Mittagsgebet der EFH am 11. April 2007


Hören

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick.
Im Tale grünet Hoffnungsglück.
Der alte Winter in seiner Schwäche
Zog sich in raue Berge zurück.


Der Anfang des Osterspaziergangs aus Goethes Faust war das. Frühlingserwachen allenthalben. Der Winter fiel in diesem Jahr aus. Selbst die Narzissen sind längst schon wieder verblüht. Österlich geschmückte Zweige haben auch die Fachhochschule schon längst vor dem Osterfest geziert. Au revoir winterliche Tristesse. Frühlingserwachen eben.

Und Osterzeit dazu. Ostern, ja bitte! Aber Auferstehung? Kein Thema. Auferstehung von den Toten? Einfach unmöglich!

Wenn aber gepredigt wird, dass Christus von den Toten auferstanden ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten? Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich und euer Glaube schlicht unsinnig.

Unübertroffen, Paulus! Keine Möglichkeit, sich hier durchzulavieren. Für ihn steht die Auferstehung nicht zur Disposition.

Schließlich geht’s für ihn an Ostern um’s Ganze. Mit Ostern steht und fällt für ihn der Glaube der Kirche. Mehr noch:. Seine eigene Existenz. Seine eigene Sendung



Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich und euer Glaube schlicht unsinnig.


Sitzen wir also einem unsinnigen Glauben auf? Feiern wir ein verkapptes Frühlingsfest, wenn wir vorgeben, Ostern zu feiern? Zwei wesentliche Osterlinien der Bibel sind für uns von bleibender Bedeutung: Es sind die Berichte vom leeren Grab. Und es ist das ganze Bündel von Erscheinungsberichten. „Er ist gesehen worden“, heißt es dazu in der Bibel immer lapidar. Dies sind gewissermaßen die Verankerungen des österlichen Fundaments unseres Glaubens.

Darum bedeutet Ostern nicht einfach ein paar zusätzliche Jahre. Den Tod verschieben, heißt nicht ihn besiegen. Ginge es Ostern nur um eine Verlängerung unseres Lebens hier auf dieser Erde, wären die Mediziner die wahren Oster-Evangelisten. Ihre Botschaft hieße: Wir haben euer Leben ganz gut im Griff.

Ostern bedeutet nicht einfach nur: Wir machen weiter. Wir halten durch, ganz gleich, wie aussichtslos sich unsere Sache darstellt. Ginge es an Ostern nur darum, einen einmal eingeschlagenen Weg auch durchzuhalten, ohne gleich wieder aufzugeben, dann wären die Psychologinnen und Berater welcher Culeur auch immer, die wahren Oster-Evangelisten. Ihre Botschaft hieße: Wir bauen euch auf!

Oster bedeutet nicht einfach nur. Das Leben ist ein großer Kreislauf von Werden und Vergehen. Ginge es an Ostern nur um den Glauben an den Kreislauf endloser Widergeburten im Fluss des Lebens, dann wären die Verfechter des Karma und der Reinkarnation die wahren Oster-Evangelisten. Ihre Botschaft hieße: Alles Leben kommt wieder!

Alle drei angesprochenen Erfahrungsbereiche haben tatsächlich schon irgendwie etwas mit Ostern zu tun. Sie sind Brechungen, Spiegelungen der Osterbotschaft. Aber Ostern, Auferstehung meint viel mehr. Die Botschaft des Ostermorgens reicht viel tiefer.

Ostern ist das Urereignis vorweggenommener Zukunft. Der auferstandene Christus der Präzedenzfall des Lebens überhaupt. Der Herr ist auferstanden – dieser österliche Jubelruf beschreibt eine völlig neue Weltsicht. Kein Menschenleben geht verloren. Kein Einsatz für andere ist vergeblich. Keine Träne und kein Lachen sind umsonst. Alles bleibt aufgehoben. Wird von neuem fruchtbar gemacht - bei Gott.

Jesus, der Christus, der Auferstandene, lebt nicht einfach nur in der Erinnerung fort. Er bleibt gestaltend beteiligt an der Veränderung der Wirklichkeit dieser Welt. Denn Ostern heißt nicht nur: Es gibt ein Leben nach dem Tod. Ostern heißt auch: Unser Leben hier wandelt sich. Wir bleiben vom Leben gezeichnet.

Deshalb ist Ostern ein kraftvolles Fest. Ein Fest mit Power. An Ostern geschieht etwas. An Ostern geschieht sogar das Entscheidende. An Ostern macht sich die Erfahrung fest, dass wir auf Dauer mit dem Leben davonkommen. Dass der Tod, der größte Feind des Lebens bis in diese Tage, am Ende nicht der Sieger bleibt.

Alle: Laudate omnes gentes

Lebensbild: Johannes Clajus

Ich möchte heute an dieser Stelle an einen Menschen erinnern, der auf den Tag genau vor 415 Jahren verstorben ist. Kaum jemand wird ihn kennen. Ich bin auch erst bei der Vorbereitung auf dieses Mittagsgebet auf ihn gestoßen. Aber er ist es wert, dass wir kurz innehalten und uns an ihn erinnern.

Es geht um Johannes Clajus, eigentlich Johannes Clay, geboren am 24. Juni 1535, gestorben am 11. April 1592, 100 Jahre nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus. Johannes Clajus war Pädagoge, Theologe und Grammatiker. Er hat in Leipzig und Wittenberg studiert, war zunächst Rektor der Schule in Nordhausen, ab 1573 dann Pfarrer im thüringischen Bendeleben. Hier beschäftigte er sich mit der Grammatik der deutschen Sprache. Dies führte 1578 zu seinem Werk „Grammatica Germanicae Linguae“, eine eigenständige wissenschaftliche Leistung, die der „schriftsprachlichen deutschen Grammatik” überhaupt den Weg bereitet hat. Als Vorlage dafür diente ihm Martin Luthers Übersetzung der Bibel, in der überarbeiteten Auflage von 1545. Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein bauten die Grammatiken der deutschen Sprache auf seiner Grammatik auf. Johannes Clajus – heute auf den Tag vor 415 Jahren verstorben.


Traugott Schächtele

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