SWR 2 Wort zum Tag am 13. Dezember 2023

13.12.2023

Das Foto haben wir immer noch. Meine Frau mit einem Lichterkranz auf dem Kopf. Brennende Wachskerzen im Haar. So wie die Heilige Lucia. Ich hatte die ganze Zeit Sorge, dass meine Frau Feuer fängt. Zum Glück ist das nicht passiert.

Heute ist der Gedenktag der Lucia von Syrakus. Ihr Name ist Programm: Lucia, „die Leuchtende“. An das herbeigesehnte Licht erinnert der heutige Gedenktag der Lucia.

Gelebt hat Lucia im dritten Jahrhundert in Syrakus auf der Insel Sizilien. Heimlich hat sie dort verfolgte Christen unterstützt, die sich in den Katakomben der Stadt versteckt hielten. Ihr Kerzenkranz ist eigentlich so etwas wie eine Stirnlampe. So hatte sie beide Hände frei, um damit Gutes zu tun. Später wird sie selber gefangengenommen und getötet. Die Erinnerung an Lucia wird ganz besonders in Schweden aufrecht gehalten. Also da, wo die Nächte in dieser Jahreszeit besonders lang und dunkel sind.

Weniger bekannt ist ein anderer Lucia-Brauch: der Lucia-Weizen. Auf einem Teller wird Weizen in nasser Watte ausgesät. Und an Weihnachten erinnert ein kleines Weizenfeld daran, dass im Winter selbst im gefrorenen Boden eine große Grünkraft schlummert, die im kommenden Frühjahr alles wieder aufblühen lässt. Der Lucia-Tag ist also auch so etwas wie die kleine Schwester des Barbaratages. Auch der will mit blühenden Kirschzweigen zu Weihnachten an den Frühling erinnern und an das neue Leben, das wir an Weihnachten feiern.

Fast alle Bräuche im Advent verbindet dieselbe Sehnsucht: Sie bringen den Wunsch nach Licht zum Ausdruck. Und die Erwartung, dass nach dem winterlichen Stillstand der Natur die neue Lebendigkeit nicht auf sich warten lässt. Deshalb wurde auch ein Satz des Jesaja weihnachtlich gedeutet: „Aus dem toten Baumstumpf wird ein Zweig hervorbrechen. Und eine Wurzel wird Früchte tragen.“ (Jesaja 11,1)

Mir helfen solche Bilder. Mit ihrer Hilfe kann es mir gelingen, vom Sorgen-Modus in den Hoffnungs-Modus zu wechseln. Die Wochen des Advents bieten mir Gelegenheit, das einzuüben. Bei allem, was mir derzeit zu schaffen macht, will ich die Frage nicht verlieren: Wie wünsche ich mir, dass sich alles weiterentwickelt? Und wo kann ich in meiner kleinen Welt etwas dazu beitragen? Um anzupacken, brauche ich nicht einmal das Risiko einzugehen, brennende Kerzen auf dem Kopf zu balancieren. Aber meine Hände und Füße und auch meinen Kopf, die brauche ich schon. Um wie Lucia ein paar Hoffnungslichter anzuzünden.

Traugott Schächtele
Twitter: @tschaechtele
Zeitgenosse, Pfarrer, Prälat, Ehemann, Vater von 5 erwachsenen Kindern, liest und schreibt gern.