SWR 2 Wort zum Tag am 27. Januar 2024

27.01.2024

In meinem Bücherregal stehen eine ganze Reihe Bücher zum Thema Glück. Das Thema war lange Zeit der Renner. Die Regale mit Glücks-Büchern in den Buchhandlungen dazu wurden immer länger. Glücksseminare haben geboomt. Eine ganze Reihe Schulen haben sogar Glück als Unterrichtsfach eingeführt. Dann ist die Glückswelle langsam wieder abgeebbt.  Erst Corona. Dann neue kriegerische Auseinandersetzungen. Der schwindende Zusammenhalt in der Gesellschaft. Das hat Folgen. Auch für die lange vorherrschenden Hoffnungen auf immer mehr Glück. Bei einer Glücksforscherin habe ich unlängst gelesen: „Glück ist zurzeit weniger ein Thema! Es geht eher darum: Wie kommen wir durch diese belastete Zeit?“ Ich finde, sie hat recht. Heute kommt es vor allem darauf an, dass wir nicht den Mut verlieren. Oder uns nur noch hinter unseren eigenen vier Wänden von der Welt abschotten. „Das Wort Zuversicht ist heute angemessener als das Wort Glück“, sagt die Glücksforscherin deshalb. „Zuversicht und die psychische Widerstandsfähigkeit zu stärken, sind die wirkungsvollsten Möglichkeiten, die Krisen-Zeit einigermaßen zu überstehen.“

Zuversicht ist ein Wort, das mir gefällt. Aus dem Mittelhochdeutschen stammt dieser Begriff. Lässt sich seit mehr als eintausend Jahren nachweisen. Im Wort Zu-Versicht verbirgt sich ein richtungsgebundenes Schauen. Wer zuversichtlich ist, wartet nicht einfach ab. Sondern schaut der Wirklichkeit ins Auge. Schaut nach vorne. Über das Ende der aktuellen Krisen hinaus. Ich kann danach schauen, was mitten in allem Schwierigen doch auch schön ist. Was jemandem gut gelungen ist. Ich sehe auf die Menschen, die mit mir unterwegs sind. Ich erinnere mich, wie in einer aussichtslosen Situation eine neue Idee plötzlich doch einen Ausweg möglich gemacht hat.

Wenn ich zuversichtlich bleiben möchte, heißt das aber nicht nur, dass ich hinschaue. Für mich persönlich heißt es auch hinaufzuschauen. Hinauf zu Gott. Mein Glaube an Gott ist die Quelle meiner Zuversicht. „Gott ist meine Zuversicht und Stärke!“ (Psalm 46,2), heißt es in einem alten Lied in der Bibel. Ich finde es wichtig, gerade in diesen nicht leichten Tagen die Zuversicht zu stärken. Nicht nur bei mir. Auch bei anderen Menschen. Durch ein mutmachendes Wort. Durch einen freundlichen Blick. Durch ein Stück geteilte Zeit. Denn Zuversicht steckt an – zum Glück!

Traugott Schächtele
Twitter: @tschaechtele
Zeitgenosse, Pfarrer, Prälat, Ehemann, Vater von 5 erwachsenen Kindern, liest und schreibt gern.