Digitale Aktenführung - geistlich bedacht

01.02.2021

Mit diesem heutigen 1. Februar ändert sich etwas in der Kultur des Innehaltens unserer Kirche. Des Innehaltens auf dem Weg als Gemeinschaft, die sich erinnert. Die sich erinnert – in Unterlagen aller Art. Protokollen. Briefen. Drucksachen. Die sich erinnert in der Bewahrung der Dokumente, die wir leichthin als Akten bezeichnen. Mit dem heutigen Tag beginnt in der EKIBA eine neue Weise der Erinnerungskultur. Heute beginnt in der EKIBA - vielfach noch unbemerkt - das Zeitalter der digitalen Aktenführung.

Womöglich überrascht Sie dieser scheinbar ungeistliche gedankliche Umweg. Doch unbemerkt heißt eben nicht unbedeutend! Nachfolgende Generationen werden das, was wir beraten, auch das, was wir heute beraten. eben diesen Akten entnehmen. Vorgänge aller Art. Tagesordnungen. Beschlüssen. Bescheide. Projekte. Prozesse.

Nur was dokumentiert wird, hat Bestand, heißt es. Da stimmt, wenn auch nicht ganz. Auch Andachten und geistliche Impulse, auch dieser geistliche Abschluss – sie sind Ausdruck der Erinnerungskultur. Sie schlagen sich allerdings nicht in Akten nieder. Sondern – hoffentlich - in gestärkter Hoffnung. In aufbauenden Worten des Trostes. In geistlicher Stärkung.

Der Monatsspruch für den Februar 2021 – und jetzt bin ich in der geistlichen Spur zurück - ist ein Ausweis biblischer Erinnerungskultur, ja eigentlich der Erinnerungskultur Gottes. Da heißt es ganz lapidar:

Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind! (Lk 10,20)

Ausdruck und Beleg einer himmlischen Erinnerungskultur ist das. Ich bleibe aufbewahrt in Gott. Nicht begrenzt durch meine Vulnerabilität. Aufbewahrt in der Bruchstückhaftigkeit meines Lebens.  Aufbewahrt in der erinnernden Kraft Gottes. Aufbewahrt nicht nach Aktenzeichen. Nicht in Form von Leistungsbeschreibungen. Nicht zugeordnet nach Einstufungen und Gehaltsgruppen. Aufbewahrt schon gar nicht digital.

Aufbewahrt bleibe ich aufgrund dessen, was meine einzigartige Würde, was meinen Wert und mein Wesen ausmacht. Aufbewahrt bleibe ich nach dem Maß der Liebe. Der Liebe, mit der ich anderen Menschen begegne. Und andere mir. Aufbewahrt in der grenzenlosen Liebe Gottes. Aufbewahrt in Gott. Weil Gott sich in Christus unserer erinnert. Unauslöschbar. Durch alle Zeiten hindurch. Und in allen Umbrüchen.

 

Traugott Schächtele
Twitter: @tschaechtele
Zeitgenosse, Pfarrer, Prälat, Ehemann, Vater von 5 erwachsenen Kindern, liest und schreibt gern.