Generationen.

Wenn die Menschen heute dennoch viel öfter glauben, anderswo satt zu werden und auf andere Weise ihre Sehnsucht nach einem gelingenden Leben erfüllt zu bekommen, dann sollte uns weniger Grund zur Klage als Ansporn sein. Es sollte uns verlocken, mit immer neuer Phantasie den Glauben an Gottes Menschenfreundlichkeit öffentlich zu machen. Und die Botschaft, dass wir Wert und Würde darin haben, dass wir Gott recht sind, immer neu unter die Menschen zu bringen.

Gott tut seine Hand auf, damit wir Herz und Sinn und Mund und Hände ebenfalls dankbar und offen für die Überraschungen die Gott für unser Leben bereit hält, aufmachen können. Gut, dass sie jetzt da sind, und den Menschen Mut machen, Gottes gute Lebensfrüchte zu entdecken und seine Lebensernten, die er für uns bereit hält, einzufahren.

Ein Wort des Dankes soll aber nicht fehlen für die, die in den letzten Monaten gepflanzt und begossen, gesät und geerntet haben: Frau Binder, die ein Jahr lang als Pfarrerin hier gearbeitet hat. Der Ältestenkreis unter dem Vorsitz von Frau Ußmann, der mit vorbildlichem und großem Einsatz die Gemeindeabeit koordiniert und geleitet hat. Frau Guenon, die in diesen Monaten in vielerlei Weise vor zusätzlichen Aufgaben gestanden ist.

Danken möchte ich den Kollegen aus der Nachbarschaft, die sie hier unterstützt haben, insbesondere Herr Pfarrer Dr. Kunath aus der Melanchthongemeinde, der die Verwaltung übernommen hat.

Ohne diesen Einsatz wäre vieles schwieriger geworden. Sie, liebes Ehepaar Grüsser, dürfen sich auf gute Jahre hier in Lukas und in der Unionsgemeinde freuen. Die Menschen hier brauchen sie: in der Gemeinde mit ihren vielfältigen Aufgaben, in Schule und Konfirmandenunterricht, im Augustinum und in der bewährten St. Georgener Ökumene. Und wir dürfen schon jetzt gespannt sein, für welche Früchte ihrer Arbeit wir in einem Jahr dankbar Erntedank feiern können. Gott, da bin ich sicher, wird es an seinem Segen für ihre Arbeit nicht fehlen lassen. Amen.

Traugott Schächtele

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